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Unsere Reise nach Nepal im November 1993


-  IV  -

Ghorapani ~ Poonhill ~ Dhaulagiri



Geschäftigkeit im Haus weckt uns. Leichter Nebel hängt im kleinen Tal und naß ist es draußen. Unsere Sherpas sind schon auf den Beinen; sie haben im Freien geschlafen. Zur Katzenwäsche müssen wir nach unten und aus dem Haus heraus. Das Waschbecken ist nämlich eine Art Brunnen und man trifft sich dort, um Guten Morgen zu sagen. Ganz praktisch auch, dass die wichtige Brücke gleich neben an ist; allerdings stehen momentan schon zwei dringende Anwärter auf ihr, so dass ich mich aller Ruhe waschen und mir die Zähne mit dem kalten Wasser putzen kann. Da wir in diesem hübschen Hotel den eigenen Schlafsack benutzt haben, muß das Ding jetzt wieder in die Hülle. Ich verfluch es jeden Morgen. Mal zu groß gerollt, mal zu schief gerollt, sauber paßt das Ding aber nie. Die Wasserflasche muß auch noch gefüllt werden und ja nicht vergessen, die Tabletten zur Vorbeugung zu nehmen. Die beiden Seesäcke schleppe ich einen nach dem anderen die schmale Treppe hinunter und bin heilfroh, sie einem Sherpa anvertrauen zu dürfen. Dankbar nimmt er obendrein noch eine Zigarette an. Ein letzter Rundgang durchs Zimmer, um der fetten Spinne an der Decke Tschüss zu sagen und das Frühstück kann beginnen. Die Sonne scheint bereits.

 Bitte klicken Wir trekken wieder los. Am Haus vorbei, eine kleine Anhöhe hinauf und was sehe ich: Ein Jeep steht einfach so da und hinter ihm die Andeutung einer Straße. Ich komme mir etwas verarscht vor; wir rennen die Berge rauf und runter, um nach hier zu kommen und auf der Rückseite verläuft die Straße. Das Witzbild vom Bergsteiger, der mit Seil und Pickel die Spitze erklommen hat und oben dann reichlich Touristen von der anderen Seite mit Bus antrifft, erscheint vor meinen Augen. Gut, dass wir schleunigst im Wald verschwinden können und sich die Vorstellung wieder breit macht, die da sagt: Der Weg ist das Ziel. Zwischen hohen, gewaltigen Bämen wandern wir zunächst. Nur wenig Steigung hat der Pfad, manchmal geht es sogar etwas abwärts. Erstmals wandert die Gruppe, wenn auch auseinander gezogen, fast zusammen. Sind Gabi und ich nun schneller geworden, oder aber die anderen langsamer? Über eine Lichtung kommen wir, in der viele geschlagene Bäume liegen. Es ist aber offenbar kein Raubbau, wie an so vielen anderen Stellen in Nepal. Von dem dadurch entstehenden, großen Problem der Erosion werden wir denn auch fast nichts mit bekommen.

 Bitte klicken Immer dichter und üppiger wächst es um uns herum. Farne, Moose und dichtes Unterholz machen sich breit. Selbst die Baumstämme sind bemoost und Bartflechten hängen herab. Modrich riecht es manchmal, dann aber wieder wüzig und feucht. Wir sind in einen Märchenwald gekommen. Kleine unscheinbare Blümchen zeigen sich hier und da und ab und zu schaukelt ein welkes Blatt aus der Höhe herunter. Es raschelt irgendwo im Gehölz dann schreit ein Vogel. Ich atme tief durch und genieße mit allen Sinnen. Nur auf dem Pfad läßt sich's noch laufen und der ist glitschig durch die Feuchtigkeit. Aufpassen muß man aber in jedem Märchen. Es wird lichter, der Pfad geht bergan. Wir kommen auf die Höhe und erneut eröffnet sich der Blick hinüber auf das Massiv des schnee- und eisbedeckten Annapurna. Wunderbar! Wir wandern hier oben auf dem Kamm weiter. Bis ins flacher werdende Land geht die Sicht. Ein einsames Haus taucht auf und vier kleine Mädchen springen heraus. Sicher eine willkommene Abwechslung für sie, wenn mal Fremde zu ihnen finden.

Bald aber müssen wir weiter, denn heute soll es noch bis nach Ghorepani gehen. Unsere Gruppe ist schon längst nicht mehr zu sehen, nur Sylvia ist bei uns geblieben. Der Weg bleibt auf der Höhe, mal im Wald, mal außerhalb mit Blick über die Bergwelt. Vorne, auf dem Kamm, aber direkt am Hang wird ein größerer Gebäudekomplex sichtbar und zudem ein Schotterweg, der ins rechte Tal hinab führt. Unser Weg zweigt jedoch nach links talwärts ab und bleibt im Wald. Steil geht es teilweise zwischen Felsen runter. Ich meine Stimmen und Lachen zu hören. Wir kommen um einen hohen Felsturm; es kann doch wohl nicht wahr sein, was sich mir zeigt. Eine Menge Leute für hiesige Verhältnisse stehen herum, teils Trekker, teils Touristen mit leichter Bekleidung, aber auch Einheimische sind dabei. Etliche Steinhäuschen, die an Buden erinnern, bieten Souvenirkrimskrams, aus anderen qualmt und dampft es; es sind Garküchen. Nun, der Platz ist nicht schlecht gewählt. Es ist eine natürliche Aussichtsplattform, von der der Blick weit, sehr weit ins Land geht. Von den höchsten Bergen hinunter bis ins flache Land, das Terai von Nepal. Unsere ganze Gruppe trifft sich wieder und genießt das Panorama. Die gesehenen Baulichkeiten sind ein Hotel höre ich, was natürlich den Rummel bestens erklärt.

 Bitte klicken Ein kleines Sonnenbad genehmigen wir uns noch, bevor das nächste Tal uns aufnimmt. An einem blumenübersäten, offenen Hang wandern wir entlang. Der Berg gegenüber scheint nicht hier her zu gehören, denn dort und nur dort ist der Herbst ausgebochen. Zwischen sattem Grün haben Bäume ihr Laub verfärbt in alle typischen, herbstlichen Farben. Es sieht wunderschön aus. Das Tal wird enger und nur noch Grün umgibt uns, wie wir es schon gewöhnt sind. Gabi entdeckt einen Stein, der wie eine Muschel geformt ist. Und tatsächlich, es ist auch eine versteinerte Muschel. Nicht so ganz ungewöhnlich im Himalaya, dem höchsten Gebirge der Welt. Der Kontinentalverschiebung verdankt der Himalaya seine Entstehung. Die indische Erdplatte, ursprünglich mal Teil Afrikas, driftete über Jahrmillionen durch den Indischen Ozean nach Norden und drückt nunmehr gegen die eurasische Erdplatte. Der ehemalige Boden des Meeres, der zwischen den Schollen war, wurde - und wird sogar auch heute noch - gehoben und bis auf über 8000 m Höhe gedrückt. Hebung und Abtragung halten sich mittlerweile aber fast die Waage.

In dem engen, ansteigenden Tal tauchen mehrere Häuser auf. Erneut staunen wir, denn hier geht's zu wie in einem Touristenort mit Lokalitäten, Souvenirshops, Guesthaus und erhöht thronend, einem Doppel-Plumpsklo. Auch wir lassen uns zum Essen nieder, trinken Tee und schauen dann das Angebot der Shops durch. Von Zigaretten über Wein, Kukuri, Postkarten, Püppchen, einheimischen Schmuck, Buddhafiguren aus dem nahen Tibet und sonstigen Göttern bis hin zum Meeressalz des Himalaja ist alles zu haben. Eine recht hübsche Verkäuferin fällt mir als besonders geschäftstüchtig auf. Sie scheint aus Tibet zu sein, die - wie viele andere Tibeter - in Nepal Zuflucht vor den Chinesen gefunden haben. Vielleicht ist sie aber auch Angehörige eines der cirka 40 Völker, die es in Nepal gibt und die alle ihre eigene Sprache oder eigenen Dialekt haben, obgleich Nepali als Amtssprache gilt. Letztlich ist es mir allerdings egal, welcher Gruppe sie angehört, da ich sie lediglich fotografieren möchte. Also frage ich sie, wie es in Nepal schon aus Glaubensgründen erforderlich ist. Sie willigt ein und alsbald wechseln eine Rolle Kekse sowie ein buntes Döschen mit Tigerbalsam gegen Erkältungen und sonstige böse Krankheiten den Besitzer.

 Bitte klicken Wie zu erwarten war, ein Stückchen oberhalb des Ortes kommt von rechts eine Straße über den Berg. Wie ebenfalls zu erwarten war, wir gehen das Tal gerade aus weiter und dann steil aufwärts, dort wo der Berg am höchsten ist. Nach einer Stunde haben wir es geschafft und der Kamm ist erreicht. Wieder berauscht uns ein Panorama über die Gebirgswelt vom Feinsten. Erstmalig sehen wir nicht nur das Massiv des Annapurna nach der einen Seite, sondern zugleich in anderer Richtung einen weiteren Bergriesen; es ist der 8.167 m hohe eisgepanzerte Dhaulagiri mit der zugehörigen schneebedeckten Gebirgskette. Sehr tiefe Täler liegen dazwischen und weit unter uns, aber hoch über dem Talgrund gelegen ist auch das Dörfchen Ghorepani bereits auszumachen, das Ziel für heute. Eine Zeitlang sitzen wir alle begeistert am Hang und schauen abwechselnd zum Dhaulagiri und zum Annapurna hinüber oder auch in die tiefen Täler. Allein schon diese 15 Minuten waren unsere Reise nach Nepal und die Anstrengung des Trekkings wert. Ab jetzt geht es - was uns freut - nur noch abwärts. Meist außerhalb des Waldes, über Wiesenhänge oder steile Felder, stets jedoch mit Blick zu den beiden 8.000-der Massiven.

 Bitte klicken Nur langsam wachsen die Häuser von Ghorapani an. Wer hätte gedacht, dass Gabi und ich sie überhaupt zu sehen bekommen; sämtliche Bedenken, wir könnten das Trekking nicht schaffen, sind mittlerweile gewichen. Wir fühlen uns bestens und sind auch etwas stolz auf unsere Leistung. Ghorepani und vor allem den Poon Hill haben wir wirklich verdient. Auf einer Bergkuppe immer noch weit oberhalb von Gorapani wird in hohem goldgelben Gras und bei herrlichstem, warmen Sonnenschein Rast eingelegt. Ich sitze mal auf der einen Seite der Kuppe, mal auf der anderen, je nachdem ob mir mehr nach Annapurna oder mehr nach Daulagiri ist. Weite Stufen nehmen uns auf und sie scheinen endlos hinab zu gehen. Mit den Bäumchen links und rechts wirkt es fast wie eine Allee, die bis nach Ghorepani führt. Endlich, die ersten Häuser sind erreicht und es tut jetzt wirklich gut, wieder etwas ebenerdig laufen zu können. Groß ist Ghorapani aber wirklich nicht und schnell ist das Zentrum erreicht; es ist dort, wo unser Weg schlicht und einfach auf die einzige Querstraße trifft. Als Hauptstraße ist sie sogar grob gepflastert.

 Bitte klicken Unsere feste Unterkunft liegt - wie könnte es im Himalaja anders sein - wieder etwas bergauf, dafür aber mit Blick über den Ort. Es ist ein uriges Haus, teils aus Stein, teils aus Holz errichtet, wie fast alle Häuser im Annapurna Gebiet. Die hier so oft zu sehenden Farben Blau, Lila und Violett für den Anstrich der Holzbalken an Außentüren und Veranden vermisse ich allerdings bei uns. Das kleine Zimmer für Gabi und mich, ganz in Holz gehalten, geht leider nach hinten raus. Der Schrank ist eine gespannte Leine über dem Bett und hat den Vorteil, dass das Zimmer größer wirkt. Für Gemütlichkeit sorgt der fehlende Strom; im Heim ist Kerzenlicht angesagt. Wie schon letzte Nacht, ganz allein sind wir auch hier nicht; eine diesmal dünne Spinne bewohnt die Zimmerdecke. So ein normales Annapurna Haus hat wie bei uns in früheren Zeiten, noch die bewährten Holzbohlen zum Laufen. Nur das Knarren ist tückisch, da es einfach alles an alle verrät, selbst den leisesten Gang zum Klo. Und von nebenan höre ich, dass sich Bernd - oder ist es Hartmut - aufs Bett legt. Denn es klingt eindeutig nach Federquitschen und nicht nach Knarren. Und jetzt seht er schon wieder auf. Sicher will er noch mal ins Dorf runter, wie wir es auch vorhaben.

 Bitte klicken Unsere dicke Jacke nehmen wir mit; gegen Abend wird es wieder empfindlich kalt. An kleinen Beeten mit viel Blumen und Gemüse sowie einem recht neuen, modern wirkenden Haus vorbei gehen wir tiefer und ins Dorf hinein. Auch andere Trekker halten sich hier auf und wandern die kurze Hauptstraße rauf und runter. Wo sollte man auch sonst hin? Etwas erhöht gibt's eine Imbissstätte mit Tischen und Stühlen außerhalb und läd uns zu einer Tasse Tee ein. Wir beobachten die gegenüber liegenden Souvenirbuden - aus groben Steinen errichtet - und das Gefeilsche dort. Erstaunlich wie viele Touristen es in Gorapani gibt. Offenbar kommen alle Gruppen früher oder später hier vorbei, um einmal auf dem Poonhill gewesen zu sein. Auch eine Schaf- und Ziegenherde wird durch das Dorf getrieben.

Zum Essen müssen wir wieder hoch. Im Aufenthaltsraum ist für uns gedeckt und nebendran knistert und knackt es im Lehmofen und strahlt kräftige Wärme ab. Viele Postkarten aus aller Welt sind mit Nadeln an die Wand gespickt. Sie kommen alle von früheren Besuchern dieses Hauses. Bevor es in die Falle geht sitzen wir noch eine zeitlang um den Ofen und trinken Tee oder auch Bier. Natürlich nehme ich in Nepal - wie immer in der Welt - nur das lokale Bier; es schmeckt durchaus gut. Hartmut, unser Kinderarzt, löffelt zum Abschluss des Tages aus einem Teller noch eine ordentliche Portion leckeren Joghurts. Gabi äußert Bedenken an solchem Nachtisch, was ihm den Geschmack aber nicht verderben kann. Er löffelt zu Ende, denn schließlich sei es ja kein ungekochtes Wasser oder Gemüse oder ungeschältes Obst, was man in Nepal natürlich nicht zu sich nehmen sollte, wie ja jedes kleine Kind weiß.

 Bitte klicken Oropax ist für mich ein Wundermittel, das ich auf jede Reise mitnehme. Denn was interessiert's mich, dass die Gruppe nachts so häufig aufs Klo wandert oder sich im Bett umdreht oder gar, dass Bernd bei Nacht ganze Wälder absägt. Das Knarren der Holzbohlen, das Quitschen der Betten, das Schnarchen von Bernd entfernt sich umgehend nach dem Verschluss meines zweiten Ohres. Früh, sehr früh heißt es morgen aufstehen, denn der für mich schon fast zur Legende gewordene Punhill erwartet uns. Der Wecker ist auf 3.30 Uhr gestellt, was ich nochmals kontrolliere. Mein letzter Gedanke gilt dem Poonhill.

(In diesem Bericht sind übrigens nicht alle Bilder ausgewiesen. Unter dem Link 'photos' findet man die gesamte Bildergalerie)

Fortsetzung: Annapurna Trekking


 



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