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Seite 7 vom Bericht Libyen

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Ende vom Bericht Libyen

 

 

    Flagge von Libyen

Reise nach Libyen
 
VIII

     

 

      Nach dem Essen wandere ich los, um möglicherweise die gesichteten Felstürme zu erreichen. Es ist aber weit und ich bin mir nicht sicher, ob ich hinkommen kann. Drei Stunden habe ich insgesamt Zeit. Ich merke mir ganz genau den Weg, da es um etliche Ecken und Berge herumgeht. Denn verlaufen will ich mich hier wirklich nicht; es ist aber prickelnd, so allein weit davonzuwandern. Jetzt verstehe ich die Kamele. Nach einer Stunde sitze ich auf einem Berggipfel und schaue nach der einen Seite auf eine weite, von Bergen eingerahmte Sandebene, nach der anderen Seite auf die Felstürme, die herrlich in Sanddünen eingebettet sind, und in noch anderer Richtung auf die dunklen Bergmassive. Die Wüste ist schon toll, denke ich. Und ich freue mich, daß ich statt der geplanten Woche auf der Insel Wangerooge nunmehr hier sitze. Der Prospekt mit dem Hinweis, daß noch kurzfristig Plätze für Libyen frei seien, kam genau richtig. Denn auf diese Idee wäre ich sonst nicht gekommen. Aber auch Wangerooge ist schön. Ich hab die Nordseeinsel ja gesehen, als ich Gabi von der dortigen Schönheitsfarm abgeholt habe. Ein Bild bei Ebbe mit Watt und Dünen gemacht, hätte ich im übrigen auch in dies Album schmuggeln können; es wäre wahrscheinlich nicht aufgefallen. Vielleicht werde ich ein anderes Mal länger in Wangerooge bleiben, wenn, ja wenn… nicht wieder ein Prospekt dazwischen kommt.

      Beim (problemlosen) Zurückwandern staune ich nicht schlecht. Eine Jeep-Karawane von 10 Fahrzeugen kommt plötzlich über die Ebene gerauscht und verschwindet sogleich wieder hinter Felsbergen. Diese Touristen tun mir leid, so durch diese schöne Landschaft gescheucht zu werden. Unterwegs entdecke ich im Bergfels noch zwei natürliche Stollen, die tief hineingehen. Der eine Eingang gut verdeckt durch große Steinquader. Ob darin was Interessantes sein mag? Aber ohne Taschenlampe wage ich eine Erforschung denn doch nicht.

      Bald ist Aufbruch. Und ich will es nicht glauben; es geht im Wadi zurück und exakt auf meinen mittäglichen Hochsitz zu. Direkt unterhalb wird sogar das Nachtlager aufgeschlagen. Nun gut, ich kenn mich hier halt schon aus. Auf einer wunderschönen Düne stelle ich meinen Seesack ab und steige danach wieder aufwärts. Von oben beobachte ich das Treiben der anderen und der Kamele. Renate zieht los auf die andere Seite der Ebene, ebenfalls Philipp, Lilo fotografiert Kamele, Klaus sammelt Holz, Hedwig kann sich nicht für einen Liegeplatz entscheiden und wandert hier und dort hin während Uli sich um die Lagereinrichtung bemüht. Abends am Lagerfeuer warten die Tuareg mit neuer - für sie aber durchaus gängiger - Wüstenunterhaltung auf: Denksportspiele und Brett- oder hier besser Sandspiele. Das Tolle dabei ist, daß sie keinerlei vorgefertigte Spielunterlagen benötigen, sondern diese in Windeseile auf dem Sandboden selber erstellen. Schachbrett oder Mühlespiel oder sonst notwendige Spielzeichnungen werden verblüffend exakt lediglich mit den Fingern erstellt. Vor Erstaunen und Bewunderung darüber schauten wir uns nur noch gegenseitig an. Und es funktioniert bestens. Figuren gibt’s aus Brot oder Steinchen. – Die Augen werden heute trocken; künstliche Tränen müssen her, auch für Gudrun. Ein paar Regentropfen fallen nachts sogar wieder. Ich hätte es aber im Notfall nicht weit zu einem Felsüberhang gehabt.

      Morgens strahlender Himmel. Wir wollen zuerst wandern, die Kamele sollen später nachkommen. Die Ebene querdurch, an eigenartigen Felsformationen und wunderschönen Dünen vorbei auf die nächste weite Ebene, die mit einer dünnen Steinchenschicht belegt ist. Ali sieht einfach so im Vorübergehen eine Pfeilspitze. Sofort sind auch wir animiert und jeder schreitet jetzt suchend weiter. Gefunden haben wir aber nichts. Die Karawane holt uns ein und Gudrun, Philipp sowie ich begeben uns auf’s Kamel. Die Landschaft wird aber bald zu schön; ich muß wieder runter und fotografieren. Eine weite Fläche gelb-weißen Sandes, aus dem eine Unzahl schwarzer Felsgebilde und Bergrücken herausragen, hat sich vor uns geöffnet. Von rechts mündet zudem ein schwarz-weißes Wadital ein. Wieder ein grandioses Bild! Ich setz mich, laß Renate ein Photo von mir machen und bleib einfach sitzen bis die Karawane fast außer Sichtweite ist. Jetzt heißt’s aber schleunigst hinterher, denn in dem Felsgewirr verliert man die Gruppe schnell.

      Die Tour begeistert mich wirklich in jeder Hinsicht. Alles klappt hervorragend. Die Organisation, die hier in Libyen von den einheimischen Agenturen geleistet wird, ist bestens. Daß Jaroschs nur gut ausgewählte Unternehmen einschalten würden, war für mich klar. Deshalb fahre ich ja auch schon das dritte Mal mit SUNTOURS. Ich habe einfach Vertrauen in ihre Arbeit. Auch die Gruppe stimmt; wir verstehen uns alle blendend. Erstaunlich ist allerdings, daß man aus dem persönlichen Bereich der Teilnehmer eigentlich so gut wie nichts weiß. Außer dem bereits Berichteten nur: Gudrun war verheiratet und hatte offenbar eine schwere Kindheit aus Krankheitsgründen gehabt, wie sie mal beiläufig erwähnte. Gerade um die Ecke vom Finanzgericht arbeitet sie In einem Institut, macht Befragungen in Firmen und veröffentlicht auch. Aber welchen Inhalt ihre Arbeit genau hat, ist mir unverständlich geblieben. Renates Mann ist tragischerweise letztes Jahr verstorben. Sie hat zwei wohl schon fast erwachsene Kinder und ist in der Grundschule tätig. Hedwig scheint Sachbearbeiterin in einer Firma zu sein. In zwei Jahren geht sie in Rente. Ob sie verheiratet ist oder war, bleibt für mich offen. Lilo ist bereits in Rente und muß sich - neben ihren vielen Reisen - hauptsächlich um ihre alte Mutter und Tante kümmern. Uli war früher ganz bei Jaroschs beschäftigt, hat dann jedoch - als die Lage in den wichtigsten Reiseländern Algerien und dem Niger kritisch wurde - lieber ihre Lehrtätigkeit wieder aufgenommen und ist jetzt in derselben Schule tätig wie Renate. Aus Passion ist sie aber während der Ferien weiterhin als Reiseleiterin tätig. Adoptiert haben Uli und Klaus zwei Kinder aus Korea. Das war’s im wesentlichen schon, was ich zum Privatleben der Teilnehmer sagen kann.

      Bezüglich unserer Tuareg sieht’s - was den persönlichen Bereich anlangt - noch viel schlechter aus. Wie mag ihr übliches tägliches Leben aussehen? Denn sie sind ja nicht dauernd auf Meharée. Gerne wäre ich mal in eine Tuaregfamilie gekommen. Die Tuareg sind die bekanntesten Vertreter der Sahara-Berber. Einige Zehntausend von ihnen leben im äußersten Westen Libyens. Ghadames und vor allem Ghat sind die libyschen Zentren. Die Mehrzahl der Tuareg lebt jedoch in Algerien mit der Ortschaft Djanet als Zentrum. Über die Grenze hinweg bestehen vielfältige verwandtschaftliche Beziehungen. Als charakteristisches Merkmal der Tuareg gilt ihre Gewandung: Die Männer tragen regelmäßig einen Gesichtsschleier, den Tugulmust. Dieser ist für die Tuareg ein so wichtiges Attribut, daß sie sich selbst als Kel Tugulmust bezeichnen, als "die Leute mit dem Gesichtsschleier". Unsere Chameliers zogen ihre Gardinen aber nur bei stark wehendem Wind vors Gesicht. Leider muß ich sagen, da sie dann nämlich wirklich königlich und besonders fotogen aussehen. Die Frauen sind hingegen unverschleiert, wie im übrigen auch die meisten mohammedanischen Libyerinnen.

      Libyen spielt im Zusammenhang mit der Erhebung der Tuareg in Niger und Mali gegen ihre jeweils von Schwarzen dominierte Regierung eine bedeutende Rolle: Hier wurden und werden Freiheitskämpfer ausgebildet und logistische Unterstützung gewährt. Bei Verhandlungen zwischen den Staatschefs der fünf Tuareg-Länder trat Oberst Kadhafi gar im Tuareg-Gewand auf und hieß die Tuareg aller Länder bei sich willkommen. Wohl wissend um die historische Vergangenheit - die wahrscheinlichen Vorfahren der heutigen Tuareg, die Garamanten, sind ja die Ureinwohner des Fezzan - erklärte er kurzerhand alle Tuareg zu Libyern. Mit der Ölkrise und dem von der UNO verhängten Embargo wegen des Jumboabsturzes von Lockerbee fließen die Gelder aber nicht mehr so reichlich und viele Tuareg, die aus anderen Ländern gekommen waren, wurden wieder abgeschoben.

      Bald habe ich zu unserer Karawane aufgeschlossen. Wir ziehen durch ein wahres Felsengewirr und teilweise tiefen Sand. Die Berge werden höher und sind von einer Unmenge an Geröll bedeckt. Der weiche Sandstein zerbröselt bei dem ständigen Wechsel von täglicher Hitze und nächtlicher Kälte offenbar sehr schnell. Mit einem harten Gegenstand ist es auch kein Problem, aus dem Gestein Sand abzureiben. Erdgeschichtlich gesehen, dürfte das Tadrart-Gebirge daher nur ein kurzes Gastspiel geben und wieder zu Sand zerfallen.

      Unsere Mittagsrast wird inmitten des Gewirrs eingelegt. Ich habe mir meinen Berg schon auserkoren. Nach dem Essen mache ich mich sogleich an den Aufstieg. Über die vielen losen Felstrümmer ist es allerdings nicht einfach. Auf dem Gipfel noch eine glatte, natürliche Steinmauer, die ich leider nicht mehr überwinden kann. In ihrem Schatten bleibe ich sitzen und genieße zwei Stunden lang den herrlichen Ausblick in alle Richtungen. Er geht auf einer Seite weit ins Gebirge hinein und auf der anderen auf die flacher werdenden Felsausläufer. Das Gewirr bekommt von oben aber Struktur und erscheint nicht mehr so chaotisch. Nur Lilo und die Kamele wandern unten in der Mittagshitze herum. Ich wähle einen anderen Weg für den Abstieg, der mir leichter erscheint. Unten komme ich auf eine glatte, fast viereckige Plattform mit drei großen, runden Köhleröfen - so sieht’ s jedenfalls aus; aber reine Natur! Die Gruppe lagert immer noch unter dem Fels und Ali ärgert und jagt eine Agame, die sich dann aber in ihrer Höhle in Sicherheit bringen kann. Wir freuen uns insgeheim darüber. Da die Kamele diesmal besonders weit abgehauen sind, bleibt mir Zeit. Ich wandere zu einem von oben gesichteten riesigen Fels, der exakt wie ein Pilz geformt ist und nur auf einem äußerst schmalen Stamm steht. Toll ! Beim Umhergehen finde ich Tonscherben, die unterschiedliche, fein ausgearbeitete Muster tragen. Die Schönsten nehme ich mit nach Hause. .







      Lange mußten die Kamele offenbar in dieser unübersichtlichen Gegend gesucht werden, denn erst gegen 5 Uhr tauchen sie auf. Es wird leider der letzte Ritt werden; der Endpunkt der Meharée ist fast schon erreicht. Viel zu schnell. Die tiefstehende Sonne wirft ein warmes Licht auf die uns umgebenden Berge und Felsen, die jetzt immer niedriger werden. Von oben schauen Figuren aus Stein zu uns herab. Es ist einfach schön, so geruhsam auf meinem Ebbedit hier durchzuschaukeln. Die Umgebung wird offener und weiter, die Berge weichen zurück. Renate und Gudrun sitzen jetzt ebenfalls auf ihren Tieren. Philipp dagegen schlendert lange abseits der Gruppe, den Blick auf den Boden gerichtet. Durch meine neuen Funde aus dem Neolithikum scheint er etwas irritiert. Denn er hat bisher überhaupt noch nichts gefunden. Aber irgendwann besteigt auch er sein Kamel.

      Die Sonne ist noch tiefer gesunken. Es scheint, daß wir einen besonders stimmungsvollen Abschied für unsere Karawanentour bekommen. Der Blick auf die gestaffelt hintereinander liegenden Bergketten wirkt besonders faszinierend. Ebbedit soll stehenbleiben, obwohl er nicht so recht will. Ein Erinnerungsfoto muß hier aber sein. Am schönsten wäre ein Bild direkt Richtung Sonne, aber ich weiß, dann habe ich nur Nacht auf dem Film. Also etwas mehr zur Seite halten; hoffentlich gelingt’s. Wie man jetzt sieht, es ist tatsächlich gelungen und Ebbedit hat auch stillgehalten. Immer wieder schaue ich zur untergehenden Sonne. Den anderen geht’s genau so. Die vor uns liegende Pläne ist weit, aber in der Ferne tauchen bereits wieder neue Steinkuppen auf. Unser Ziel. Es soll ein besonders geformter Fels sein, den die Tuareg Adat, den Daumen nennen. Hoffentlich schaffen wir es noch vor der Dunkelheit.

      Wir schaffen es! Mit den letzten Sonnenstrahlen erreichen wir den Lagerplatz inmitten der Felsen und mit Sicht auf den Adat. Renates Kamel wird alsbald mit dem Kopf nach unten gezogen und der Tuareg gibt mit einem Zischlaut den Befehl zum Niederknien. ihr Kamel gehorcht und geht zuerst vorne und dann hinten runter. Aber auch mein Ebbedit ist offenbar der Meinung, es nachmachen zu müssen. Jedenfalls geht er urplötzlich vorne nach unten und ich kann mich gerade noch an der Sattelstange festhalten. Viel hätte wirklich nicht gefehlt und ich wäre in hohem Bogen auf die Felsen geflogen. Gott sei Dank ist aber nichts passiert, wie wir überhaupt bis jetzt von Verletzungen und Krankheiten verschont geblieben sind. Gut, besondere Krankheiten standen eigentlich auch nicht zu erwarten, da Malaria in Libyen praktisch nicht vorkommt und Typhus sowie Cholera durch die Sterilisierung unseres Wassers ebenfalls ausschied. Hepatitis hätte zwar sein können, wenn auch nicht sehr wahrscheinlich. Tetanus und Polioimpfungen haben wir aber ohnehin. Verletzungen beim Wandern über die Felsen oder beim Reiten waren allerdings keineswegs ausgeschlossen. Das ist halt das Risiko. Vorsorglich hatte ich deshalb - auch auf Anraten von Jaroschs - eine Versicherung mit Rücktransport durch Hubschrauber und Flugzeug nach Deutschland abgeschlossen. Im übrigen soll aber auch das Gesundheitswesen in Libyen auf recht hohem Standard sein. In allen größeren Ortschaften gibt es Krankenhäuser und Ärzte. Die Ärzte und das Krankenhauspersonal sind zudem oft aus dem Ausland, was insbesondere die Verständigung in vielen Fällen erleichtert.

      Dennoch kann man sich gut vorstellen, welche Probleme, zumal in abgelegenen Gebieten, auftreten können. Von einem tragischen Fall haben wir gehört. Der Mann mit dem Sohn, die wir unterwegs trafen, hat ihn erzählt. Sein zweiter Sohn nämlich war mit den Ziegen eines Tages unterwegs und wollte in einem recht tiefen Guelta (abgelegene, versteckte Wasserstellen in der Wüste) Wasser schöpfen. Er rutschte unglücklich ab und fiel mehrere Meter in das enge Loch. Selbst befreien konnte er sich wegen der schweren Verletzungen nicht mehr. Erst Stunden später fand ihn die Familie, konnte ihn aber alleine auch nicht herausholen. Der Vater rannte zur Akakus-Piste und wartete dort einen ganzen Tag, bis Jeeps vorbeikamen. Mit vereinten Kräfte holten sie nunmehr den Sohn aus seinem Gefängnis heraus und brachten ihn zum doch recht weit entfernten Krankenhaus. Per Hubschrauber kam er dann nach Tripolis und dort liegt er heute noch. Gelähmt bis zum Kopf und ohne Angehörige. Die Familie weit im tiefen Süden hat nicht das nötige Geld, um desöfteren den Sohn zu besuchen. Im übrigen spricht der Sohn nur Tamaschek und kann sich damit in Tripolis kaum verständigen.

      Schnell ist es dunkel geworden und das Sternenmeer über uns glitzert. Auch Hale-Bopp zeigt sich mittlerweile in enormer Pracht. Es ist unsere letzte Nacht am Lagerfeuer und das genießen wir nochmals ausgiebig. Ali und ich teilen zudem versteckt den winzigen Rest unseres Osborn. Ein Jeep ist bereits pünktlich eingetroffen, um diversen Nachschub, insbesondere Wasser, mitzubringen. Morgens kann ich mich deshalb ausgiebig für den Wiedereintritt in die Zivilisation rasieren. Anschließend erklimme ich einige hohe Felsen, um bei dem herrlichen, morgendlichen Sonnenlicht die uns umgebende, offene Felslandschaft zu betrachten. Nach dem Frühstück bleibt bis zur Abfahrt noch viel Zeit, die ich u.a. für einen Abstecher zum Adat nutze. Es ist wahrlich ein prächtiger und markanter Felsbrocken, der es würdig ist, als Endpunkt unserer Meharée zu dienen. Die weiteren Jeeps sind mittlerweile ebenfalls mit großem Hallo eingetroffen. Zum Abschluß soll die ganze Gruppe nochmals auf die Kamele, um Abschiedsfotos zu machen. Zuerst allerdings wollen die Tuareg noch ihr Reiterkönnen zeigen und galoppieren vor unseren Augen herum. Schon ein tolles Bild, die jetzt verschleierten Ritter der Wüste auf ihren Tieren zu sehen. Danach sind wir - wenn auch wesentlich zaghafter und gemütlicher - an der Reihe. Unser Koch, der mit meiner Kamera Bilder machen soll, verknipst vor lauter Begeisterung fast den ganzen Film. Dann verabschieden uns von den uns lieb gewordenen Kamelen, ich streichle nochmals Ebbedit, und von den Chameliers. Ein letztes Winken aus den Autos und ab geht’s nach Serdeles.

      Die Berge und Felsen des Tadrart weichen immer weiter zurück, bald tauchen die ersten Plastikfetzen und Dosen auf und wir wissen, wir nähern uns der Zivilisation. In der Ferne das erste saftige Grün seit langem wieder, Palmen, Gemüsefelder und die ersten Häuser sind erreicht. Serdeles - trostlos. Hier also wohnt Ali. Die Mittagsrast wird in einem neuen, hervorragenden Camp mit Duschen gemacht. Jeder genießt es, sich mal wieder so richtig unter fließendes Wasser zu stellen. Philipp kauft einen alten Kamelsattel für das Ledermuseum seiner Firma. Leider will der Agenturchef nicht, daß wir Alis Haus besuchen. Aus weiser Voraussicht wegen dessen Destillation? Ein kurzer Besuch des kleinen Marktes, auf dem es alles oder auch nichts gibt und dann rauschen wir los. Ca. 360 km bis nach Ubari. Links aus dem Jeepfenster nichts, geradeaus nichts und nach rechts eigentlich auch nichts, nur ganz in der Ferne schwach die Dünen des Erg Kasa. Nach ca. 100 km rechts bis nach Ubari dann die Steilstufe des Messak Mustafit. Ubari gleicht Serdeles, ist nur etwas größer. Im uns schon bekannten Germa nächtigen wir in einem äußerst einfachen Camp und treffen hier - wie verabredet - die zweite Jaroschgruppe wieder. Das Abendessen läßt sehr lange auf sich warten; wir vertreiben uns die Zeit vor der Hütte am Lagerfeuer mit Tee. Ein Folkloreabend mit Gesang und Tanz ist noch angesagt. Die Sängerin, das einzig hübsche Mädchen das ich in Libyen gesehen habe, verbringt die Wartezeit mit uns. Leider habe ich sie nicht fotografiert. Da bis 24 Uhr weder Tanz noch Gesang beginnt, lege ich mich schon in die Koje. Es war auch nichts tolles, was ich dann im Halbschlaf so mitbekomme.

      In aller Frühe geht die Fahrt weiter. Dieselbe Strecke, die wir auf der Herfahrt genommen haben; über 12 Stunden bis nach Gharyan zurück mit Mittagsrast -wie gehabt- im Nest Shwayrif. Übernachtung im bereits bekannten, guten Hotel, das uns heute sogar eine Mondfinsternis zu bieten hat. Morgens Abfahrt zur alten Römerstadt Sabrata, die wunderschön direkt am tiefblauen Mittelmeer gelegen ist. Ursprünglich eine phönizische Handelsniederlassung - ebenso wie Oea (heute Tripolis) und Leptis Magna - wurden sie von den Römern zu Städten ausgebaut. Kaiser Septimus Severius (146 - 211), ein Sohn des Landes, ließ die Städte besonders reich ausschmücken. Insbesondere das Theater von Sabrata stellt einen Höhepunkt römischer Architektur dar. Überwältigend auch das Mosaik aus der Eingangshalle der justinianischen Kirche. Unser Bummel durch die von den Arabern 647 zerstörte und heute erst wieder teilweise freigelegte Stadt ist beeindruckend. Es muß eine grandiose Stadt mit vielen Säulengängen, Tempeln und Skulpturen gewesen sein. Auch ein phönizischer Turm mit Steinlöwen ist noch erhalten.

      Kulturell aufgeheizt fahren wir das letzte Stück zur Grenze. Ca. zwei Stunden Abfertigung und 2 weitere Stunden Fahrt nach Houmt Souk, Djerba. – Jetzt 2 Tage nur noch faulenzen mit der Erinnerung an eine wunderbare Reise.

- Ende meiner Libyenreise -
 

Flagge von Libyen

 

 


 

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