Seite 1 vom Bericht der Insel Fogo

home   |   überblick  |   sao vicente   |   santiago   |   fogo   |   sal   |   route   |   fotos

Seite 1 vom Bericht der Insel Sal







Reise auf die Kap Verde Inseln im März 2003


 VI

Pico de Fogo - Insel Fogo



 bitte klicken Unser voll beladener und zunächst auch noch ungleich belasteter Aluguer hat Schweres zu leisten. Denn es geht stetig die Flanke des Vulkans aufwärts. Da wir ja praktisch vom Meeresspiegel aus losfahren, müssen ca. 2.000 m Höhe bewältigt werden, um nur den Boden des Urkraters zu erreichen. Herrlichster Sonnenschein - natürlich - begleitet unseren Aufstieg durch trockene Felder und steinige Äcker. Fogo hat sehr, sehr fruchtbaren Boden, wie es bei Vulkanen eben so üblich ist. Das Problem ist ausschließlich der zu geringe Niederschlag. Im Vergleich zu anderen Inseln von Cabo Verde steht Fogo allerdings noch recht gut da. Alles mögliche an Gemüse und Früchten wird hier angebaut und sogar Kaffee. In letzter Zeit wird der Terrassenbau besonders gefördert. Einmal soll er Erosion verhindern und zum anderen das Regenwasser zurück halten, um mehr versickern zu lassen. Kleine Ortschaften gibt es auf der ganzen Strecke nach oben und offenbar rund um die Insel herum. Die recht ordentlichen Straßen und die obere Ringstraße machen's möglich. Dass wir hier auf einem Vulkan herumgondeln zeigt sich um so klarer, je höher wir kommen. Kleine Seitenkrater, sog. Fumarolen, werden häufiger und schwarze, erkaltete Lavaströme jüngern Datums zeigen sich eindrucksvoll.

 bitte klicken Immer höher geht's hinauf. Ich staune, wie lange es dauert. Obgleich wir stets aufwärts fahren, der oberste Bergrand rückt kaum näher, es wird nur steiler. Vom Pico de Fogo, dem gewaltigen Vulkan, der aus dem alten Krater in fast 2000 m Höhe wachsen soll, ist immer noch nichts zu sehen, nicht einmal die Spitze. Es gibt kein bißchen Vorbereitung oder Vorstellung von seinem Anblick. Dafür genieße ich um so länger den Blick über die mittlerweile riesig gewordene Vulkanflanke hinab bis zum immer tiefer und weiter weg liegenden Meer. Die Kegelform der Insel wird jetzt auch gut erkennbar. Zwei längere Stops werden auf der Fahrt nach oben eingelegt und unser Luigi, der Reiseleiter, klärt professionell seine Schäfchen über Fogos Fauna, Flora, Bevölkerung und die vielfältigen Inselprobleme auf. Er macht es wirklich gut, wenn das meiste auch für die Katz ist; es geht bei einem Ohr rein und beim anderen wieder raus. Unser luftiger Aluguer mit den zwei zerstrittenen Guppenteilen auf der Ladefläche biegt um einen gewaltigen Lavastrom und... urplötzlich steht der Pico de Fogo majestätisch, grandios, unheimlich, in seinem vollem Ausmaß vor uns. - Diesen Augenblick werde ich nicht vergessen.

 bitte klicken Ich bin hin und weg bei diesem Anblick des Pico de Fogo. Eine solche Beeindruckung hätte ich nicht erwartet. Dieser so plötzliche Anblick muß wirklich verdaut werden. Nur warum fahren unsere beiden Aluguer munter weiter? Offenbar denken sie nicht daran, gerade an dieser überaus beeindruckenden Stelle zu halten. Ich finde die Sprache dem anderen Gruppenteil gegenüber wieder und bitte mal aufs Kabinendach zu klopfen. Irritiert werde ich von allen Sechsen angeschaut, zumal ich meine Bitte wiederhole. Wie von Geisterhand bleibt der Wagen stehen und ich steige umgehend ab, was noch mehr Irritation auf der Ladefläche auslöst. Als der Wagen aber gleich wieder anfährt, ohne mich dabei zu haben, ist's den Sechsen auch wieder nicht recht, denn sie trommeln nunmehr aufs Dach. Jedoch ohne Erfolg, der Wagen fährt weiter. Mir ist's egal, denn einmal habe ich jetzt Muße und zum anderen werden sie mich schon wieder einsammeln. Einige hundert Meter weiter sehe ich die Fahrzeuge aber halten und allgemeinen Stop machen. Gemütlich beginne ich meinen Spaziergang vor den Augen des Pico de Fogo durch diese geheimnisvolle, dunkle Welt.

 bitte klicken 1995 gab's hier den letzten Ausbruch des Vulkans. Darüber war sogar in den deutschen Zeitungen zu lesen. Allerdings kann von einem großen Ausbruch nicht gesprochen werden. Und es war auch nicht der Pico de Fogo selbst, der gespuckt hatte. Es war nur ein kleiner Seitenkrater am Fuße des Pico, der sich hier entlud. Auf dem Bild ist er zu sehen. Für die im Urkrater lebenden Menschen war es jedoch eine Katastrophe. Denn eine ca. 20 m hohe Lavamasse bedeckte nach dem Ausbruch fast alle Felder und insbesondere die Weinpflanzungen. Die Lebensgrundlage der hiesigen Bauern war damit erst mal vernichtet. Es ist schon faszinierend diese Lavamassen, verquollen, aufgetürmt, gedreht und im Fluß erstarrt heute zu sehen. Und durch dieses wahnwitzige Gestein führt bereits eine neue Straße, gepflastert wie fast alle Straßen auf den Kapverden.

 bitte klicken Viel zu rasch bin ich wieder bei der Gruppe. Sie bietet jedoch einen wunderschönen Anblick in dieser dunklen Umgebung. Das Weiß und die Farben der Kleidung, auch die Autos erscheinen hier als besonders hervorstechende Tupfer im Krater. Alle Gruppenmitglieder hören fleißig unserem Luigi zu. Ich streune lieber weiter herum, Gabi wird mir schon das Wichtige erzählen. Zum Beispiel, dass direkt neben uns Weinstöcke gepflanzt sind, die ich als solche nicht erkannt habe. Auch weiß Gabi bereits, dass der Pico de Fogo vom Meeresspiegel aus genau 2829 Meter hoch in den Himmel ragt und dass man ca. 4 - 6 Stunden braucht, um ihn von der Kratersohle aus zu besteigen. Herunter kommt man dafür in etwa einer halben Stunde, denn auf und mit der Asche rutscht man wunderschön herab.

 bitte klicken Dies sind also die Weinstöcke. Faszinierend, offenbar sind die Pflanzen einfach in den Ascheboden gesteckt und gedeihen so. Ein schönes Bild, das frische Grün auf dem grau-schwarzen Boden zu sehen. Da es hier ja nur selten regnet, muß der Rebe allein der Tau der Nacht und des Morgens genügen. Wolken und Feuchtigkeit ziehen - wie wir hören - auch reichlich in den Krater herein. Der ca. 200 m hohe Kraterwulst existiert nämlich nur zur Hälfte, nach der anderen Seite hin ist der Krater offen. Es gibt hier übrigens auch Bäume, die die Feuchtigkeit in besonderem Maße an sich ziehen. Das Wasser fließt dann den Stamm herunter und kann so aufgefangen werden. Es sollen etliche Liter pro Nacht und Baum sein. Eigentlich kaum zu glauben, was die Natur so bietet.

 bitte klicken Im Krater wird es jetzt ordentlich heiß, kein Lüftchen bewegt sich hier und die Sonne kracht erbarmungslos vom Himmel herunter. Gabi steigt wieder in ihre schattige Fahrerkabine und der Rest der Besatzung auf die offene Ladefläche. Unsere Fahrt geht weiter durch diese Urlandschaft Richtung des einzigen Dorfes im Krater, nach Cha das Caldeiras. Meine sechs Mitfahrenden scheinen sich nicht mehr so recht wohl in ihrer Haut zu fühlen. Wie soll man auch die nackten Arme und Beine vor der Sonne bedecken, wenn man nichts zum Bedecken dabei hat. Auch ich kann nichts anbieten; meine lange Hose und das langarmige Hemd brauch ich nun wirklich selbst. Sechs kräftige Sonnenbrände scheinen sich hier anzubahnen. Einem wäre ja zu helfen, wenn Gabi ihren schönen Platz in der Kabine räumen würde. Bin mal gespannt, ob sich jemand zu einer Anfrage überwindet.

 bitte klicken Ein bepacktes Eselchen, das ganz allein nach Cha das Caldeiras tippelt, wird von uns überholt. Das wäre doch ein schönes Motiv, denke ich. Mit dem Klopfen aufs Kabinendach klapp's jetzt bei der direkt an der Kabine sitzenden roten Dame schon ganz gut und das Bildchen ist alsbald im Kasten, wie ja auch zu sehen ist. Die flachen Häuser von Cha das Caldeiras tauchen auf. Sie sind aus Lavagestein gebaut und daher genau so düster wie alles hier. Wie kann man an diesem Ort nur wohnen? Der drohende Vulkan des Pico de Fogo direkt über einem und allgegenwärtig. Vielleicht tatsächlich nur mit Wein. Beschwipste haben wir aber nicht gesehen; jedenfalls keine Einheimischen. Die Gruppe nach dem Mittagessen und dem Genuß des 18 % Rotweins möchte ich mal außer Acht lassen.

 bitte klicken Viel zu sehen gibt es in Cha das Caldeiras wirklich nicht. Das Interessanteste sind die Menschen. Kinder sind natürlich als erste da, denn Besuch ist sicher eine der wenigen Abwechslungen, die man im Krater haben kann. Die Kinder bieten kleine strohbedeckte Häuschen als Souvenirs an. Vielleicht hätte ich sogar eins gekauft, wenn es solche Häuser hier gegeben hätte. Auffällig sind die vielen Blondschöpfe, die zu sehen sind, auch wenn die Haut der Blonden dunkel bis schwarz ist. Die Schuld gibt man einem französischen Grafen mit dem Namen Montrond. Mit 24 Jahren, also im besten Mannesalter, kam er 1860 in den Krater und blieb unverständlicherweise hier, obgleich er in Frankreich ein eigenes Schloß besessen haben soll. Im Krater besaß er demgegenüber aber diverse einheimische Frauen und da man in einer Urlandschaft ansonsten nicht viel machen kann, beschäftigte er sich offenbar im Wesentlichen nur mit dem Einen. Die vielen blonden Montronds legen noch heute Zeugnis von diesen gräflichen Aktivitäten ab. Im Gegensatz zu den anderen Adligen und Herrschaften auf Cabo Verde stand er aber zu seinem Nachwuchs, gleich welcher Farbe dieser auch immer war.

 bitte klicken Bis auf einen Einzigen sind alle während des Vulkanausbruchts 1995 geflüchteten Weinbauern wieder in ihr Dorf Cha das Caldeiras zurückgekehrt. Zwar hatte die Regierung mit Hilfe der EU außerhalb des Kraters für sie neue Häuser gebaut. Doch was sollten sie dort ohne ihre Felder und damit ohne Lebensgrundlage. Sie hatten keine Wahl. Das Dorf selbst war nicht zerstört worden, so dass die Häuser wieder bezogen werden konnten. Stabil sind die Unterkünfte ja, aber schon recht primitiv, wie auf dem Bild zu sehen ist. Ohne Verputz und ohne Farbe; das typische Zeichen auf Cabo Verde für arme Leute. Es wird immer nur so weit gebaut, wie das Geld gerade reicht. Deshalb sieht man viele Häuser auf den Inseln, die zwar schon bewohnt aber längst noch nicht fertig gestellt sind. Nachbarschaftshilfe beim Bau ist hier selbstverständlich, auch die Sippe ist natürlich mit dabei.

 bitte klicken Unsere Mittagspause wird in dem wohl einzigen Lokal des Dorfes eingelegt. Sehr einfach ist es gestaltet mit den groben Holztischen im Freien und den Tarnnetzen von der Deutschen Bundeswehr als Schattengeber darüber. Urig ist es aber, zumal bei dem reichlich angebotenen Rot- und Weißwein in Plastikflaschen. Zwei nette Ehepaare aus dem anderen Wagen lernen wir so kennen und vereinbaren gleich ein Wiedersehen auf Sal; morgen geht's auch für uns dort hin. Gut gelaunt wird jetzt die Fahrt zurück nach Sao Filipe angetreten. Es ist die gleiche Strecke der Herfahrt. Noch ein letzter Blick auf den Pico de Fogo, der mich so beeindruckt hat, und dann 2000 m Höhe hinunter. Standhaft sitzen die sechs identisch Bemützten wieder neben mir und unter der strahlenden Sonne. Sie halten durch; ein kräftiger Sonnenbrand zeichnet sich aber schon deutlich an Arm und Bein ab. Endstation ist wieder im Bistro. Für Gabi und mich Zeit, einen Kaffee zu trinken. Die Restgruppe bekommt ganze 20 Min, um vor dem Abflug noch das Städtchen Sao Filipe kennen zu lernen. Wir bedauern sie und freuen uns auf den Sonnenuntergang über der Insel Brava.

 bitte klicken Das Abendessen erwartet uns, wir steigen hinauf zum Hotel. Es ist mehr Betrieb im Haus, wie wir gleich merken. Eine Gruppe Italiener ist angekommen und damit echtes Leben, denn sie haben sich viel zu erzählen. Mit Blick auf den Sonnenuntergang köpfe ich vor dem Essen noch ein Fläschen Bier auf der Veranda. Fein gemacht geht's gegen 8 Uhr hinunter und das Licht geht aus. Halb Sao Filipe liegt im Dunklen. Es dauert. Kerzenschein ist angesagt. Das Licht flackert wieder und alles atmet hörbar auf. Auch aus der Küche kommen wieder Geräusche. Erneutes Flackern und das Licht ist aus. Bestellen können wir aber und eine Flasche des guten Fogoweins kommt auf den Tisch. Wir sind erstaunt, auch das Essen wird alsbald aufgetragen. Propan scheint hier das Zauberwort zu sein. Irgendwann geht auch das Licht wieder an. Den Abend lassen wir diesmal im Bistro mit anderen Touristen zusammen ausklingen.

 bitte klicken Heute hüpfen wir das letzte Mal. Von der Insel Fogo auf die Insel Sal. Schade. Gerne hätten wir noch weitere Inseln besucht. Das Inselhüpfen hat uns Spaß gemacht. Es hat ja auch alles bestens geklappt, ohne jedes Problem. Selbst mit der Sprache haperte es nicht. Einige Brocken Portugiesisch hatte ich mir zwar angeeignet, brauchte es aber kaum. Die eigentliche Sprache hier ist das Kreolisch, eine Mischung, jedoch mit dem Hauptanteil von Portugiesisch. Auch mit der Gesundheit und dem Magen hatten wir keine Last. Das Essen normal und bekömmlich; exotische Krankheiten gibt es auf den Kapverden keine, woher sollten sie auf kleinen Inseln auch kommen. Impfungen waren daher nicht nötig.

Fortsetzung: Insel Sal


 



Seite 1 vom Bericht der Insel Fogo

home   |   überblick  |   sao vicente   |   santiago   |   fogo   |   sal   |   route   |   fotos

Seite 1 vom Bericht der Insel Sal



Kapverdische Inseln Kapverde Cabo Verde Cape Verde Bild Reisebericht pics images pictures imágenes grafika immagini imagens rapporto rapport récits de voyage voyages image Report on a journey Reports afryka Informes viajes, viaje del recorrido retratos picture pic, isola imagem immagine information informationen informations informacion. informaciones informazioni informacao Viaggi Viaggio Viagem Viagens ile Journeys Reiseberichte Kapverden Islands iles islas isole ilhas island isla ilha isle áfrica información île, îles Reise Reisen Bilder africa Afrika travelogues Afrique Cap Verde kapverden verte capo capoverde sao tiago.