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Seite 3 vom Bericht Libyen

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Seite 5 vom Bericht Libyen

 

 

    Flagge von Libyen

Reise nach Libyen
 
IV

     

 

     Bereits nach kurzer Fahrt sind die Ausläufer des Ergs erreicht und das grüne Wadi Adjal mit der Steilstufe des Messak Mustafit wieder in Sicht. Eigentlich eigenartig, daß die Sandmassen das Wadi respektieren und nicht unter sich begraben. Und das offenbar schon seit Jahrtausenden. Das heutige Germa (Garama, Djerma) ist - wie alle Orte hier - langweilig. Ein Stück außerhalb liegen jedoch die interessanten Ruinen des alten Germa. Vor 3.000 Jahren war hier nämlich die Hauptstadt des Garamanten - Reiches. Von allen Berberreichen die in Nordafrika und in der Sahara bestanden, war dies eines der mächtigsten. Keines hat je bei den griechischen und römischen Autoren der Antike so viel Aufmerksamkeit erfahren wie das der Garamanten. Es waren die gefürchtetsten Widersacher am anderen Ufer des Mittelmeeres. Es wird berichtet, sie hätten sich mit Streitwagen fortbewegt; tatsächlich finden sich an verschiedenen Stellen in der Sahara Felsmalereien von solchen garamantischen Kampfwagen. Auch wir sollten sie später zu sehen bekommen. Die Römer führten während ihrer Herrschaft in Nordafrika mehrere Feldzüge gegen sie durch und das wohl südlichste Monument römischer Geschichte und Herrschaft findet sich hier in Germa. Ob das Relikt allerdings ein römisches Siegesdenkmal oder nur das Mausoleum eines reichen römischen Kaufmanns darstellt, bleibt ungewiß. Es wird auch als Grabmal der Prinzessin Lucilla bezeichnet.


 

Abendstimmung im Erg Ubari

 Gegessen wird so !

Garama, die alte Garamantenhauptstadt

Wasser läuft aus dem Kühler

 



    Während der Vandalenherrschaft erlebte das Garamantenreich eine letzte Periode vorübergehender Unabhängigkeit. Im Gegensatz zu den Römern wagte sich dieses germanische Volk nicht so weit in die Sahara hinein. Auch Ostrom vermochte nicht, sie zu unterwerfen. Dies gelang erst den Arabern unter ihrem Feldherrn Okba Ibn Nafi (eine bekannte Größe auch in der Geschichte Tunesiens: Er gilt als Gründer Kairouans!). Ca 670 n.Ch. wurde Garama erobert, die Garamanten und andere Berbergruppen unterjocht und versklavt; ein massiver Exodus der berberischen Gruppen in weniger zugängliche Gebiete war die Folge. Diese garamantisch-berberischen Völker gelten als die Vorfahren der heutigen Tuareg. Anarchie scheint sich danach in diesem Teil der Sahara breitgemacht zu haben. Der gesamte Fezzan geriet in den Herrschaftsbereich der schwarzen Tubu. Im 14. Jahrhundert schließlich geriet die Region in die Hegemonie des Sultans von Marokko, der Murzuk mit dem größten Sklavenmarkt zur Hauptstadt erklärte, bis im 16. Jh. schließlich die Türken das gesamte Gebiet unterwerfen konnten. Anfang unseres Jh. wurden dann die Italiener Herren des Fezzan. Sie waren es auch, die die ersten archäologischen Untersuchungen in diesem Gebiet vornahmen.

    Auch heute noch wird im - durch die alten Stadtmauern klar begrenzten - Bezirk des alten Garama gebuddelt. Es ist schon ein eigenartiges Gefühl, jetzt durch die engen und labyrinthartig angelegten Gäßchen zu wandern und sich in den zum Teil recht gut erhaltenen winzigen Zimmerchen der ehemaligen Häuser aufzuhalten. Was mag sich hier alles so abgespielt haben? Daß die aus Lehmziegeln erbauten Mauern sich über 3 Jahrtausende aber erhalten konnten, ist wirklich erstaunlich. Ein kleiner Markplatz, umgeben von wuchtigen Mauern und festungsartigen Häusern (sogar mit Balkonen) sind noch gut erkennbar. – Nach zwei Stunden dann Abfahrt Richtung Mathendous, dem Tal der Gravuren.

     Um dorthin zu gelangen, müssen wir erst mal die Steilstufe des Messak Mustafit überwinden. Wie sich herausstellt, ist dies aber kein Problem, da die Staßenbauer eine gewaltige Kerbe in die Falaise gesprengt und offenbar mit derem Schutt die riesige Rampe hinauf angelegt hatten. Sicher eine Meisterleistung. Oben dann ein ganz anderes Bild. Eine tischebene Hochfläche öffnet sich bis zum Horizont. Daher also Messak, was nichts anderes als Tisch bedeutet. Die Ebene übersät - soweit man sehen kann - mit fast gleich großen Steinen, nicht aufgehäuft, sondern immer einer schön neben dem anderen. Und alle in schwarz. Mustafit heißt denn auch schwarz. – Fast eine Stunde rollen wir durch diese Hochebene; rundherum alles identisch, kein Baum, kein Strauch, keine Erhebung, nichts… So abrupt wie wir die Steinebene hinauf mußten, so abrupt müssen wir auch wieder hinunter. Eine neue, bis an den Horizont reichende Ebene, nunmehr aus Sand, tut sich auf und wir rauschen mit unseren Jeeps hinein. Die Straße ist jetzt nicht mehr geteert und jedes Fahrzeug zieht - schon von weitem erkennbar - eine kräftige Staubwolke hinter sich her. Bald schon ist bei unserer hohen Geschwindigkeit der Messak Mustafit hinter uns verschwunden.

     Wir befinden uns auf der Straße, die bis zur Stadt Murzuk am Rande des riesigen Erg Murzuk (oder wie in Libyen üblicherweise benannt: Idhan oder Idehan oder auch Edeyen Murzuk) führt. Die Stadt selbst werden wir leider nicht anfahren, was ich bedaure. Sie hatte nämlich in früherer Zeit als Schnittpunkt verschiedener Karawanenrouten große Bedeutung. Auch die ersten europäischen Forschungsreisenden, wie insbesondere Heinrich Barth nahmen diese Stadt als eigentlichen Ausgangspunkt für ihre Entdeckungen in Nordafrika. Nach fünf Jahren größter Strapazen kehrte Barth 1855 dorthin wieder zurück.

     Unsere Autos biegen irgendwann von der Straße in Richtung Westen ab. Jetzt beginnt die Piste, eigentlich die Fahrerei, die man sich üblicherweise in der Wüste vorstellt. Aber eigentlich auch das wieder nicht, denn auf dem hier recht festen und völlig ebenen Sandboden können wir mit 70 km/h oder mehr - lt. Tuareg - dahinrauschen. (In keinem der Fahrzeuge habe ich einen intakten Tacho erlebt.) Zunächst ist ab und zu noch ein einsamer Baum oder Strauch in der Ferne zu sehen. Bald aber auch das nicht mehr, nur noch Horizont, Weite und die Staubfahnen, die wir hinter uns herziehen. Wie die Tuareg hier ihren Weg finden, ist mir schleierhaft. Er ist aber immer richtig, denn ca. alle 5 -10 km taucht ein schwarzer Punkt im Nichts auf, der sich beim Näherkommen als aufgestellter Reifen oder auch als Teertonne entpuppt. Übrigens typische Wegweiser in der Wüste, wie ich sie bereits in Süd-Algerien vor 10 Jahren erlebt habe. Und dann … die erste Fata Morgana.

     Zwischenzeitlich sind auf unserem steten Weg nach Westen linksseitig die gewaltigen Sanddünen des Erg Murzuk aufgetaucht und näher gerückt. Für etwa zweihundert Kilometer wird dieser Ergrand nun unser Begleiter bleiben.

     Über regelrechte Rennstrecken und nach erneuter Panne (diesmal auslaufendes Kühlwasser) erreichen wir eine Bewuchszone in einem ehemaligen Urstromtal und machen unseren Mittagsstop. Hier gedeiht auch die in der Sahara recht häufige und auffallende Koloquinte, ein "Bitterkürbis". Wie Bälle sehen die Früchte aus, kugelrund und an langen Fäden wie aufgereiht. Ich nahm eine Frucht in die Hand; sie war schwer und offenbar voller Saft. Eine andere, die völlig abseits von der Pflanze lag, wollte ich mit dem Fuß davonkicken, doch diese war federleicht, zerplatzte wie ein hohle Eierschale und entließ die Kerne. Sehr schlau! Der Wind läßt nämlich die eingetrockneten und dann leichten Früchte wie Bälle über viele Kilometer rollen und verteilt somit die Pflanze. Wir fanden die Bälle an den unmöglichsten Stellen. Erst wenn -ggf. auch nach Jahren- ein ganz bestimmtes Mindestquantum an Regen fällt, reagiert der Samen.

     Nach weiteren Rennstrecken taucht ein einsamer Kontrollposten im Nichts auf und kontrolliert uns tatsächlich. Danach geht’ s einen steilen sandigen Abhang hinauf. Am Rand des neuen, höheren Plateaus rauschen wir weiter mit dem Blick links auf die Dünen und nach rechts auf eine immer näher rückende, riesige, schwarze Hamada (Steinebene). Gewaltige wandernde oder auch stehende Windhosen sind dort in der Ferne zu sehen, die Sand- und Staubwolken in große Höhe wirbeln. Schon bei meiner Mittagswanderung hatte ich eine etwas kleinere Windhose beobachtet, die in meiner Nähe vorbeizog und mich doch etwas unruhig machte. Irgendwann fahren wir den Hang wieder runter und holpern in die schwarze bis zum Horizont reichende Hamada hinein. Ca. 5 Kilometer vorsichtigster Fahrt über die Steine und das recht schmale Wadi Mathendous liegt vor uns. Auch hier wieder - wie bei den meisten Wadis - im ehemaligen Flußlauf einzelne Büsche. Offenbar enthalten die Wadis immer noch oder immer wieder Feuchtigkeit.


 

Das Tal von Mathendous in Sicht

Gravuren aus uralter Zeit

Welche Bedeutung mag diese Gravur haben?

Tierreich war die Sahara ehemals

Berühmtes Reptil

 


     Dieser landschaftlich wenig spektakuläre Taleinschnitt ist jedoch einer der bedeutendsten kulturellen Plätze der Prähistorie. Die hier zu findenden Felsbilder und insbesondere Gravuren wurden deshalb von der UNESCO auch als Weltkulturerbe unter Schutz gestellt. Hunderte von Zeichnungen, Elefanten, wuchtig, aber nicht plump, schlanke Giraffenpaare, Echsen, Krokodile, auch Liebes- und Jagdszenen, mit großem künstlerischem Geschick in den harten Stein gemeißelt, zeugen von einer Kultur, die hier vor mehr als 7000 Jahren fruchtbaren Savannenraum besiedelte. Die Sahara war damals vergleichbar mit den heutigen Wildreservaten in Ostafrika. Von den Menschen, die all diese Bilder vor der Austrocknung der Region hinterlassen haben, ist aber nichts bekannt. Da die Gravuren überall an Felswänden, oder an einzelnen Felsblöcken verstreut, vorkommen, muß man sie teilweise richtiggehend suchen. Manche Gravuren finden sich ganz unten, andere weit oben, fast an der oberen Kante des Abbruchs. Unser Führer Ali weiß jedoch gut Bescheid und wandert und krabbelt mit uns in der Felswand rauf und runter. Die teils versteckten oder bereits stark erodierten Figuren hätten wir wohl kaum selbst entdeckt. Die klare, einfache aber absolut treffende Linienführung begeistert und beeindruckt mich tief. Hier waren wirkliche Künstler der Frühzeit am Werk. Welche Bedeutung mache Gravuren haben, bleibt jedoch im Dunklen. Dies gilt insbesondere für einen Tierkörper (wohl von einem Rind) ohne Kopf, dafür aber an beiden Rumpfenden mit Hinterbeinen. Auch ist unklar, ob die nebenstehende Abbildung ein Krokodil oder aber einen Waran bzw. ein sonstiges Reptil darstellt. Es ist in der Wissenschaft noch umstritten und daher wohl auch die berühmteste prähistorische Gravur in Libyen geworden. Abbildungen der alten Künstler gibt es ebenfalls, wenn auch nur von ihren Füßen und Händen.

- F o r t s e t z u n g - V -

Flagge von Libyen
 

 


 

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