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Seite 2 vom Bericht der Insel Fogo







Reise auf die Kapverdischen Inseln im März 2003


 V

Insel Fogo - Sao Filipe



 bitte klicken Nur ca. 25 Min dauert der kleine Hüpfer von Praia zum Hauptstädtchen Sao Filipe auf der Insel Fogo. Leider habe ich mir die falsche Seite im Flieger ausgesucht; die Insel Fogo mit dem gewaltigen Vulkan, dem Pico de Fogo, taucht auf der rechten Seite auf und die Köpfe der rechten Passagiere verdecken natürlich das Fenster. Der kleine Flugplatz liegt nicht weit von Sao Filipe entfernt und wurde in ein Lavafeld ca. 200 m über dem Meer gebaut. Mein erster Eindruck von Fogo: Alles sieht hier licht und freundlich aus und die Sonne scheint warm. Ein sympatischer älterer Herr, der auch gut deutsch spricht, nimmt uns in Empfang. Bewundernd schaut er auf unser Gepäck: Nur diese beiden Rucksäcke, nicht mehr?

 bitte klicken Schnell ist unser Hotel erreicht. Auf einem kleinen Hügel liegt das herrschaftliche Gebäude mit tollem Blick übers Meer bis hinüber zur Insel Brava und nach links auf das sich den Hang hinauf ziehende Sao Filipe. Am Hang liegt auf Fogo aber alles und jedes, wie wir noch feststellen werden. Und man wandert entweder rauf oder halt runter. Im Hotel wandern wir erst mal eine Treppe höher und nach links, dann nach rechts bis ans Ende des Gangs, letztes Zimmer. Der Blick vom Balkon nach Norden mit der Schräge der Insel sicher nicht schlecht, aber das Hotel hat besseres zu bieten, geht es mir durch den Kopf. Ich pack noch nicht aus. Eine geöffnete Zimmertür auf der Südseite weist mir den Weg. Beim Blick durchs Zimmer glitzert das tiefblaue Meer mit seinen tausenden, weißen Schaumkronen herauf und im Hintergrund winkt auch noch die Insel Brava. Das wärs doch; und das Zimmer scheint frei zu sein. Wie gehabt, die nette Dame am Empfang befragt ihren Computer. Es ist frei, wie fast alle Zimmer. Am Abend sitzen beim Essen nämlich nur sechs Leute auf der schönen Veranda bei Kerzenlicht.

 bitte klicken Sao Filipe gilt als das sauberste Städtchen der Kapverden, so steht es jedenfalls geschrieben. Wir finden es bestätigt; im Allgemeinen trifft dieses Attribut aber für alle von uns besuchten Inseln zu, denn unangenehme Verschmutzung haben wir - bis auf den ausgetrockneten Flusslauf quer durch Praia - nicht erlebt. Sao Filipe ist aber nicht nur sauber, sondern wir finden es auch schön und überhaupt angenehm, bis auf das stete Bergsteigen innerhalb des Ortes. Im untersten und zugleich ältesten Teil von Sao Filipe gefällt es uns am Besten. Hübsche, pastellfarbig angemalte Häuser aus alter portugiesischer Zeit ziehen sich von der Kirche aus den Hang nach oben. Kleine Parkanlagen laden zum Verweilen ein, um den Blick über die orangen Ziegeldächer, das blaue Meer, das Grün der Bäume und die beiden stets sichtbaren Türmchen der Kirche zu genießen. Man hat hier Zeit, Hektik ist nirgends auszumachen.

 bitte klicken Der untere, durch eine Stadtmauer abgetrennte Teil von Sao Filipe war ehemals für die Herrschaft reserviert. Männliche Sklaven mußten jeden Abend dieses Viertel, Baixo genannt, verlassen und sich in die höheren Gefilde zurück ziehen. Die weiblichen Sklaven durften oder mußten dagegen bleiben. Warum? dürfte klar gewesen sein. Was die Herrin dazu meinte, weiß ich aber nicht. Vielweiberei war auf den Inseln jedenfalls nichts besonderes, und ist es heutzutage eigentlich auch nicht. Ehen werden auf Cabo Verde nämlich nur wenige geschlossen; dennoch, der Kindersegen ist reichlich und wohnt bei der Mutter. Der Grund liegt in dem ganz erheblichen Frauenüberschuß auf den Inseln. Viele Männer sind nämlich ausgewandert, um sich in Amerika oder Europa eine Existenzgrundlage zu schaffen oder arbeiten dort und kommen nur ab und an zurück, um Kinder zu machen oder vielleicht auch Geld zu bringen. Denn irgendwoher muß das Geld ja kommen, da von Hunger auf Kapverde nichts zu bemerken ist.

 bitte klicken Die Väter, die auf den Inseln leben, haben natürlich auch für Unterhalt der Kinder zu sorgen. Sofern sie denn überhaupt was haben. Wer unwillig ist, wird ggf. auch durch Gerichte dazu gezwungen. Die staatliche Durchsetzung kann recht rabiat sein, wie unser Reiseleiter anschaulich berichtet. Selbst das einzige Bett des Mannes wird u.U. gepfändet und davon getragen. Gott sei Dank habe ich damit aber nichts zu tun. Wir lassen uns lieber mit einem Aluguer, dem typischen Fahrzeug hier, in Richtung Norden der Insel Fogo schaukeln und genießen die schöne Umgebung. Immer am Hang ist man auf Fogo unterwegs, wenn auch mal höher oder tiefer, denn die fast kreisrunde Insel ist eigentlich ein einziger, gewaltiger Vulkankegel. 2 Ringstraßen gibt's auf Fogo, die allerdings nicht vollständig sind. Durch Sturzbäche in der Regenzeit - die zwar selten sind - wurde die Verbindung immer wieder mal durchbrochen und man unterläßt jetzt die Reparatur offenbar endgültig.

 bitte klicken Fogo ist für mich die schönste der vier von uns besuchten Inseln. Stets hat man den Blick hinab aufs weite blaue Meer, die den Hang hinauf ziehen goldgelben Felder mit kleinen Dörfchen oder weit verstreuten Häuschen dazwischen und auf die uns immer wieder freundlich zuwinkenden Menschen. Gemütlich zuckelt unser Fahrer dahin; er hat Zeit und wir auch. Wenn wir halten wollen, nur aufs Dach klopfen wurden wir belehrt. Immer wieder mache ich davon Gebrauch. Mal um ein Photo zu schießen, mal um die Aussicht zu verinnerlichen, mal um eine Pflanze oder einen Baum anzuschauen oder wie hier auf dem Bild, dem dekorativ dastehenden Esel einen Besuch abzustatten. Er wird von Gabi natürlich ausgiebig gekrault. Das erstaunt nicht nur den Esel, sondern zudem auch das nebenan liegende Dorf. Denn fassungslos schaut ein ganzer Pulk Einheimischer vom nahen Hügel herab dem seltsamen Treiben von Gabi zu, wie wir bald bemerken sollten.

 bitte klicken Unsere geruhsame Tour führt durch die Ortschaften Sao Lourenco mit der recht großen Kirche des hiesigen Ordens der Kapuziner und Santo Antonio bis kurz vor den Ort Sao Jorge. Hier biegen wir in ein kleines Tal ab, das von zwei mächtigen Lavaströmen flankiert wird und fahren hinunter bis ans Meer. Die schwarze Bucht von Ponta da Salina ist das heutige Ziel. Erstaunlich, sie ist nicht heilig gesprochen. Auf den Inseln ist eigentlich aber fast alles heilig, meist sogar die Insel selbst. Denn Sao, Santo, Santa, San bedeutet nichts anderes als heilig und anfänglich hatte ich so meine Probleme mit dieser unterschiedlichen Heiligkeit. Ursprünglich war die Insel Fogo auch mal heilig; die alten Portugiesen nannten sie nämlich Sao Felipe, da Fogo am Tage des heiligen Philip (01. Mai 1460) das erste Mal von ihnen betreten wurde. Nach dem gewaltigen Vulkanausbruch um 1500 wurde ihr die Heiligkeit aber schnell wieder aberkannt und seitdem heißt sie zutreffender Feuer oder portugiesisch eben Fogo.

 bitte klicken Die sog. Schwarze Badewanne von Ponta da Salina ist erreicht. Die beiden erkalteten Lavaströme haben die kleine Bucht zwischen sich entstehen lassen. Einige Fischer sind mit ihren rot-weiß bemalten Booten gerade vom Fang zurück gekehrt und bilden jetzt die Farbtupfer in dieser grauschwarzen Umgebung. Groß ist ihr Fang aber nicht; die Fische und einige Muränen werden denn auch umgehend ausgenommen und an die wenigen hier unten lebenden Familien verteilt. Badende haben wir in dieser Badewanne allerdings keine gesehen; auch sonstige Gäste sind offenbar ausgeblieben, obgleich heute doch Samstag ist. Am Wochenende - so heißt es jedenfalls - ist hier der Teufel los. Doch wo steckt er nur? Gegen ein bißchen mehr Trubel auf Cabo Verde hätten wir wirklich nichts einzuwenden.

 bitte klicken Auf der selben Strecke geht's von Ponta da Salina nach Sao Filipe wieder zurück. Einen anderen Weg gibt es offenbar nicht. Vor dem Abendessen im Hotel wollen wir aber noch etwas von der Atmosphäre in Sao Filipe schnuppern. Den unteren Teil der Stadt mit seinem kleinen Markt, die teils engen Gassen, die 50 Kolonialhäuser mit der alten Kirche sowie den schwarzen Sandstrand sind wir ja schon vormittags abgewandert. Also bleiben wir hier auf der Höhe des Hotels und gehen mal quer in das Städchen. Alles ist hier neuren Datums mit Tankstelle und Supermarkt. Eine Art Bistro mit Tischen und Stühlen vor der Tür und schönem Blick hinunter über die Dächer, das Meer bis hin zur Insel Brava scheint uns der richtige Platz für eine Tasse Kaffee. Viel los ist hier oben aber nicht. Ab und an kommt lediglich mal eine Frau oder ein Mädchen mit Kübel oder Eimer auf dem Kopf vorbei, um irgendwo Wasser zu holen. Geschickt wird dann das Ganze nach Hause balanciert. Fließend Wasser im eigenen Heim ist offenbar nicht selbstverständlich. Für mich bleibt überhaupt ein Rätsel, woher das Wasser bei dem seltenen Regen genommen wird. Mit einem Sechser-Pack der winzigen Bierfläschchen aus dem Supermarkt (sogar mit Pfand) und einer Wasserflasche für Gabi geht's zum Hotel zurück.

 bitte klicken Das ordentliche Abendessen im Hotel bei Kerzenlicht ist stimmungsvoll. Natürlich muß eine Flasche des hiesigen Weines gekostet werden. Nur hier auf der Insel Fogo wird Wein angebaut. Sehr viel wird allerdings nicht erzeugt; der Preis von ca. 8 Euro zeigt's. 14 % Alkohol hat unser Weißwein und er schmeckt vorzüglich. In einer netten Kneipe im Ort wollen wir den Tag ausklingen lassen. Also steigen wir abwärts, am Krankenhaus vorbei und hinein in die kleinen Gassen. Doch wo sind nun die Kneipen mit den Einheimischen, dem Tanz und der Musik? Tote Hose überall und das am Samstag. Nichts ist zu finden, die Straßen sind leer, wir müssen wieder bergauf. Der Blick von der Veranda auf die vielen Lichter von Sao Filipe und auf die einzeln herüber blinkenden Leuchten von Ilha Brava ist auch nicht zu verachten.

 bitte klicken Der heutige Tag beginnt etwas problematisch. Wie immer in den Urlauben, ich rasiere mich dann nass. Gut eingeschäumt ist noch die eine Gesichtshälfte, die andere bereits glatt wie ein Kinderpopo. Nanu, was ist mit dem Wasser los. Es tröpfelt und hört dann ganz auf. Auch der Strom ist weg. Na, wunderbar. Gabi hat die rettende Idee. Nimm den Rest aus der Flasche mit Sprudel, meint sie. Sparsam wie es sich für Cabo Verde gehört, wird das kostbare Naß für die 2. Gesichtshälfte eingesetzt. Es reicht gerade noch und zufrieden streiche ich über die glatte Haut, als das Licht anspringt, das Wasser zu tröpfeln beginnt und dann wieder normal fließt. Heute soll die Fahrt hoch hinaus bis in den Krater gehen. Und wir werden nicht allein sein, kündigt der Fahrer an. Von der Insel Sal komme noch eine Gruppe für diese Tagestour herübergeflogen. Sch ...

 bitte klicken 14 weitere Touristen vervollständigen jetzt unsere Gruppe und sie sitzen beim späten Frühstück am Treffpunkt, einem netten Lokal namens Bistro. Ärgerlich, dass wir es nicht schon gestern Abend entdeckt haben; hier soll nämlich Stimmung gewesen sein. Stimmung kommt aber auch jetzt auf. In weiser Voraussicht sitze ich gleich als erster mit unserem Tagesgepäck nebendran - dem Platz für Gabi - auf dem Aluguer des Vortages. Drei weitere Ehepaare in identischem Outfit - kurze Hose, kurzes Hemd und weiße Schirmmütze mit Emblem - wollen aber auch drauf, obgleich dann einer zu viel ist. Der selbsternannte Sprecher der 6 meint nicht gerade freundlich zu mir, sie reisten schließlich zusammen und dies seien ihre reservierten Plätze, da sie schon vom Flughafen her drauf gesessen hätten. Mein Hinweis auf unsere weitaus älteren Rechte speziell an diesem Aluguer und dass ich nun mal als erster beide Plätze belegt hätte, wollen ihn auch nicht überzeugen, so dass wir schießlich mit einem Mann zu viel an Deck und einem Mann zu wenig in der Fahrerkabine und damit verbotenerweise auf Cabo Verde losfahren. Gabi als Vernünftigste wechselt nach einer halben Stunde jedoch in die Kabine, um das Recht auf den kapverdischen Inseln wieder herzustellen.

Fortsetzung: Insel Fogo


 



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