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Seite 3 vom Bericht Libyen

 

 

    Flagge von Libyen

Reise nach Libyen
 
II

     

 

    Unsere Teufelsfahrer, die Tuareg, kennen die Strecke offenbar aus dem ff. Jede Düne wird richtig genommen. Mal schnell, mal langsam, mal linksseitig, mal rechtsseitig oder auch drüberhinweg. Ich komme mir zeitweise vor wie auf der Achterbahn. Nur gut, daß ich nicht selbst am Steuer sitzen muß.

    Für Selbstfahrer und Ortsunkundige würde sich unsere phantastische Strecke zu den Seen dann wie folgt lesen:
Drei freistehende Tamariskenbüsche am Pistenrand (km 2,9: Pos. N 26°35`10`` und E 13 ° 09` 00``). Hier halten wir kurz an, reduzieren den Luftdruck auf Werte für Sandverhältnisse, holen selbst dagegen noch mal tief Luft und fahren dann los: Westlich der großen Düne geht es anfangs flach, dann steiler die Rampe hinauf nach Norden; eine Unmenge an Müll liegt hier herum. Das Ende der Rampe erreichen wir schon nach 3 km. Jetzt folgen graue Walfischrücken, kleinere Dünen und mäßig weiche Tennen und Senken. Bei km 6 umfahren wir eine kleinere Düne westlich, eine weitere Rampe liegt vor uns. Die ist deutlich weicher: Allrad (falls noch nicht zugeschaltet) und Reduktion (falls vorhanden) sind angesagt. Erneut zwei kleine Dünen, die wir in nördlicher Richtung überqueren. Wie Riegel legen sie sich immer wieder in unseren Weg. Dabei bleiben wir hinter der großen Düne, d.h. auf deren Nordseite. Zwischen km 8,5 und 9 kurven wir weiter um die Dünen herum, wir drehen dabei mehr und mehr auf Nordost, fahren 60°, wenig später über eine Tenne wieder mit 40°. Bei km 10 fahren wir gar vorübergehend 100 bis 110°. Weitere Dünen und Tennen folgen. Unsere Grundrichtung bleibt jetzt wieder 40°. Bis km 19,4 bleibt es bei diesem stetigen Wechsel zwischen Tennen und kleinen Dünen. Wir sind dabei auf der Rückseite einer weiteren hohen und sehr glatten Düne. Zwischen km 20,5 und 22,5 passieren wir weitere Dünen, die jedoch gut befahrbar sind; wir halten uns eher auf der Hangseite der Düne. Dies ist alles kein Problem, wenn Spuren vorhanden sind und die Sicht einigermaßen gut ist. Bei km 22,9 halten wir an: Der Mandara-See ist in Sicht !! ( Position N 26°40`21`` und E 13°15`41``). Leicht bergab geht es nun auf unser Ziel zu. (Auszug aus dem informativen Reisehandbuch "Libyen" von Gerhard Göttler, Reihe: Reise Know-How. Übrigens eines der wenigen überhaupt erhältlichen Reisebücher über dieses Land. )


 

Die Dünen des Erg Ubari im Gegenlicht

Die Dünen des Erg Ubari nach der anderen Seite

Start zu den Mandara-Seen

Mit ca. 70 - 80 km/h durch die Wüste Richtung Mandara-Seen

 




     Für uns gab`s jedoch noch eine kleine zusätzliche, zudem willkommene Abwechslung: Eine Reifenpanne. Und das im Sand. Offenbar durch den gewaltigen Querdruck auf der äußerst schrägen Düne, die bei vollbeladenem Fahrzeug und vollem Gasdurchtreten genommen werden sollte. Mir jedenfalls hätte der unfreiwillige Stop nicht lang genug dauern können auf der dann von mir zu Fuß genommen Düne. Wir befanden uns hier nämlich inmitten eines wahren Dünengebirges. Nur noch tiefblauer Himmel und goldgelber Sand im gesamten Blickfeld. – Wie die Tuareg den Jeep in dem weichen Sand allerdings hochbocken und reparieren konnten, ist mir dadurch aber schleierhaft geblieben.

      Die genaue Lagebeschreibung (bei Göttler) ist eine Sache, die Seen zu finden eine andere. Auf meiner Übersichtskarte zu Hause "Michelin 953 Afrique -Nord et Ouest" sowie den diversen Atlanten war jedenfalls keine Spur der Mandaras zu finden. Die guten russischen Generalstabskarten über Libyen (man höre und staune), die neuerdings auf dem Markt zu bekommen sein sollen, hatte ich nicht. Selbst die in Libyen gekaufte Karte ist insoweit leer. Aber tatsächlich zu finden sind die Seen in Natura gemäß obiger Beschreibung bestens. Schlecht zwar mit Kompaß, den ich übrigens für alle Fälle von zu Hause mitgenommen hatte, aber mit GPS. Dieses "Global Positioning System" beruht auf einem Netz-System von 24 (amerikanischen) Satelliten, die auf festgelegten Bahnen die Erde umkreisen. Sie senden Signale aus, die das recht handliche GPS-Gerät - ähnlich einem kleinen Rechencomputer - empfängt und umrechnet.

     In meinen beiden Libyen-Alben (eins hat man bereits in der Hand) ist das entsprechende Kartenmaterial zum Auffinden der Seen auf der vorletzten Seite zu finden. Denn diesen High-Lights näherten wir uns ja jetzt. Wir rauschten mit vollem Karacho auf eine den Weg versperrende Querdüne zu, der Hang wurde genommen und ... geplant war ein Halt direkt auf dem Kamm. Unser Fahrzeug kippte jedoch nach vorne weg und rutsche die Düne herunter. Aber: Der Mandara-See lag jetzt endlich - wie ein Juwel eingebettet in der weiten, herrlichen Dünenlandschaft - direkt vor uns. Übernatürlich, eine Fata Morgana !!!

Für mich gab`s nur eins. Wieder rauf auf die Düne, hinsetzen und schauen, schauen ...


 

Sandgebirge im Erg Ubari

Man kann nur noch staunen

 Unsere Turareg-Führer

Hunderte von km nur Sand

 



     Um mich herum klickten die Kameras, was das Zeug hielt. Auch meine kleine Pocket trat jetzt in Aktion. Hoffentlich werden die Bilder was - denke ich - und fangen etwas von der Unwirklichkeit ein, die da vor uns lag. Und hoffentlich, hoffentlich sind keine Sandkörner in meiner Kamera. Wieder viel zu schnell hieß es, diesen einmaligen Panoramahochsitz zu verlassen und und die Oase anzufahren. Ich hätte den ganzen Tag dort sitzen können. Ein weiterer Stop vor dem See. Hier mein Versuch (wie schon auf früheren Reisen) mit zwei Bildern die größer gewordene Gesamtoase einzufangen. Ich glaube es ist mir ganz gut gelungen. Dann sind die Palmen und der See und auch der Müll erreicht.

    Bewohnt ist die Oase seit einigen Jahren nicht mehr. Lediglich alte aus Lehmziegeln erbaute Häuser, sehr verwinkelt, labyrinthartig und mit kleinen Zimmerchen, stehen noch herum und zeugen von den früheren Einwohnern. Sie nannten bzw. nennen sich Daouadas. In einer Nacht- und Nebelaktion - niemand weiß nichts genaues nicht - wurden die Daouadas jedenfalls aus ihren bisherigen Siedlungsgebieten in dem Sanddünengebiet zwischen Ubari, Sebha, Brak und Idri evakuiert und in neu und speziell für sie erbaute Dörfer im Wadi Adjal bei Maknusa "umgesiedelt". Eigenartigerweise waren die neuen Dörfer bereits seit langem vorher fertiggestellt worden. Man munkelt, daß Staatschef "Führer der Großen Revolution" Oberst Muammar al-Kadhafi an den Seen ein großes Touristenzentrum geplant haben soll bei dem - seiner Ansicht nach - dann die Einwohner nur gestört hätten.

    Daouadas bedeutet "Wurm-Esser". Dabei essen diese dunkelhäutigen Leute, die möglicherweise eine eigene Rasse sind, die nichts mit den Schwarzen des Afrika südlich der Sahara zu tun hat, in Wirklichkeit aber keine Würmer. Ihre Nahrung war nämlich eine Art Garnele oder auch Salinen-Krebs. Dieser lebt - gesehen habe ich keinen - in großen Mengen in den Seen; um sein Gedeihen zu fördern, opferten die Daouadas alljährlich ein Kamel, dessen Blut in den See zu fließen hatte. Aus diesen Tierchen wurde eine Paste hergestellt, die dann in Form kleiner Bällchen getrocknet wurde. Gelegentlich kamen Karawanen von Tuareg über die Dünen, um den Dud (er galt als wirksames Aphrodisiakum, entsprechend groß war die Nachfrage) gegen andere Waren einzutauschen. - Es fehlte fast an allem hinter den Dünen. Ein weiterer der wenigen Exportartikel der Einheimischen war das Natron. Es entsteht in diesen stark salzhaltigen Seen durch natürliche Verdunstung. Ganz gut zu sehen am Ufer oder auch teils in der Seemitte. Und selbstverständlich gibt’s dort jede Menge von Datteln. Es war das erste Mal, daß ich sie sogar selbst von den jungen Palmen pflücken konnte. Sie hingen fast schon eingetrocknet und zuckersüß im Zentrum der Pflanze. Aus schlechter Erfahrung vor 10 Jahren in Süd-Algerien öffnete ich allerdings jede Dattel, um nach Würmchen Ausschau zu halten. Aber stets Fehlanzeige, so daß ich nunmehr Datteln gegenüber wieder mehr Vertrauen gewonnen habe.

     Vor zwei Jahren brannte die gesamte Oase. Man erkennt es noch an den verkohlten Palmenstämmen. (Aber offenbar sind Dattelpalmen selbst Feuer gegenüber widerstandsfähig; fast alle trieben in ihren Kronen wieder aus.) Der Rauch und der Feuerschein soll über -zig Kilometer zu sehen gewesen sein. Man erzählt sich, daß ein alter Daouada voll von Trauer und Zorn über die Evakuierung wieder zurückgekehrt sei und beim Feuermachen dabei versehentlich die ganze Oase anzündet hat. Er soll noch hier am Mandarasee hausen. Gesehen haben wir ihn leider nicht, obgleich seine Anwesenheit glaubhaft erscheint, da wir sauberes Geschirrzeug fanden. Die vielen rumliegenden Dosen, das Plastikzeug und dergleichen mehr dürften aber kaum von ihm allein stammen.

     Wir streunten durch die Oase. Das Ufer des Sees ist stark mit Schilf bewachsen und läßt kaum einen Zutritt zum Wasser zu. Der See, oder besser Teich, soll teilweise von heißen Quellen gespeist sein. Mücken waren (noch) keine unterwegs. Ansonsten soll’s geben: Spring- und andere Mäuse, Fennek, Katzen, Käfer, Raben, Bleßhühner und auch Schlangen. In den Außenbezirken, dort wo die Büsche und Palmen nur noch einzeln stehen und sich dann im Sand verlieren, halte ich mich die meiste Zeit auf; es ist hier am schönsten. Die Oase im Inneren bietet - jedenfalls angesichts der hohen Erwartungen - nicht so viel. Der Müll, die zerfallenden Häuser und die vielen Trampelspuren im Sand lassen eher etwas Wehmut aufkommen; es fehlen wohl die Bewohner.


 

Der Haupt-Mandarasee in Sicht

 Natron und Palmholz im See

 Unsere 4 Grazien am Mandarasee

5 km weiter der Um el Ma

 



     Insgesamt soll es zehn bis 15 solcher Seen geben. Ihre genaue Zahl ist bis heute nicht bekannt. Es scheint jedoch, daß die Zahl eher vom Grundwasserspiegel abhängt: Ist er hoch, bilden sich Seen auch an solchen Stellen, die normalerweise trocken liegen - und schon ist wieder ein See mehr zu zählen. Vom Mandara-See aus ist es nur ein Katzensprung zu einem weiteren See-Wunder, das wir nun anfahren, dem Um el Ma. Zu deutsch: Mutter des Wassers. Die Palmen dieses Sees sind bald gesichtet und kurz vor deren Erreichen fährt unser Tuareg seinen Jeep einen kleineren aber steilen Dünenhang soweit hoch, bis er im tiefen Sand stecken bleibt. Ein paar Schritte noch höher und … ein weiteres Paradies liegt vor uns. – Das Bild der nächsten Seite zeigt es.

     Um el Ma oder auch Umm al Ma oder auch Um el Maa. Welche Schreibweise nun wirklich richtig ist, bleibt unklar, in gleicher Weise wie bei den meisten Namensangaben für Städte, Dörfer, Ergs, Hamadas (Steinwüsten) etc. Hinzu kommt, daß es alte oder auch neue Namen gibt. Um dann alles für Fremde endgültig unverständlich zu machen, gilt in Libyen allein die (für mich allerdings wunderschöne) arabische Schrift. Kein einziges Straßenschild ist in unserer Schrift zu finden. Aufgrund der Schulpflicht in Libyen von 6 - 15 Jahren und einer Alphabetisierungsquote (1990) von 64 % (Männer 75%, Frauen 50%) dürften aber wenigstens die Einheimischen, insbesondere die Jüngeren, beim Lesen und Schreiben hier keine Probleme haben.

- F o r t s e t z u n g - III -
m
Flagge von Libyen
 

 


 

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