Um mich herum klickten die Kameras, was das Zeug hielt.
Auch meine kleine Pocket trat jetzt in Aktion. Hoffentlich
werden die Bilder was - denke ich - und fangen etwas von der
Unwirklichkeit ein, die da vor uns lag. Und hoffentlich,
hoffentlich sind keine Sandkörner in meiner Kamera. Wieder
viel zu schnell hieß es, diesen einmaligen Panoramahochsitz
zu verlassen und und die Oase anzufahren. Ich hätte den
ganzen Tag dort sitzen können. Ein weiterer Stop vor dem See.
Hier mein Versuch (wie schon auf früheren Reisen) mit zwei
Bildern die größer gewordene Gesamtoase einzufangen. Ich
glaube es ist mir ganz gut gelungen. Dann sind die Palmen und
der See und auch der Müll erreicht.
Bewohnt ist die Oase seit einigen Jahren nicht mehr.
Lediglich alte aus Lehmziegeln erbaute Häuser, sehr
verwinkelt, labyrinthartig und mit kleinen Zimmerchen, stehen
noch herum und zeugen von den früheren Einwohnern. Sie
nannten bzw. nennen sich Daouadas. In einer Nacht- und
Nebelaktion - niemand weiß nichts genaues nicht - wurden die
Daouadas jedenfalls aus ihren bisherigen Siedlungsgebieten in
dem Sanddünengebiet zwischen Ubari, Sebha, Brak und Idri
evakuiert und in neu und speziell für sie erbaute Dörfer im
Wadi Adjal bei Maknusa "umgesiedelt".
Eigenartigerweise waren die neuen Dörfer bereits seit langem
vorher fertiggestellt worden. Man munkelt, daß Staatschef
"Führer der Großen Revolution" Oberst Muammar al-Kadhafi
an den Seen ein großes Touristenzentrum geplant haben soll
bei dem - seiner Ansicht nach - dann die Einwohner nur gestört
hätten.
Daouadas bedeutet "Wurm-Esser". Dabei essen
diese dunkelhäutigen Leute, die möglicherweise eine eigene
Rasse sind, die nichts mit den Schwarzen des Afrika südlich
der Sahara zu tun hat, in Wirklichkeit aber keine Würmer.
Ihre Nahrung war nämlich eine Art Garnele oder auch Salinen-Krebs.
Dieser lebt - gesehen habe ich keinen - in großen Mengen in
den Seen; um sein Gedeihen zu fördern, opferten die Daouadas
alljährlich ein Kamel, dessen Blut in den See zu fließen
hatte. Aus diesen Tierchen wurde eine Paste hergestellt, die
dann in Form kleiner Bällchen getrocknet wurde. Gelegentlich
kamen Karawanen von Tuareg über die Dünen, um den Dud (er
galt als wirksames Aphrodisiakum, entsprechend groß war die
Nachfrage) gegen andere Waren einzutauschen. - Es fehlte fast
an allem hinter den Dünen. Ein weiterer der wenigen
Exportartikel der Einheimischen war das Natron. Es entsteht
in diesen stark salzhaltigen Seen durch natürliche
Verdunstung. Ganz gut zu sehen am Ufer oder auch teils in der
Seemitte. Und selbstverständlich gibts dort jede Menge
von Datteln. Es war das erste Mal, daß ich sie sogar selbst
von den jungen Palmen pflücken konnte. Sie hingen fast schon
eingetrocknet und zuckersüß im Zentrum der Pflanze. Aus
schlechter Erfahrung vor 10 Jahren in Süd-Algerien öffnete
ich allerdings jede Dattel, um nach Würmchen Ausschau zu
halten. Aber stets Fehlanzeige, so daß ich nunmehr Datteln
gegenüber wieder mehr Vertrauen gewonnen habe.
Vor zwei Jahren brannte die gesamte Oase. Man erkennt es
noch an den verkohlten Palmenstämmen. (Aber offenbar sind
Dattelpalmen selbst Feuer gegenüber widerstandsfähig; fast
alle trieben in ihren Kronen wieder aus.) Der Rauch und der
Feuerschein soll über -zig Kilometer zu sehen gewesen sein.
Man erzählt sich, daß ein alter Daouada voll von Trauer und
Zorn über die Evakuierung wieder zurückgekehrt sei und beim
Feuermachen dabei versehentlich die ganze Oase anzündet hat.
Er soll noch hier am Mandarasee hausen. Gesehen haben wir ihn
leider nicht, obgleich seine Anwesenheit glaubhaft erscheint,
da wir sauberes Geschirrzeug fanden. Die vielen rumliegenden
Dosen, das Plastikzeug und dergleichen mehr dürften aber
kaum von ihm allein stammen.
Wir streunten durch die Oase. Das Ufer des Sees ist stark
mit Schilf bewachsen und läßt kaum einen Zutritt zum Wasser
zu. Der See, oder besser Teich, soll teilweise von heißen
Quellen gespeist sein. Mücken waren (noch) keine unterwegs.
Ansonsten solls geben: Spring- und andere Mäuse,
Fennek, Katzen, Käfer, Raben, Bleßhühner und auch
Schlangen. In den Außenbezirken, dort wo die Büsche und
Palmen nur noch einzeln stehen und sich dann im Sand
verlieren, halte ich mich die meiste Zeit auf; es ist hier am
schönsten. Die Oase im Inneren bietet - jedenfalls
angesichts der hohen Erwartungen - nicht so viel. Der Müll,
die zerfallenden Häuser und die vielen Trampelspuren im Sand
lassen eher etwas Wehmut aufkommen; es fehlen wohl die
Bewohner.