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Seite 4 vom Bericht Libyen

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Seite 6 vom Bericht Libyen

 

 

    Flagge von Libyen

Reise nach Libyen
 
V

     

 

     Ein bißchen Vorsicht ist in dieser Umgebung allerdings geboten. Die Felswand enthält überall Spalten, Überhänge und nicht einsehbare Höhlungen, in denen sich Schlangen sowie Skorpione aufhalten können. Spuren sehen wir jedenfalls diverse. Natürlich ist die Zeit wieder viel zu kurz, um diese Kunstwerke wirklich ausreichend aufnehmen und genießen zu können. Halt nur eine Momentaufnahme tausender von Jahren.

     Im Wadi wandern wir zu den Autos zurück. Bald stellen wir aber fest, daß Renate und Hedwig fehlen. Wir warten eine Zeitlang, doch es tut sich nichts. Ali geht zurück, winkt aber von der Ferne ab. Es ist klar, daß die beiden Vermißten die günstige Gelegenheit nutzen, mal hinter das herrlich dichte Buschwerk zu gehen. Diese angenehme Möglichkeit ist in der Wüste schon recht selten. Im Allgemeinen heißt es, etliche Meter wandern zu müssen, um hinter ein paar Dünen zu verschwinden. Man hofft dort jedoch, daß nicht plötzlich über einem auf der Düne irgendwer erscheint, denn ein Ausweichen in dieser Landschaft ist dann kaum mehr möglich. Probleme hat’s aber eigentlich nie gegeben, denn wenn um die Ecke ein nackter, weißer A… sichtbar wird, geht man halt diskret zurück. Und von weitem? Was soll’s !

     Wir holpern die Basaltstrecke wieder zurück. Gern hätte ich noch den anderen berühmten Wadiausschnitt "In Habeter" besucht. Doch die Sonne neigt sich schon zu tief und wir müssen vor Sonnenuntergang unser Nachtlager - diesmal im Erg Murzuk - erreichen. Die schwarze Hamada endet abrupt wie mit einem Strich gezogen und jenseits der Linie beginnt plötzlich goldgelber Kies sich auszudehnen. Tausende von Reifenspuren sind darin eingedrückt und lassen die Strecke wie eine kilometerbreite Autobahn erscheinen. Die entsprechende Geschwindigkeit haben wir jedenfalls. Diesmal ein unpassender Stop - Wasser läuft aus dem Kühler. Die Gruppe wird auf die anderen Jeeps verteilt und rauscht weiter. Die zurückbleibenden Tuareg werden das Fahrzeug schon wieder richten.

     Ein recht grünes Wadi, in dem sogar Kamele (offenbar ohne jede menschliche Begleitung) weiden, wird durchquert, eine ca. 10 m hohe Sandstufe rauf und der jetzt rötlich glühende Erg Murzuk ist fast erreicht. Eine weite Rampe hoch, hinein in die Dünen, die Fahrzeuge fast auf der Stelle gewendet und die gerade untergehende Sonne bietet uns ein phantastisches Bild. In der Ferne die dunkle Hamada mit dem dunkelroten Glutball, davor die nun rosa gefärbte Kiesebene, dann das grünliche Wadi, die weite Sandrampe und beidseitig die mittlerweile fast roten Dünenberge. Noch faszinierender wird’s jedoch, als wir uns dann umdrehen. Unbeschreiblich! Durch weichen, stark nachgebenden Sand stapfe ich so schnell es irgend geht hoch auf den Kamm der vorderen Düne, um einen freien Blick nach rückwärts zu bekommen. Ein unglaubliches Panorama aus purem Sand bietet sich mir !!!


 

Erneute Panne vor dem Erg Murzuk

Schwierige Suche nach einem stillen Örtchen

Gewaltige rote Sandmassen im Erg Murzuk

Ca. 150 m hohe Abbruchkante im Sand

 


     Ich bleibe im Anblick dieser immer intensiver rot werdenden Traumlandschaft sitzen bis es total dunkel geworden ist. Meinen Schlafplatz muß ich jetzt aber noch suchen. Von oben habe ich schon verfolgen können, wie von mir bereits ausgewählte Plätzchen eines nach dem anderen belegt worden sind. Gudrun und Renate haben leider auch die Schönsten entdeckt und ihre Klamotten schon hingeschleppt. Etwas weiter vom Lager entfernt finde ich aber noch eine hübsche, tiefe Sandkuhle. Der mittlerweile stark auffrischende und kalte Wind kann hier den mitgewehten Sand auch bestens drüberhinwegfegen. Ein unschätzbarer Vorteil, wie mir Gudrun am nächsten Morgen erklärt, da sie vor Kälte und wehendem Sand kaum schlafen konnte.

     Am Lagerfeuer macht mich Ali diskret auf meine Pulle Osborn aufmerksam. So, so, als Mohammedaner in Libyen. Versteckt vor den anderen Tuareg gieße ich einen Becher für ihn, mich und ev. darbende Gruppenmitglieder voll. Ein kurzer Schluck von Ali und der Becher ist halb leer. Ich staune nicht schlecht. Auf meine Frage, ob unsere Tuareg auch trinken, raunt er mir zu: "Nur der Fahrer Salah, die anderen sind strenggläubige Moslems." Ich fülle noch mal für Salah nach und Ali verschwindet damit in der Dunkelheit. Bedankt hat sich Salah - auch bei den nächsten Malen - allerdings nie, auch kein Augenzwinkern in stillem Einverständnis oder sonst eine erkennbare Reaktion. Ali, Ali ...

     Unser Abendessen wird unter diversen Verbeugungen vor dem Sandwind - ähnlich dem Gebet in einer Moschee - eingenommen. Dennoch knirscht Sand beim Kauen.

     Das Sternenmeer erscheint -wie auch in den Nächten vorher - erneut in voller Pracht. Es glitzert und funkelt über uns und das helle Band der Milchstraße zieht sich quer über den ganzen Himmel. Kein Widerschein, kein Licht, kein Lärm stört hier. Und natürlich taucht auch der Komet Hale-Bopp mit seinen täglich anwachsenden beiden Schweifen auf. Er wirkt in dem Sternengewimmel besonders eindrucksvoll. Mit unseren normalen Ferngläsern wird der Sternenhimmel nach Sternhaufen und diffusen Nebeln abgesucht. Uli ist offenbar eine passionierte Sternguckerin, denn sie kennt fast jede Sternkonstellation mit Namen und weiß, wo sie zu finden sind. Für alle Fälle hat sie sogar ein Sternenbuch im Rucksack dabei. Leider sind wir noch zu weit nördlich, um auch das Kreuz des Südens sehen zu können. So gegen 9.30 Uhr geht dann der Mond, fast schon als Vollmond, auf. Die Sterne verblassen jetzt zwar, dafür erscheinen im fahlen Licht aber die Dünen wieder. Es ist eine herrliche Stimmung in und um uns.

     Irgendwann geht jeder mit einer Schaummatte (als Bettunterlage) in der Hand in seine Schlafrichtung davon. Gudrun zählt dabei sogar die Schritte bis zu ihrem Nachtplatz, wie sie uns erklärt hat. Sie hat immer große Orientierungsschwierigkeiten und muß sich besonders genau Richtung und Entfernung merken; sie irrt - nach ihrer Aussage - sonst wie ein blindes Huhn in der Gegend herum. Es ist wirklich kalt geworden. Mein senkrecht gestellter, schon von weitem sichtbarer Seesack ist bald erreicht, der Schlafsack ausgerollt, noch ein Schluck zur Erhaltung der Gesundheit aus der Pulle und dann hinein ins warme Nest.

     Morgens komme ich nicht in die Gänge. Ich packe ein, hab was vergessen, packe den Seesack wieder aus, da das was man sucht, natürlich ganz unten ist und verstaue erneut. Der Schlafsack gerät beim Einrollen zu groß und paßt nicht in die Hülle; also nochmals. Beim Abtransport fühle ich die Flasche Osborn; Seesack wieder auf und weicher verpacken. Die anderen sind schon längst beim Frühstück. – Zur Toilette ist der Weg -um aus der Sicht zu kommen- hier weit. Endlich reicht’s … doch schon besetzt. Später noch einige Minuten auf die Düne, um das Panorama vor der Abfahrt wirklich zu verinnerlichen. Die weite Tenne soll hinuntergewandert werden, da man hier - lt. Ali - Artefakte (steinzeitliche Werkzeuge und Gegenstände) aus dem Neolithikum, der Jungsteinzeit, finden kann. Wir schwärmen aus und tatsächlich, Ali mit seinem Adlerblick findet die erste Pfeilspitze. Aufgeregt sind wir jetzt alle; jeder will was finden. Alle möglichen Steine werden Ali vorgelegt, doch alles nichts. Ich bücke mich und halte ein rundes, flaches Kettenglied mit einem Loch in der Mitte in der Hand. Toll, alle sind begeistert und beneiden mich, da so ein Stück recht selten ist. Ich werde es Gabi schenken.


 

Bei Sonnenaufgang wird aufgestanden

Suche nach neolithischen Artefakten

Ein Urstromtal als Rennbahn

Typisches Bild einer Rast in der Sahara

 




     Die Jeeps fahren wieder los, zuerst über die fast unendliche aber schnelle Kiesstrecke, dann gute zwei Stunden fürchterliche Holperei über eine pechschwarze und leicht hügelige Hamada (Messak Mellet) bis wir in ein sandiges Urstromtal hinunterfahren. Man staune, ein kleiner Flugplatz wird überquert und nun liefern sich unsere Jeeps regelrechte Rennen im Wadi. Links und rechts die Steilstufe der Hamada und wir dazwischen im Höllentempo. Zeugenberge tauchen mitten im Flußlauf auf, kurzer Stop und weiter geht’s. Die Mittagspause wird unter einer Akazie im trocknen Flußbett eingelegt. Es ähnelt hier ein bißchen dem US-Monument Valley. Nach dem Mittagessen - wie immer ein riesiger Pott mit Salat, Gemüse, Kartoffeln, Möhren u.s.w. sowie Baguette - bleibt noch etwas Zeit, die Umgebung zu erkunden. Ich wandere über schwarze Steinhügel und finde zwei kleine Steinhaufen mit einem Kreis aus Steinen außenrum; es sind islamische Gräber. Seit heute morgen ist bei uns zudem das Suchfieber nach weiteren Artefakten ausgebrochen. Jeder hofft, was besonderes aufzusammeln.

     Holprige Strecken wechseln nunmehr mit sandigen oder kiesigen, aber stets ebenen Abschnitten ab. Die beeindruckenden Steilstufen des Messak Mellet bleiben zurück und irgendwann taucht dafür rechter Hand wieder ein Erg (Sanddünengebiet), der Erg Kasa mit diesmal fast weißem Sand auf. Nur an einer Stelle kann er von uns durchquert werden. Dazu muß erst mal ein äußerst steiler Dünenwall mit voller Geschwindigkeit genommen werden. Nur unserem Jeep gelingt es gleich beim ersten Anlauf. Gott sei Dank haben wir keinen Gegenverkehr. Dieser erscheint aber kurz danach in Form einer rasenden Jeepkolonne mit Motorrädern. Großes Hallo und innige Umarmungen unter den Tuareg, neueste Informationen werden ausgetauscht, der Abschied eigenartigerweise immer äußerst kurz und weiter geht’s auf der "Ergautobahn". Die Dünenlandschaft wieder begeisternd. Nach Durchquerung tauchen in der Ferne die schwarzen Berge des Tadrart auf, dem Beginn für unsere Karawanentour.


 

Gegenverkehr von Jeeps und Motorrädern

Man trifft sich in der Sahara

Im äußersten Süd/West von Libyen

 




     Eine weite Ebene, teilweise mit Büschen übersät, muß noch durchquert werden, bis die ersten Felsen und einzeln stehenden, schroffen Bergrücken erreicht sind. Pechschwarz erheben sie sich aus angewehtem, weißgelblichem Sand. Wiederum eine Traumlandschaft. Wir müssen aber weiter. Durch herrliche Täler mit schwarzen, bizarren Felswänden und sandigem Boden geht die Fahrt, bis die Jeeps vor einem gewaltigen Naturbogen in Stein halten. Er sieht fast wie von Menschenhand konstruiert und herausgemeißelt aus. Wie wir feststellen, hat dieser Platz offenbar schon über Jahrtausende Menschen in seinen Bann gezogen. Denn zwei große Gemäldeflächen innerhalb des Torbogens zeugen noch heute eindrucksvoll davon. Die verwirrende Vielfalt der Einzelfiguren und Linien ist für uns vor Ort in der kurzen zur Verfügung stehenden Zeit kaum aufnehmbar. (Um ehrlich zu sein, erst jetzt an Hand der Photos ist es mir möglich, die vielen Einzelheiten bewußt zu sehen.) Völlig unterschiedliche Zeiten und Epochen haben sich hier verewigt und auch übereinander gemalt. Von den Jägern und Sammlern über die Seßhaften und Rinderhirten bis zu den Garamanten mit ihren Streitwagen und wohl auch aus der Neuzeit scheint alles vorhanden zu sein. Daß im nächsten Bild neolithische Sauereien dargestellt wurden, ist uns schon vor Ort klar geworden; aber gleich ein ganzes Porno-Ensemble - wie ich erst jetzt sehe - ist doch erstaunlich. Insbesondere das zweite Pärchen links war mir nicht aufgefallen. Aber doch beruhigend, daß es früher auch nicht anders gemacht wurde als heute. Vielleicht sind aber manche Dinge heute etwas bescheidener. Sicher hätte ein Altertumsforscher hier völlig andere Gedankengänge und würde begeistert von Szenen mit Fruchtbarkeitsbeschwörungen sprechen. Auf jeden Fall sind die Abbildungen für mich künstlerischer als viele der heutigen Schmierereien.

     Die erkennbaren Schriftzeichen gehören zur alten sog. Tifinar-Schrift der Tuareg, die aus dem altlibychen Alphabet hervorgegangen ist. Es ist eine Konsonantenschrift, die aus 25 relativ strengen, geometrischen Schriftzeichen besteht. Zeichen für Zahlen existieren nicht. Auch die Schriftrichtung ist nicht festgelegt und die Zeichen werden nicht verbunden, weshalb die Schrift nur schwer lesbar sein soll. Die meisten Inschriften im Tadrart beinhalten lediglich die Mitteilung, daß irgend ein Tuareg-Hirte auch schon hier durchgezogen ist.

- F o r t s e t z u n g - VI -

Flagge von Libyen
 

 


 

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