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Seite 6 vom Bericht Libyen

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Seite 8 vom Bericht Libyen

 

 

    Flagge von Libyen

Reise nach Libyen
 
VII

     

 

     Am Rande der Ebene, nahe einem Felsberg und etwas Buschwerk für die Kamele wird unter einer Akazie Mittagsrast gemacht. Ich steige von Ebbedit ab, trinke die halbe Wasserflasche leer und schon zieht’s mich auf den nahen Berg. Die Blicke von oben sind für mich einfach ein Muß. Die anderen wissen mittlerweile schon, wo ich regelmäßig zu finden bin, wenn das Essen fertig ist. Erstaunlich ist für mich, wie die Tuareg es immer schaffen, frischen Salat und Gemüse auf die Eßmatte zu bringen. Es schmeckt hervorragend. Danach bin ich wieder auf dem Berg. Gewaltige Felsquader und sonstiges Geröll liegen oben herum und man muß beim Klettern schon sehr vorsichtig sein. Eine Mütze und anderes mehr zwischen den Quadern zeugen davon, daß ich hier nicht der erste bin. Auch wunderschöne goldene Sanddünen haben sich abgelagert. An der höchsten Stelle auf einem gewaltigen Felsbrocken lasse ich mich nieder. Der Blick geht weit: Den Berg runter, der sich in die dunkle Ebene ergießende Flußlauf mit Büschen und einigen Akazien darin, die weite, schwarze Ebene mit ein paar Felsburgen und ganz am Horizont erkenne ich sogar die gewaltigen Dünen des Erg Kasa, die wir ja durchquert hatten. Rückwärts geht der Blick auf das Gebirge des Tadrart mit den weißen Waditälern. Auf einem der gegenüber liegenden Berghänge krabbelt der bunte Punkt und auch Renate wandert herum und findet dann ihr Aussichtsplätzchen. Erst als die Kamele sich dem Lager wieder nähern, verlasse auch ich meinen Aussichtspunkt. Beim Runtersteigen entdecke ich doch tatsächlich ehemaligen leicht gewellten und heute versteinerten Meeresboden. Er ist in Platten zerfallen und wirkt wie ein exakt verlegter Fußboden. Welche Zeiten mögen hier vergangen sein? An einem aufgerichteten Steinhaufen finde ich noch eine Tonscherbe aus alter Zeit.

      Durch ähnliche Landschaften wie schon morgens geht es weiter. Immer zwischen den Ausläufern des Tadrart und der schwarzen Steinebene. In der Ferne hinter der Ebene die schwach erkennbaren Berge des Ergs. Wadis mit weißem Sand und auch kleineren Dünen werden durchquert. Der Himmel wird wieder dunkler, nachdem er über Mittag etwas klarer geworden war. Die Kamele und die Tuareg bleiben aber ruhig, so daß ich wohl wegen des Wetters keine Bedenken zu haben brauche. Ich erinnere mich an die eigentlich kaum glaubliche Tatsache, daß in der Sahara mehr Menschen ertrinken als verdursten. Denn wenn es mal regnet, dann kommen wahre Wasserfluten herunter. Da keine Vegetation und auch kein Mutterboden vorhanden ist, die Wasser aufsaugen und speichern können, rauscht das Wasser sofort die Hänge herab, sammelt sich in Wadis und wächst in kürzester Zeit zu reißenden Flüssen an. Karawanen ziehen nun aber im Regelfall in diesen Wadis, weil der Boden meist eben und etwas sandig und nicht mit für Kamele unangenehmen und gefährlichem Geröll bedeckt ist. So kann es leicht zur Katastrophe kommen, wenn die Karawane die Gefahr nicht rechtzeitig erkennt und das Wadi verläßt.

     Hier allerdings in den Außenbezirken würde sich das Wasser schnell über eine große Fläche verteilt haben und versickern. Eine echte Gefährdung dürfte somit für uns jedenfalls ausgeschlossen sein. Verdursten werden wir wohl auch nicht. Denn immer wieder mal tauchen ein oder mehrere Fahrzeuge auf, die Hilfe holen könnten. Dennoch ist gerade vor kurzer Zeit in dieser Gegend ein älterer Targi verdurstet. Er war auf der Suche nach seinem Kamel, das offenbar seine Fesseln abgestreift hatte. Als er nach zwei Tagen immer noch nicht zurück war, ging seine Familie los, fand ihn aber nur noch tot. Er war verdurstet.

      Der Boden unter unseren Kamelen wird felsiger. Überall tauchen jetzt einzeln stehende, bizarre Felsgebilde auf. Sie wirken wie trutzige Burgen und Festungen in der Ebene. Der Himmel wird zugleich immer dunkler, die Sonne ist schon völlig verschwunden und eine geheimnisvolle Düsternis breitet sich um uns aus. Wenn mir auch nicht ganz wohl dabei ist, so bin ich doch fasziniert von dem, was sich unseren Augen hier bietet. Wieder denke ich an das US-Monument Valley. Es wird noch düsterer. Und tatsächlich … Es fängt in der Sahara an zu regnen. Ca. ein Mal in fünf Jahren regnet es im Tadrart und wir sind die "Glückspilze", dieses Spektakel zu erleben. Aber Gott sei Dank schüttet es bei uns nicht, sondern es bleibt bei wenig Regen, der auch nur kurz anhält. Meinen Regenschutz, den ich vorsorglich schon mal parat genommen habe, kann ich wieder verstauen. Die schwarze Wolkenwand zieht hinter uns vorbei in Richtung des Ergs. Die Sonne kommt jetzt sogar hervor und bescheint das ganze Szenario. Herrlich !! Weit im Hintergrund leuchtet selbst der Ergrand schwach auf. Und dann… Es ist doch nicht zu fassen. Ein Regenbogen mitten in der Wüste. Wer hat das schon mal erlebt. Wir sind alle begeistert. Auch Renate genießt die seltene Erscheinung von höherer Warte; sie strahlt, wie auf dem Bild unschwer zu sehen ist. Daß sie dabei auf einem regelrechten Stinktier sitzt, schmälert ihre Begeisterung nicht. Ihr Kamel hat nämlich die Angewohnheit, von allen Kamelen mit Abstand am meisten zu fressen; die Folgen sind entsprechend. Ihr "Brauner" ist vorne ständig am Rülpsen und stößt dabei die fürchterlichsten Geruchsschwaden aus; ja und hinten knattert er wie mit einem Maschinengewehr mit den ebenfalls bekannten Gerüchen. Renate sagt - trotz unserer Frotzeleien - dazu nur noch: " Es ist halt von Natur aus so." Wir vermeiden es allerdings ihr zu nahe zu kommen, wenn sie auf ihrem Thron sitzt. Oben muß die Luft aber wohl doch besser zu sein, denn ich kann mir kaum vorstellen, daß eine so appetitliche Frau es ansonsten bei dem Gestank - wie er unten ist - aushalten würde.

      Es klart bei uns immer stärker auf und die dunklen Wolken brauen sich jetzt voll über dem Erg Kasa zusammen. Eine andere Gruppe, die wir später trafen, hat dagegen die ganze Wucht des Unwetters im Erg Murzuk erleben können. Es war bei ihnen schon spät am Abend als es losging. Unglaubliche Massen an Wasser stürzten über sie herein. Sie konnten nur noch in die Autos fliehen. Dennoch ist ihr gesamtes Hab und Gut pitschnaß geworden und es muß den ganzen folgenden Tag gedauert haben, bis alles wieder einigermaßen trocken wurde. Im Erg ist ein solches Unwetter allerdings nur wenig gefährlich. Das Wasser versickert schnell, die Sandmassen saugen das Naß auf und geben es dann nur dosiert wieder ab. Die Nacht war für die Gruppe aber dahin. Warum nicht auch einmal ein solches Erlebnis in der Sahara?!

      Wir jedenfalls erreichen alsbald ein weites, sandiges und mit genügend Buschwerk bewachsenes Flußbett in der Ebene. Es wird unser Übernachtungsplatz, da hier die Kamele ausreichend Futter finden. Insofern bestimmen letztlich bei Karawanen immer die Kamele, wo pausiert oder übernachtet wird. Meinen Seesack deponiere ich in einer leichten Sandkuhle mit Blick in die Ebene und auf einen einsam stehenden Baum. Der Wind frischt jetzt wieder auf. Für den Fall weiteren Regens soll das einzige Zelt, das wir mitführen, aufgebaut werden. Die Klamotten könnten dann trocken gestellt werden. Es ist ein Rundzelt, das zwar leicht aufgebaut und in sich stabil ist, doch wie in dem Sand befestigen. Wir werden losgeschickt, um schwere Steine zu sammeln. Ich hab so meine Bedenken, ob unser Bauwerk wirklich an Ort und Stelle bleiben würde. Mir ist mein Regenschutz, eine große Plastikhaut, die ich um meinen Schlafsack wickeln könnte, doch sicherer. Der Seesack ist im übrigen aus wasserdichtem Material.

     Das Abendessen gestaltet sich bei dem wehenden Sand etwas schwierig. Heute gibt’s bei uns erstmalig gleiche Kost wie bei den Tuareg. Unterhalb der Glut im Sand gebackenes Brot, das von uns kleingebrockt in eine große Schüssel gegeben und dann mit Fleisch und Sauce gegessen wird. An dem frischgebackenen, heißen Brot verbrenne ich mir beim Zerbröseln auch gleich mal die Pfoten. Die Tuareg müssen wohl schon ausreichend Hornhaut an den Fingern haben, denn sie packen das Brot sofort problemlos an. Das frische Brot schmeckt wirklich gut. Das Hammelfleisch wird von uns jedesmal weniger gegessen. Man sieht in der Dunkelheit schlecht was man bekommt und wenn auf einmal ein kräftiger Brocken reines Hammelfett im Mund ist, weiß man in Gegenwart der anderen nicht so recht, wie man es unauffällig wieder herausbekommt. Ablenkung tut not. Heute ist aber kein Sternhimmel zu sehen, auf den man verweisen könnte. Man bleibt also stumm und schafft es dann doch irgendwie. Der Sand bewahrt sein Geheimnis.

      Die Nacht vergeht problemlos. Beim Aufwachen geht gerade die Sonne im Dunst auf. Ein wunderschönes Bild mit dem Bäumchen im Vordergrund. Ich krame noch im Schlafsack liegend nach der Kamera und mache es. Bereits nachts hatte ich diesen Blick einmal gehabt; es war als ob eine helle Neonröhre für mehrere Sekunden die gesamte Landschaft erleuchtet hätte. Ein solch langes, gleichmäßiges Wetterleuchten habe ich noch nie erlebt. Der heutige Ritt (für die anderen eigentlich mehr Wanderung) soll keine 7 Stunden wie gestern dauern. Die Sonne lacht jetzt vom Himmel. Ebbedit schaut mit seinen großen Augen unter den hübschen, langen Wimpern zufrieden auf die gemächlich vorüberziehenden ebenen Sandflächen und die einzeln stehenden Bergkuppen. Alles sieht licht und freundlich aus. Wir begegnen einer Herde Ziegen. Und - der Zufall will es - die zweite SUNTOURS - Gruppe kommt mit ihren Jeeps geradewegs auf uns zu. Es gibt natürlich ein großes Hallo. Jeder will vom anderen wissen, wie seine bisherige Tour verlaufen ist. Auch sie sind begeistert und schwärmen insbesondere von dem für Touristen erst seit kurzer Zeit freigegebenen Gebiet um Aramat (ca. 100km nord-westlich von Serdeles). Es muß traumhaft sein. Bald fahren sie weiter Richtung Erg Murzuk und wir tappen in Richtung Serdeles.

      Gegen Mittag ist die Bergwelt wieder erreicht und unser ausgewähltes Wadi führt direkt hinein. Unter überhängendem Fels bestaunen wir eine Malerei, die hauptsächlich kriegerische Szenen zeigt. Unser Mittagsrastplatz ist nicht mehr weit. Eine schweizer Gruppe, die in der Nähe gelagert hat, reitet gerade ab. Man staune: Bei ihnen reitet die ganze Gruppe. Ein Kamel ist den Schweizern allerdings abhanden gekommen.







      Nach dem Mittagessen ist Lilo damit beschäftigt, zum hundertsten Male die Kamele aus allen Positionen und in allen Positionen zu fotografieren. Renate ist schon weit entfernt; sie will offenbar nochmals die kriegerische Malerei aufsuchen. Philipp besteigt einen hohen Berg. Gudrun und Hedwig habe ich eigentlich nie alleine herumwandern sehen. Mich zieht’s in die andere Ecke der Wadi-Ebene. Dort hatte ich auf dem Herweg nämlich eigenartige Löcher - wie Schwalbennester - in den oberen Teilen von einzeln stehenden Felstürmen gesehen. Als ich hinkomme, kann ich es kaum fassen, was die Natur hier fertiggebracht hat. Wie per Hand aus dem Stein gemeißelte regelrechte filigrane Gitter und dahinter hohl. Manchmal exakt nebeneinander liegende Vertiefungen oder Löcher, die klein beginnen und immer größer werden. Und das in mehreren Reihen genau untereinander. Ich klettere hoch und will es nicht glauben. Was hier Wind, Sand, Sonne und Kälte bewirkt haben, würde jedem Bildhauer mehr als zur Ehre gereichen. Es ist echte, beeindruckende Kunst. Auf dem gegenüberliegenden Felsdom noch feinere Ausarbeitungen. Ich kann mich nicht satt genug sehen und sitze lange davor, um die Kunstwerke auf mich wirken zu lassen. Wieder auf einem anderen Turm noch was Phantastischeres. Ein unglaubliches, monumentales Relief schräg unter einem weit, überhängenden Felsen. Mir ist unwohl, mich darunter zu stellen. Aber es fasziniert mich derartig, daß ich einfach hochklettern muß. Es ist so gewaltig und beeindruckend, daß es mich innerlich regelrecht aufwühlt. Ich hätte sowas nie für möglich gehalten. Die Figuren und Formen ergreifen mich ähnlich, wie ich es bislang nur beim Anblick des Bildes Guernica von Picasso erlebt habe. Lange lasse ich es auf mich wirken und nur ungern trenne ich mich davon. (Es ist übrigens das untere der beiden abgebildeten Kunstwerke; leider kommt die Gewalt der Gestaltung auf dem Photo nicht recht zur Geltung. Aber ich habe es erlebt.) Auf der Rückseite des Felsbrockens ein anderes Werk. Es ist das große Bild rechts. Es liegt hoch im Fels und ist nur über eine äußerst steile Düne und Kletterei zu erreichen. Aber auch diese Steinmetzarbeit lohnt die Mühe. Noch weitere Kunstwerke sind in diesem Naturatelier vorhanden. Ich schwelge jedenfalls und freue mich wahnsinnig, daß ich per Zufall diesen Ort der Kunst entdeckt habe. Ich werde den anderen von meiner Entdeckung erzählen, denn irgendwie muß ich die Eindrücke loswerden.

      Zuvor aber noch einen kurzen Abstecher zur naheliegenden, steil aufragenden Wadiwand. Dort ist nämlich ein exakt würfelförmiger Felsbrocken von der Größe eines mehrstöckigen Hauses herausgebrochen; er steht fast genau auf einer Kante. Danach wandere ich wieder zum Lager zurück, da noch eine weitere Felszeichnung besichtigt werden soll. Zu Fuß führt Ali uns zu einer Felshöhlung, an deren Wand Menschen und Tiere aus vergangener Zeit erzählen. Interessant sind hier insbesondere diverse, glatte Vertiefungen und Löcher im Felsboden. Darin wurden Steine oder Pflanzen zermahlen, um die ocker, roten oder gelblichen Farben für die Zeichnungen herzustellen. Auch die zum Zermahlen benutzten kreisrunden und ovalen Steine liegen noch in unterschiedlicher Größe herum. Auf dem Rückweg kommt wieder Wind auf und vor die schon tief stehende Sonne ziehen Schleierwolken. Die Silhouette der darunter befindlichen Bergwelt wirkt jetzt weich und etwas schemenhaft.

      Abends wird es lausekalt und wir müssen uns immer dicker anziehen. Die Eßmatte wird hinter eine steile Felswand gezogen, um etwas geschützter das Essen einnehmen zu können. Es dauert heute lange, bis die Mahlzeit gekocht ist. Der Koch hat Probleme mit der Taschenlampe, kein Ersatzbirnchen will passen. Unsere Sitzunterlagen, selbst aufblasbare Matten, bringen nicht viel. Es gibt hier zu viele Dornen, die immer wieder durchstechen. Jeder erzählt von seinen Erlebnissen, während Kekse gekaut werden. Später zieht es uns alle zum warmen Lagerfeuer. Aber der Rücken bleibt kalt. Dennoch wird viel gelacht und irgendwann fangen die Tuareg an, Geschichten zu erzählen. So dürften am Lagerfeuer in der Wüste wohl auch die Märchen aus Tausendundeiner Nacht entstanden sein. Die Geschichten sind sehr unterschiedlich. Manche haben eine Pointe, andere nicht, wieder andere sind reine Erzählungen, auch Fabeln oder einfach Märchen sind dabei. Es macht Spaß zuzuhören. Lustig auch die vielen nötigen Übersetzungen. Vom Tamaschek ins Französische und dann ins Deutsche, aber auch noch ins Arabische, da ein Araber dabei ist. Als von Uli und Renate, unseren beiden Lehrerinnen, dann Till Eulenspiegel und Hase und Igel zum Besten gegeben wird, laufen die Übersetzungen umgekehrt. Die Tuareg hängen bei den beiden deutschen Geschichten mit ihren Augen an jedem Wort, das den Erzählerinnen über die Lippen kommt. Besonders der Älteste kommentiert jeden übersetzten Satz mit einem gespannten "ha". Sie sind beeindruckt und freuen sich, Neues gehört zu haben.

      Der Abend wird lang. Irgendwann mach ich mich mit meiner Taschenlampe aber auf, um in den Schlafsack zu krabbeln. Gudrun schließt sich aus Orientierungsgrünen gleich an, da sie in meiner Nähe ihr Plätzchen ausgesucht hat. Zwei nahe zusammenstehende Bäumchen hatte ich mir als Wegweiser eingeprägt. Aber wo sind nun die beiden richtigen Bäumchen? Es gibt deren so einige, wie ich jetzt in der Dunkelheit feststellen muß. Ich wandere hin und wandere her, Gudrun tappt mit. Es ist mir peinlich, daß sie meinem Orientierungssinn so viel Vertrauen geschenkt hat. Ebbedit finde ich zuerst, der kauend irgendwo liegt. Endlich sehe ich meinen Seesack und kann jetzt auch Gudrun sagen, wo ihr Lager sein muß. Ein Schluck Osborn tut not.

      Morgens kommt unsere Karawane erneut an der gestrigen Felshöhle vorbei. Unser Weg wird steiniger. Die Felsberge und -kuppen rücken recht nah heran. Skurrile Figuren beobachten unseren Vorbeimarsch. Leider zu weit weg ein riesiger Torbogen aus Stein, den ich gerne von der Nähe besichtigt hätte. Aber die Karawane zieht weiter. Es geht einen langgestreckten Hang hinauf und plötzlich ein Abbruch in ein tiefes Tal. Ein wunderschöner Blick hinunter. Wir, richtigerweise nur ich, muß vom Kamel absteigen, da es zu steil hinuntergeht. Ich lasse die anderen weit vorwandern und genieße noch etwas die Aussicht von oben. Rechter Hand im Hintergrund sind eine Unzahl von Felstürmen zu sehen. Hoffentlich führt unser Weg dorthin. Als letzter wandere ich durch die Ebene, vorbei an gewaltigen Steinbrocken. Man fragt sich, wie sie hier hergekommen sind. Philipp und Lilo spazieren ebenfalls herum; sie scheinen u.a. auf Artefakt-Suche zu sein. Die Karawane biegt in ein enges Wadi ein und unter riesigen Quadern, die eine Höhle formen, wird die Matte ausgerollt. Ich steige gleich mal die Wadiwand hoch, um von oben den Blick hinunter zu haben. Die befreiten Kamele ziehen ebenfalls sofort los und Lilo gleich mit der Kamera hinterher.

      Eins der Kamele hat Uli fachmännisch verarztet und verbunden; es hatte sich den Höcker wundgescheuert. Der Chamelier ist ihr dafür äußerst dankbar, denn die Kamele sind den Tuareg fast heilig. Sie sorgen sich rührend um ihre Tiere und würden wohl fast alles für sie tun. Sie sind ihr ganzer Stolz und für viele sicher auch der kostbarste Besitz. Das Verhältnis sehe ich ähnlich wie bei uns zwischen Hund und Mensch. Die enge Beziehung zu seinem entlaufenen Kamel war wohl auch der Grund, daß der verdurstete Tuareg die Gefahr, ohne Wasser zu suchen, mißachtete. Ein braunes unserer Kamele hat sogar eine besondere Position inne. Es ist das Müllkamel. Sämtliche organischen Abfälle und zudem noch das Abwaschwasser werden nur ihm gewährt. Genüßlich liegt es dann vor dem Trog, macht den Hals lang und sucht sich wählerisch entweder ein Stück wassertriefendes Brot, eine vergammelte Orange oder ein Salatblatt aus. Sein Betreuer sitzt dabei und schaut zufrieden auf das kauende Tier. Man kann froh sein, daß die heutige Motorisierung diese faszinierenden, angenehmen Wesen nicht völlig verdrängt hat. Lange Zeit schien es nämlich so, doch zwischenzeitlich erholt sich der Bestand gerade auch im stark motorisierten Libyen wieder. Unsere touristische Meharée - diese Reiseform wird immer aktueller - trägt sicher dazu bei.

- F o r t s e t z u n g - VIII -

Flagge von Libyen
 

 


 

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