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Seite 2 vom Bericht Libyen

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Seite 4 vom Bericht Libyen

 

 

    Flagge von Libyen

Reise nach Libyen
 
III

     

 

     Mit fast 1,8 Mio km² ist Libyen etwa 5 mal so groß wie Deutschland. Über 90% dieses Gebiets ist aber Wüste! Der Fezzan liegt dabei innerhalb einer 30-mm Niederschlagszone, d.h., daß stets mehrere regenlose Jahre vorkommen. Erst über dieser Niederschlagsmenge kann man statistisch jährlich mit wenigstens einem Niederschlag rechnen. Eigentlich nur das Küstengebiet im Nordwesten, durch das wir ja gekommen waren, ist vom Regen begünstigt. Libyen ist aber dennoch das reichste Land Afrikas. Daß es diesen Reichtum nicht der Landwirtschaft verdankt, erscheint einleuchtend, da gerade mal 2 % des Landes bestellbar sind. Es ist vielmehr das Öl, das - nach Italien - auch an seinen zweitgrößten Handelspartner Deutschland verkauft wird und hier immerhin 20% des Importoels ausmacht. Die Wasserversorgung ist dagegen das Problem. So entstand 1983 die vor allem auf Kadhafi selbst zurückgehende Idee, mittels eines gigantischen Projekts, das mit 25 Milliarden Dollar eines der teuersten Wirtschaftsprojekte weltweit ist, fossile Grundwasservorkommen anzuzapfen und durch riesige Pipelines zu den Verbrauchern zu pumpen. Zum Teil über 1000 km bis zur Küste und das mit Wasser, welches vor ca. 10.000 Jahren als Regen gefallen war. 50 Jahre sollen die Vorräte reichen, aber dann…? Die Rohrtransporte hatten wir ja schon gesehen. Später sollten wir auch - die aus der Luft so faszinierend anzusehenden - riesigen, bewässerten, grünen Rundfelder inmitten der Wüste zu sehen bekommen. Ebenerdig wirken sie allerdings gar nicht.

     Zurück zum Um el Ma, dem kleinen Paradies, in dem weder Ruinen noch - trotz der häufigen Besucher - Müll zu finden sind. Vielleicht hielten ihn die Daouadas, wie andere Seen auch, für verhext, denn es ist schon erstaunlich, weshalb er überhaupt noch existiert. Von allen Seiten, teils von sehr hohen Dünen, rieseln nämlich ununterbrochen Sandlawinen in das salzige Wasser, das nirgendwo breiter als 50 m ist, wenn auch mehrere hundert Meter Länge besitzt und bis zu 9 Metern tief ist. Baden kann man auch, allerdings werden laut Ausspruch von Klaus, einem ab ca. 1 m Tiefe die E… gekocht.

     Unser Gruppe lagerte im Palmenschatten direkt am tiefgrünen See und unterhielt sich mit zwei mit schweren Motorrädern allein angekommenen Deutschen. Mich zog´s aber schon bald zur weiteren Erforschung diese Kleinods. Die Palmen, die sich zum Sonnenstand verändernde Farbe des Wassers nach Tiefblau und das ganze Umfeld wieder einfach unbeschreiblich schön. Das erste Mal ist es aber auch heiß geworden. Als ich dann hoch über mir auf den Dünen den wandernden bunten Punkt (Lilo) entdeckte, gab´s auch für mich - trotz der kräftigen Sonne - kein Halten mehr. Etwa zwei Stunden wanderte nun auch ich mit stetem Blick hinab zum Oasen-Wunder auf den gigantischen Dünen entlang, einmal rund um den See. Ein einziger Genuß!

     Als ich am Ende des Sees Lilo wiedertraf, schaute sie fröhlich aus einem krebsroten Gesicht. Meinem entsprechenden Hinweis entgegnete sie nur, daß es sich bei ihr um eine normale Sache handele. Es stimmte tatsächlich. Ich hatte jedenfalls meine Rundmütze tief ins Gesicht gezogen. Andere hatten sich eine Art Chech (sprich Tschesch) zugelegt, der allerdings nicht so toll wie bei den Tuareg gebunden war, sondern eher wie ein schlecht gewickelter Kopfverband aussah. Erstaunlich, wie die Tuareg in Windeseile den 6-9 m langen Chech so um den Kopf binden können, daß nur noch ein Augenschlitz offen bleibt und sie dann wirklich exotisch und königlich aussehen. Wir haben es nie so recht hingebracht.


 

Sand rieselt stetig in den See

Ein unvergleichliches Erlebnis über dem See

 Ein Kleinod in der Wüste

Ab 1 m Tiefe wird das Wasser heiß

 



     Die sprichwörtlich große Hitze der Sahara habe ich jedenfalls -trotz meiner dritten Reise in dieses Gebiet- nie erlebt. Kälte dagegen ja. Zwischen Oktober und April dürften die Mittagstemperaturen nie höher als 28° gelegen haben. Nachts dagegen gut bis - 5°, so daß das Wasser in der Flasche zu Eis wurde. Diesmal schätze ich die Tiefsttemperatur bei ca. 5°. Einen leichteren Pullover brauchte man eigentlich den ganzen Tag nicht auszuziehen. Je später dann der Abend, um so mehr Klamotten wurden - nach dem Zwiebelschalenprinzip - übereinander gezogen. Am Lagerfeuer war`s jedoch problematisch. Nach vorne hin zu heiß und hinten klapperte man mit den Zähnen. Das ist Wüste.

     Das Wichtigste in der Wüste ist zu trinken. Viel zu trinken, denn die völlige Trockenheit zieht die Feuchtigkeit aus dem Körper. Man merkt es kaum, da man eigentlich nicht schwitzt und deshalb auch nicht stinkt. Letzteres stünde an sich zu erwarten, da Waschen fast ein Fremdwort wird. In der Wüste ist Wasser halt zum Trinken da; ca. 3 Liter pro Tag waren (laut strikter Anweisung von Uli) Pflicht, selbst wenn der Durst bei weitem nicht so groß war. Das stets mit Mikropur entkeimte Wasser versetzte Uli zusätzlich alle zwei bis drei Tage noch mal mit Calcium, mal mit Magnesium und mal mit Vitamine. Diese Zusätze, die ich schon selbst mitgebracht hatte, gab ich darüber hinaus in jede meiner neu gefüllten Flaschen. - Auch war ich recht froh, daß Helga (Apothekerin) mir Augentropfen mit der Wirkung künstlicher Tränen eingepackt hatte. Wegen der Trockenheit bekam man nämlich des öfteren das Gefühl, ein Sandkörnchen im Auge zu haben. Salztabletten zu schlucken, war für mich ohnehin selbstverständlich.

     Etwas abseits des Sees finde ich unter einer Dattelpalme mein Plätzchen im weichen Sand und laß mich dort von der Umgebung bezaubern. Ich beobachte einen schwarzen Käfer, der sich totgestellt hatte, aber nunmehr geschäftig hin und her rennt. In der Ferne versuchen 4 Jeeps über die hohen Dünen einen Durchgang zu finden, müssen ihr Unterfangen aber aufgeben und zurückkehren. Auch ich werde jetzt leider gerufen; es ist Zeit zum Aufbruch…


 

Fast 500 m lang ist der Um el Ma

Die Welt der Tuareg

Mein Plätzchen am Ende des Um el Ma

Eine Gegenlichtaufnahme am Um el Maa

 



    Die Sonne neigt sich immer mehr dem Horizont zu, als wir die kleinen Paradiese der Mandara-Seen im Sandmeer hinter uns lassen. Wieder mit voller Geschwindigkeit ziehen wir los. Das Licht wird jetzt stimmungsvoller und der Sand beginnt sich rötlicher zu färben. Kleine Schatten bilden sich auf den Dünen und lassen nunmehr auch die Konturen des Sandgebildes heraustreten. Die Landschaft wird dadurch noch prächtiger. Auch wenn man meint, schöner kann es eigentlich nicht mehr werden, dann zeigt die Natur, daß sie immer noch eine weitere Steigerung parat hat.

     Alle hundert Meter würde ich hier halten wollen, denn die Strukturen der Dünenlandschaft zeigen sich immer schärfer und schöner. Auch das Licht zum fotografieren wird jetzt wirklich optimal. Nicht umsonst sind alle bekannten Dünenphotos, die man in Saharabüchern und -zeitschriften zu sehen bekommt, entweder morgens oder abends gemacht. In der grellen Mittagssonne verschwimmen die Konturen einfach zu stark. Wenn wir dieselbe Strecke zurückgefahren wären, die wir auf der Hinfahrt genommen haben, ich glaube, es wäre jetzt eine total andere Landschaft, die sich unseren Augen bieten würde. Wir nehmen aber eine schnellere Route, um nicht in die Dunkelheit zu kommen. In der Dunkelheit ist es wohl auch unmöglich, die Orientierung zu behalten. Dennoch eine große Freude bei mir; die nächste Reifenpanne steht an. Und das genau auf der Höhe einer gewaltigen Querdüne. Ich wandere gleich wieder los, um noch ein bißchen höher zu kommen. Die vier sich sammelnden Fahrzeuge und die in die Dünen ausschwärmende Gruppe will ich bei diesem tollen Licht unbedingt im Kasten haben. Und dann hineinlegen in den so wunderbar geriffelten Sand. Gudrun kommt gerade richtig, um auch von mir in dieser herrlichen Umgebung mal ein Bild zu machen.

     Noch bei Helligkeit treffen wir wieder am 1.Übernachtungsplatz ein. Unsere Gruppe will aber -wie an sich auch vorgesehen war- ein Schlafplätzchen an anderer Dünenstelle. Etwas mürrisch packt daraufhin die Tuaregmannschaft die bereits ausgeladenen Küchenutensilien wieder ein. Bald ist aber der neue Platz gefunden und jeder von uns saust sofort los, um sich das schönste Schlafplätzchen zu reservieren. Die Abstände zueinander werden schon erkennbar weiter; Zeichen dafür, daß Ängste, in dieser fremden Umgebung draußen zu schlafen, bereits kräftig abgebaut werden. Der Seesack wird hingeschleppt, wenn auch wegen ev. Getiers noch nicht ausgepackt und die meisten von uns ziehen los, um die Abendstimmung irgendwo auf einer der hier steilen Dünen zu genießen. Nur Philipp kraxelt herum und wandert hoch oben auf den Kämmen entlang.

     Bei völliger Dunkelheit treffen wir uns wieder am Lagerfeuer. Der Essensplatz für die Gruppe, stets bestehend aus einer großen Bastmatte und schönen, dicken Schaummatratzen außenrum, ist schon hergerichtet. Unsere Blechnäpfe und -tassen stehen bereit. Der Tee dampft und Kekse können als Appetitanreger genommen werden. Erstaunlich, was unser Koch dann alles so zu bieten hat. Vorsuppe, Hauptgang und Nachtisch und alles wirklich schmackhaft. Problematisch wird allerdings der heute heftig wehende Wind, der böweise den Sand in unsere Blechnäpfe weht. Es knirscht ordentlich zwischen den Zähnen, was uns aber nicht den Appetit verderben läßt. Wir fühlen uns ja schon fast wie Tuareg.

     Die Führer und Fahrer scheinen offenbar immer dasselbe zu essen. Selbst gebackenes Brot, das in kleine Bröckchen gebrochen wird und zusammen mit einer Sauce in eine riesige Schüssel wandert. Die ganze Mannschaft bedient sich dann daraus. Nach dem Essen - wie kann es anders sein - gibt’s den Tee. Wenn für mich der Tee bereits fertig gewesen wäre, so geht hier die eigentliche Zeremonie erst los. Das Gebräu wird begutachtet, dann in ein anderes Gefäß geschüttet, wieder zurückgekippt, gezuckert, schlürfend gekostet, nachgezuckert, wieder zurückgekippt und probiert, in die vorhandenen Gläschen abgefüllt, um Schaum entstehen zu lassen, die Flüssigkeit aus den Gläschen wieder zurückgekippt. Erst nach weiteren Umfüllungen ist der Tee fertig. Der Kannenhahn wird nun ans erste Gläschen gebracht und geschickt gefüllt, indem die Kanne in eleganten Bogen nach oben gezogen wird. Wie soll der Tee bei den Tuareg aber schmecken? Es heißt: Das erste Glas muß so bitter sein wie das Leben, das zweite so sanft wie die Liebe und das dritte so süß wie der Tod.


 

Eine Jeepkolonne rast heran

Ein Bild aus Versehen

Mit hohem Tempo zurück

Unser 2. Nachlager im Erg Ubari

 



     Morgens wieder ein strahlend blauer Himmel - wie kann es in der Wüste auch anders sein. Geschlafen habe ich bestens. Als ich mich aufrichte, sehe ich in den verschieden Dünenecken, daß auch die anderen wie auf Kommando am Aufstehen sind und daß das Frühstücksfeuer schon seinen Rauch aufsteigen läßt. Nach der Katzenwäsche und mit frischem Hemd genieße ich den heißen Kaffee sowie Müsli und Baguette mit Käse. Ein bißchen rumkrabbeln auf unserem großen Tisch muß man allerdings schon, um sein Frühstück zusammen zu bringen. Man sieht ‘s auf dem Bild, wie es funktioniert. Und lustig ist diese Esserei allemal. Gut gestärkt kann jetzt Garama, die alte Garamantenstadt, von uns besucht werden.

- F o r t s e t z u n g - IV -

Flagge von Libyen
 

 


 

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