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Unsere Reise nach Nepal im November 1993


-  V  -

Annapurna ~ Poonhill ~ Dhaulagiri



Der Wecker zerrt mich aus tiefstem Schlaf. Aus den anderen Zimmern höre ich schon die Bohlen knarren. Also raus aus dem so herrlich warmen Schlafsack in die Kälte. Gabi dreht sich nur um und murmelt, dass wir Morgen auch noch auf den Poonhill können. Nein, ich will heute schon rauf und mach mich fertig. Ein paar Kekse stecke ich noch ein, denn Frühstück ist erst bei der Rückkehr vom Poon Hill. Die Flasche mit Wasser muß natürlich auch mit, die Entkeimungstablette Micropur ist drin. Die Taschenlampe hätte ich beinahe vergessen. Draußen ist es stockdunkel. Eine andere Gruppe kommt schon am Haus vorbei; wir sind also nicht die einzigen, die auf den Berg wollen. Unsere Gruppe bleibt jedoch unvollständig. Auch Hartmut, Edda und Claudio wollen offenbar erst Morgen nach oben. Im Dunklen auf einen Berg krabbeln, ist ein völlig neues Erlebnis für mich. Und es geht recht steil auf schmalem Pfad nach oben. Über uns und jetzt auch unter uns sind wanderndende Lichtkegel von Taschenlampen auszumachen. Ein erster Schimmer des neuen Tages zeigt sich am Himmel.

 Bitte klicken Der Schimmer wird schnell stärker und breitet sich aus. Etwas rötliche Farbe kommt hinzu. Wolken werden erkennbar. Hoffentlich schaffen wir es, rechtzeitig zum Sonnenaufgang oben zu sein, denke ich und lege einen Schritt zu. Wald taucht auf. Gott sei Dank windet sich der Weg nur kurz hindurch und geht dann wieder auf offenem Hang weiter nach oben, so dass der Blick frei bleibt. Schemenhaft werden erste Bergkuppen gegen den Himmel sichtbar. Die Helligkeit nimmt zu und auch das Rot wird intensiver. Immer wieder schaue ich mal kurz zur Seite zum heller werdenden Himmel, dann wieder auf den engen, aufsteigenden Pfad, der seine Tücken, Wurzeln und Steine hat. Nach unten hin bleibt es stockduster, hoch oben breitet sich dafür die Helligkeit jetzt immer schneller aus und formt einen Blick, der wirklich in ein himmlisches Reich führt. So etwas von überirdischer Schönheit habe ich noch nicht gesehen! Johanna, sie ist mir gekrackselt ist, und ich erreichen gerade ein optimales Plätzchen am Hang, eine kleine, natürliche Aussichtsplattform. Die Kameras klicken wild, um etwas von dem phantastischen himmlischen Szenario, das drüben immer heller erstrahlt, fest zu halten. Vor allem die Doppelspitze des Machhepuchre hat es mir angetan; sie schwimmt in der sie umgebenden Helligkeit sowie einem Kranz von lichten, rötlich-gelben Wolken. Nach links hin wächst hinter zarten, durchscheinenden, dunkleren Wolkenschleiern das weiße Massiv des Annapurna immer höher auf. Und das eigentlich Unfassbare, alles was das Auge jetzt sieht, spielt sich ausschließlich am Himmel ab, wie gepolstert auf hohem, pechschwarzem Samt.

 Bitte klicken Die Höhe des Poonhill ist fast erreicht, eine Felsbarriere muß noch überstiegen werden und vor uns liegt die mit großen Grasbüscheln bewachsene Kuppe des Hügels. Sogar ein Haus gibt es und jede Menge Leute tummeln sich schon hier oben. Die meisten stehen allerdings auf der anderen Seite des Hügels vor einer kleinen Steinmauer und schauen alle gebannt in dieselbe Richtung. Unwirkliches, Unglaubliches ist dort zu sehen. Die gesamte, erhabene Gebirgskette des Dhaulagiri mit ihm selbst als unumschränktem Herrscher in der Mitte zeichnet sich gegen den Himmel ab. Schnee- und eisbedeckt die obere Region, klar abgegrenzt nach unten und immer dunkler werdend bis ins tiefe, tiefe Tal hinab. Der Talgrund ist nicht zu sehen, er liegt noch in völliger Dunkelheit. Ein Blick über 6.000 m Höhe sicherlich. Ergriffen wie vor einem Heiligtum stehen jetzt auch Johanna und ich vor der Mauer und stehen und stehen und schauen und schauen.

 Bitte klicken Nur langsam können wir uns von dem Anblick lösen. Fast schon vergessen ist der Annapurna und Machapuchare. Nur eine halbe Kopfdrehung mache ich und glaube meinen Augen nicht zu trauen. Gewaltig und in absoluter Schönheit - in diesem Augenblick für mich auch völlig unvorbereitet - steht dort über weißen Wolken das schneebedeckte Massiv des Annapurna im Himmel. Und nach unten in die schwarz -blaue Dunkelheit weich abgegrenzt durch die weißen Wolken sowie im Vordergrund durch goldgelb aufleuchtendes hohes Büschelgras. Einfach traumhaft diese Komposition der Natur! Wir eilen jetzt in diese Richtung fast bis zum Abgrund um noch näher zu sein. Von Minute zu Minute verändert sich das Bild. Es wird heller, die Wolken verschieben sich, ziehen höher, teilweise auch tiefer oder lösen sich ganz auf. Die Helligkeit erreicht mittlerweile den Talgrund und unten gebildete Wolken wandern langsam die Hänge aufwärts. Ein Erlebnis wie es nicht schöner sein kann.

 Bitte klicken Auf der rückwärtigen Seite des Poonhill haben sich zwischenzeitlich gewaltige, dunkle Wolkenmassen zusammen gebraut. Sie ziehen unten ins Tal hinein und wandern auch auf unserer Etage halb um die Kuppe herum. Eine tolle Stimmung ergibt sich hieraus, zumal die bereits aufgegangene Sonne weiter bei uns bleibt und das Büschelgras - wie nach einem Regenguß - wunderschön leuchten läßt. Vom Dhaulagiri ragt nur noch die eisige Spitze über die Wolken hinaus; das Massiv des Annapurna bleibt dagegen fast wolkenfrei. Wir wandern mal in die Richtung, mal in die andere. Gut, dass ich nur einen Film dabei habe, denn mit meinen lediglich 12 Filmen für jede Reise hätte es sonst eine Katastrophe gegeben. Die Sonne steigt höher und läßt den Glanz dieser phantastischen Umgebung etwas verblassen. Gut drei Stunden bin ich jetzt schon auf der Kuppe. Nur noch sehr wenige Besucher sind geblieben, von unserer Gruppe ist sonst keiner mehr da. Also mach auch ich mich auf den Weg. Absolut begeistert steige ich den Poon Hill hinab. Wer hätte das gedacht, dass ich auf diesem Berg stehen würde und dann noch bei dieser unglaublichen Sicht. Ich bin wahrhaftig mit mir und der Welt rundherum zufrieden.

 Bitte klicken Die Häuser von Ghorepani sehe ich unten liegen und sie kommen schnell näher. Die Gruppe hat tatsächlich mit dem Frühstück auf mich gewartet. Nur Hartmut ist nicht zu sehen. Er hat's mit dem Magen oder auch Darm oder sogar mit beidem zu tun, klärt mich Bernd auf. Die halbe Nacht hätte er schon auf dem dunklen Klo verbracht. Nie wieder wolle er Joghurt essen. Den ganzen Tag haben wir heute Zeit für uns. Also wandern wir die Hauptstraße rauf und runter und wieder runter und rauf. Die Souvenirshops werden begutachtet, ein paar Nepalesische Rupies (NR) und kleine Paisa wechseln den Besitzer, wir trinken Tee, schauen in die Häuser, soweit es von der Straße aus möglich und nicht zu aufdringlich ist, sagen häufig Namaste, den hiesigen Gruß und jeder versucht irgendwie, ein hübsches Motiv von den Einheimischen in seinem Kasten unterzubringen. Nur mit Erlaubnis natürlich. Auch Hartmut bekommen wir im Haus mal kurz zu Gesicht. Wie ein Häufchen Elend sieht er aus. Den Spätnachmittag und Abend verbringen wir bis auf Hartmut um den kräftig geheizten Ofen, denn es ist empfindlich kalt draußen und jeder kennt Ghorapani ohnehin bereits bis in die letzte Ecke.

Natürlich lasse ich es mir nicht nehmen, wieder um 3.30 früh aufzustehen. Diesmal steht auch Gabi auf, denn meine Schilderung vom Punhill war zu eindeutig. Wieder sind wir gut 3 Stunden oben und können uns nicht satt genug sehen. Sylvia hat sogar Luftballons in allen Farben mit nach oben geschleppt, warum auch immer. Jedenfalls werden sie von uns aufgeblasen und mit Dhaulagiri oder Annapurna sowie der Gruppe in wechselnder Besetzung aus jeder Kamera fotografiert. - Gegen Mittag ist Abmarsch aus Ghorapani und sehr schön, es geht bis morgen Mittag ausschließlich bergab. Gleich hinter Gorapani sogar recht steil und teilweise noch mit Stufen. Unser armer Hartmut bleibt erstmalig sofort bei mir als dem Letzten der Gruppe. Blass, sehr blass ist sein Gesicht. Auf dem Poonhill war er nicht, er kennt nur das Klo von Ghorepani. Reisen - unser beider Spezialgebiet - ist Thema auf dem jetzt gemütlich gewordenen Weg hoch oben über einem tiefen Tal. Ich meine, dass Hartmut dabei wieder ein ganz kleines bißchen Farbe bekommt. Irgendwann will er wissen, wieviele Länder ich schon bereist habe, aber nur diejenigen außerhalb von Europa würden für ihn zählen. Ob kurz oder lang spiele allerdings keine Rolle, man muß nur mit beiden Füßen drin gestanden haben. Meine Frage, ob denn auch Zwischenlandungen gelten, wurde dagegen klar verneint.

 Bitte klicken Da wir hier in Asien sind, beginne ich mit der Aufzählung denn auch in Asien und wechsle dann rüber nach Amerika. Wahrscheinlich täusche ich mich, dass Hartmut wieder blasser geworden ist. Nach Aufzählung auch der afrikanischen Länder bin ich mir aber sicher, dass er die alte, ungute Farbe wieder angenommen hat. Mein abschließender Hinweis, noch nie mit beiden Füßen auf dem australischen Kontinent gestanden zu haben, scheint ihm aber Erleichterung zu verschaffen; er habe schon sämtliche 5 Kontinente bereist und gerade Australien sei ein ganz besonderer Kontinent. - Unser enges Tal mündet in ein größeres Tal. Ich vermute, es könnte das Tal nach Landrung und weiter zum Annapurna Sanctuary mit dem Basisacamp sein, was sich jedoch als voreilig heraus stellt; erst Morgen in Birethani wird es soweit sein. Vorne und weiter unten taucht jetzt das Dörfchen Banthani auf. Wie ein Schwalbennest hängt es am steilen Hang unmittelbar an der Schlucht. Sogar ein Rasthaus mit Terrasse und tollem Blick ins Tal gibt es hier. Die Gruppe sitzt bereits bei einer Tasse Tee im warmen Sonnenlicht. Hartmut hat erst mal anderes vor und verschwindet umgehend. Na, hoffentlich wird ihm nicht noch schlechter, wenn er die Toilette sieht, meint Sylvia nur dazu.

Lange dauert's bis Hartmut zurückkommt. Sowas hab ich noch nicht erlebt, ist sein knapper Kommentar. Wirklich neugierig geworden, mache ich mich auf den Weg. Über Treppfen geht's hinterm Haus steil nach unten und dann dem Geruch nach. Ein aus knorrigen Ästen gefertigtes Häuschen steht direkt am Abgrund, der hintere Teil sogar darüber, nur durch einige Stecken abgestützt. Todesmutig gehe ich hinein und schau durch das Geäst weit hinunter in die Schlucht. Circa 300 m hängt mein Hintern über dem schäumenden Bach in der Tiefe. Alles was hier hinunter fällt, ist auf immer verschwunden, geht es mir durch den Kopf. Wirklich erleichtert verlasse ich diesen unheimlichen Ort. Unser Koloss Bernd ist der Nächste. - Treppen ziehen sich durch ganz Banthani und wir wandern an unterster Stelle aus dem Ort heraus. Eine Zigarette muß ich allerdings hier lassen, um das obige Bild von Mutter, Tochter und dem dekorativen Balken der Veranda in der Mitte machen zu dürfen.

 Bitte klicken Weit unterhalb von Bhanthani im nächsten Ort werden die Zelte von uns aufgebaut. Schwierig nur - wie üblich im Himmalaya - ein Plätzchen zu finden, das nicht gar zu schräg den Hang hinab geht. Heute Abend scheint im Dorf was los zu sein. Viele Menschen haben sich versammelt und Musik ist zu hören. Nach dem Essen wandern auch wir hinauf und fühlen uns umgehend in das Fest integriert. Jeder bekommt eine Girlande mit Blumen um den Hals gehängt und eine weitere Blume in die Hand gedrückt. Schmuck zurecht gemacht sind die Einheimischen und ich bin sicher, ihre beste Garderobe zu sehen. Es wird gelacht, getanzt, getrommelt was das Zeug hält und alle sind begeistert mit dabei. Welches Fest hier gefeiert wird, kann aber selbst unser Sherpa nicht sagen, da es in Nepal nun mal mehr Feste gibt, als das Jahr Tage hat. Das bekannteste und ausgiebig gefeierte Neujahrsfest, das Bisket Jatra, kann er jedoch ausschließen, da es erst im April gefeiert wird. Ansonsten richten sich die Feste in Nepal nach dem Mondkalender und verschieben sich von Jahr zu Jahr; wer soll da noch durchblicken.

 Bitte klicken Irgendwann in der Nacht suchen wir mit unserer Stirnlampe den Weg zurück zum Zelt, obgleich das Fest noch weiter geht. Kräftig abgefärbt haben die Girlanden, wie wir am nächsten Tag feststellen. Aber was soll's, unseren Spaß hatten wir. Heute ist wieder Tablettentag. Nur wegen des Chitwan Nationalpark und seiner Malariagefahr ist die Vorbeugung geboten. Der Rest, Hepatitisspritze, Typhus, Polio- und Tetanusschutz wurde ja schon zu Hause erledigt. Es geht weiter bergab. Ich staune, wie hoch wir doch waren. Einen Yeti haben wir leider nicht getroffen. Das liegt aber nur daran, dass die Sherpas durch List und mit reichlich Alkohol die hier lebenden, jedoch Menschenfleisch fressenden Yetis dazu brachten, sich selbst umzubringen. So behaupten die Sherpas jedenfalls. Birethani ist irgendwann erreicht. Es ist ein besonders sauberer und netter Ort; sogar eine Bank mit Geldwechsel gibt es hier. So etliche Touristen wandern von Birethani aus nach Gorephani, um (lediglich) den Poonhill zu besteigen. Eine schwankende Hängebrücke hat Birethani auch und viele wunderschön blühende Weihnachtssterne.

(In diesem Bericht sind übrigens nicht alle Bilder ausgewiesen. Unter dem Link 'photos' findet man die gesamte Bildergalerie)

Fortsetzung: Trisuli und Chitwan NP


 



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