Seite 5 vom Bericht Argentinien Patagonien

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Reise nach Feuerland im Dez/Jan 1996


VI

Punta Arenas ~ Feuerland



 bitte klicken Punta Arenas, Magellan Straße ... welch ein Klang. Ja, diese Begriffe kannte ich schon als kleiner Bub. Sie waren immer was Besonders für mich, fern und abenteuerlich. Die Reise von Magellan um die Erde und die Suche nach einer Durchfahrt in diesem Gebiet waren mir von Büchern her wohl vertraut. Auch die Sammelleidenschaft für die Bilder der Margarine Sanella hatte mich in Gedanken schon hier her geführt. Und jetzt war ich endlich in dieser Stadt, die früher eine so große Bedeutung für die Schifffahrt gehabt hat, als der Panamakanal noch nicht gebaut war. Die einzige, einigermaßen vor Stürmen geschützte Durchfahrt vom Atlantik in den Pazifik ging hier durch die Magellanstraße und selbstverständlich wurde in Punta Arenas dann angelegt. - Bei unserer Einfahrt in die Stadt marschiert erst mal eine Hundegang gesittet über die Straße und blockiert den Verkehr. Alle Autos halten an und lassen die 7 oder 8 Hunde aller Größen - wie selbstverständlich - einen nach dem anderen passieren. Wir kommen uns vor wie in einem Film. Mitten in der Stadt erwartet uns ein exklusives Hotel und ein fischreiches Abendessen.

 bitte klicken Der Vormittag steht zur freien Verfügung und jeder macht mit einem Stadtplan in der Hand seinen Rundgang durch Punta Arenas. Es ist eine recht saubere und schöne Stadt. Viele alte Häuser und Villen im Stil der Jahrhundertwende sind noch zu sehen. In anderen Straßen von Punta Arenas haben sich bunte, kleine Arbeiterhäuschen erhalten, die von längst vergangenen, quirligeren Zeiten träumen. Leider finden Gabi und ich im Hafengebiet nicht die Spelunken, vor denen einem bei Dunkelheit grausen soll. Im Containerhafen irren wir eine zeitlang herum und machen uns dann auf den Weg zum Mirador, dem höchsten Punkt von Punta Arenas. Einen schönen Blick hat man von dort über die Magellan Strait und die roten, blauen und grünen Dächer der Stadt. Es erinnert hier an Nord-Norwegen. Mittags geht unsere Fahrt weiter. In einer verlassenen, halb verfallenen Hacienda machen wir Picknick. Nicht weit entfernt am Ufer der Magellan Straße liegen zwei alte Wracks von Segelschiffen, die hier wohl schon vor Urzeiten gestrandet sind.

 bitte klicken Irgendwo unterwegs auf der Fahrt von Punta Arenas in Chile nach Rio Gallegos in Argentinien. Ein großer Teil der Strecke verläuft parallel zum Wasser der Magellanstraße. Viele Schiffe sind darauf allerdings nicht zu sehen; die Zeiten für eine Seereise um Südamerika herum sind nun mal endgültig vorbei. Allenfalls Kreuzfahrtschiffe nehmen noch diese Route. Das Land hier ist - wie man sieht - recht eintönig, obgleich mich eine solche Landschaft gerade wegen ihrer Öde durchaus fasziniert; allein schon deshalb, da sie im südlichsten Zipfel Amerikas liegt und ich mir das immer wieder gegenwärtige.

 bitte klicken Chile wird verlassen und Argentinien hat uns nun wieder. Der Endpunkt unserer Reise auf dem südamerikanischen Festland ist in dem Hafenstädchen Rio Gallegos am Atlantik erreicht. Von hier aus geht's mit einem kurzen Flug noch südlicher bis nach Ushuaia auf Feuerland. Rio Gallegos bietet nicht sehr viel, außer herrlichstem Sonnenschein mit Sturm und Kälte. Auch hier wieder ein Sturm, der für das Sonnenwetter einfach unglaublich ist. Ohne zu lügen, es ist manchmal tatsächlich fast nicht möglich, um eine Hausecke oder über die Straße zu kommen. Fest aneinander gefaßt, zieht man sich dann gegenseitig durch den Ort. Das Bild zeigt die Wucht des Sturmes. Offenbar gelang es nicht, diese Bank senkrecht einzubetonieren, trotz ihrer Stabilität.
Mulmig wird es uns allerdings auf dem Flugplatz bei dem Gedanken, hier starten zu müssen. Mit einem Fläschen scheußlich schmeckendem Fernet Branca versuchen wir uns etwas zu beruhigen. Was ich dann aber noch nie erlebt habe: Im stehenden Jet hin und her geschüttelt zu werden und eine Dame zu sehen, die durch den Sturm die Gangway verfehlt und an ihr einfach vorbei getrieben wird. Eigenartig zudem: Unmittelbar nach dem Abheben der Maschine schwebt sie ruhig wie ein Vögelchen durch die Luft, ohne jede Bewegung. Der Fernet schmeckt sofort besser.

 bitte klicken Der Flug über Feuerland nach Ushuaia, der südlichsten Stadt der Welt, wird ungemütlich. Der Jet schaukelt heftig, sackt ab, wird wieder hoch gehieft, rauscht durch Wolken und rechts und links sind die schneebedeckten Berge zu sehen, schon fast auf gleicher Höhe mit uns. Erstmalig bekommt Gabi Angst vom Fliegen, obgleich ich doch dieses Privileg ansonsten gepachtet habe. Trotz meiner eigenen Anspannung versuche ich sie zu beruhigen. Mir hilft die Hoffnung, dass mittlerweile die neue Landebahn von Ushuaia fertig geworden ist und somit die Landung wenigstens nicht mehr quer zum Wind wie bisher, sondern ungefährlicher mit ihm erfolgt. Wir landen denn auch heil mit dem Wind, müssen jetzt aber eine längere Busfahrt in Kauf nehmen, da das neue Abfertigungsgebäude noch nicht fertig gestellt ist. Unser Hotel auf einem Berghang am Rande von Ushuaia hat etwas vom Stil einer Berghütte, gemütlich, jedoch hellhörig. Der Wirt scheint indianisches Blut aus Feuerland in sich zu haben.

 bitte klicken Ushuaia ist eine durchaus akzeptable Stadt, die von Strafgefangenen erbaut wurde. Das alte Gefängnis ist zur Attraktion geworden und der Besuch daher ein Muß. Gefangener hätte man hier nicht sein mögen; die ganze Anlage mit Bauten strahlt noch heute Kälte, Härte und Düsternis aus. Die Stadt Ushuaia liegt direkt an den schneebedeckten Bergen der Andenkette und nach der anderen Seite am Beagle Kanal. Die Häuser im besseren Teil von Ushuaia bestehen aus Holz, sind bunt gestrichen und einladend; im Armenviertel sind sie auch aus Holz, aber halb verrottet, dreckig und staubig. Natürlich gibt es in Ushuaia auch Betonklötze, jedoch keine Hochhäuser. Eine Freihandelszone ist Ushuaia auch, nur merkt man als Reisender leider nichts davon, denn alles ist hier teuer. Reges Leben herrscht dennoch in der Stadt, auch viele Touristen tummeln sich hier und besuchen die vielen Andenkenläden und Restaurants. Ohne eine Reservierung dürfte kaum ein Platz in den teilweise recht urig eingerichteten Lokalitäten zu finden sein. Gabi und ich genehmigen uns Seespinne im Volver. Ja, so ist es am Ende der Welt.

 click, für großes Bild in neuem Fenster Nur eine relativ kurze Fahrt ist es von Ushuaia aus zum Lapataia Nationalpark. Dessen Westgrenze ist zugleich auch die Grenze zwischen Argentinien und Chile. Denn Feuerland - es ist eine große Insel - gehört teils zu Argentina und teils zu Chile, wobei lange Zeit der genaue Verlauf der Grenze umstritten war. Erst vor einigen Jahren hat man sich nun einigen können. Die gegenüber dem Beagle Kanal liegende und auch von Ushuaia aus zu sehende Inselwelt gehört jetzt endgültig zu Chile. - Heute haben wir mit dem Wetter Glück. Eine Wanderung durch den Parque Nacional Lapataja und entlang des Beagle Kanal steht auf dem Programm.

 click, für großes Bild in neuem Fenster Die Straße zur Lapatia Bucht führt über weite Strecken durch Nadelwald und raues Bergland. Man merkt, dass hier der Winter lang ist und und über viele Monate eisiger Wind bläst, nach dem sich Baum, Strauch, Gras, Moos und Flechte auszurichten hat. Jetzt allerdings im Dezember ist Sommerzeit auf der südlichen Halbkugel und die Natur für kurze Zeit voll erwacht. Von der Atmosphäre her würde man bei uns allenfalls vom Beginn des Frühlings sprechen. Hier jedoch grünt und blüht es um uns herum, dass es eine Wonne ist. Im Zeitraffer arbeitet jetzt die Natur, denn nur wenige Wochen stehen zur Fortpflanzung zur Verfügung, bis Kälte, Düsternis, Schnee und Eis wieder hereinbrechen.

 click, für großes Bild in neuem Fenster Entlang einer Bucht des Beagle Kanal geht zunächst unsere Wanderung. Das Beaglewasser ist blau und glasklar, wie es nicht schöner sein könnte. Jedoch kalt, eiskalt, und man wundert sich, was dennoch so alles im Wasser gedeiht und herumschwimmt. Hier sind ehemals auch die Indianer, die Urbevölkerung von Feuerland, mit ihren Booten gefahren und haben im Wesentlichen vom Fischfang gelebt. Es gibt diese Indianer nicht mehr; sie wurden wie so viele Völker in Amerika ausgerottet. Der letzte Feuerlandindianer soll um etwa 1900 verstorben sein. Ihre vielen Feuer, die sie auf der Insel unterhielten, nahmen die ersten spanischen und portugiesischen Seefahrer zum Anlass, dieses Gebiet Tierra del Fuego, also Feuerland, zu benennen.

 bitte klicken Hier am Beaglekanal unmittelbar am Haupteingang zum National Parc Lapataia endet die über tausende von km durch Argentinien gehende Routa Nacional Nr 3. Ein großes Schild weist darauf hin und jeder, der diese Stelle jemals in seinem Leben erreicht, macht ein Bild von sich vor dieser Tafel. Zur Erinnerung und natürlich als Beweisstück. Zu Beginn unserer Reise durch Patagonien hatten wir ja schon ein Teilstück dieser Routa kennen gelernt. Aber nun ist mit Straßen in Südamerika endgültig Schluss. Es gibt ab hier nach Süden nur noch einige Inseln mit Kap Hoorn. Jenseits kommt dann die Antarktis, die man übrigens auch als Tourist von Ushuaia aus erreichen kann, sofern man es will. Und Gabi und ich werden es noch wollen, wenn auch nicht auf dieser Reise.

 bitte klicken  bitte klicken Die Wanderung im Lapataia Park ist wirklich wunderschön. Über farbenprächtige Berghänge steigen wir, lassen uns von den vielen Vögeln bezwitschern, setzen uns mitten in die Blumen und genießen die herrlichen Ausblicke auf die Berge und das tiefblaue Wasser des Beagle Kanal. Das Ende dieser Welt haben wir uns trister vorgestellt. Eine Mittagsrast wird direkt am Wasser eingelegt. Auf dem Rückweg bewundern wir immer wieder den Feuerlandstrauch mit seinen vielen roten Blüten und wandern durch schmale Pfade im hüfthohen, weiß blühenden Buschwerk. Kleine Seen werden von uns noch angefahren, in denen Biber zu Hause sind und dort ihre faszinierenden Bauten und Dämme errichtet haben. Neben den Biberseen dehnt sich eine Hochmoorlandschaft aus, die nicht minder interessant ist. Die Torfschicht soll einige Meter dick sein und man läuft auf ihr wie auf einem Trampolin. Die Farben stechen stark von dem Grau der gestorbenen 'Biberbäume' ab, es sind warme gelbe, grüne, braune, rötliche Töne, die einen an Sonne und Leben denken lassen.

 bitte klicken Frühzeitig finden wir uns heute im Hafen von Ushuaia ein, um eine Katamaranfahrt auf dem Beagle Kanal in Richtung Osten bis zur Estancia Haberton, der ältesten Ranch von Argentinien, zu machen. An drei großen Kreuzfahrtschiffen vorbei rauscht unser Schiff auf den Beagle hinaus. Was hier Kanal genannt wird, ist jedoch nichts anderes als eine Wasserstraße zwischen Feuerland und gegenüber liegenden, kleineren Inseln. Im Beaglekanal gibt es auch winzige Inseln und die sind am Interessantesten. Sie sind nämlich bevölkert: Mal von Kormoranen, mal von Pinguinen, mal von Seehunden und mal auch gemischt.

 bitte klicken Der Anblick ist beeindruckend. Tausende und abertausende von Vögeln brüten hier auf den kleinen Eilanden. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen verbunden mit Rangeleien und gewaltigem Geschnatter. Nebenan dösen meist Seelöwen oder wuchten sich gerade aus dem Wasser, robben über das Felsgestein bis die richtige Liegestellung gefunden ist oder der Hunger treibt sie ins kalte Wasser. Das Tolle an unserer Katamaranfahrt ist die unglaubliche Nähe der Beobachtung. Bis auf cm kommen wir an die Inseln heran, was ich nicht für möglich gehalten hätte. Die Bilder sind ohne Tele gemacht.

 bitte klicken Der Wettergott hat kein Einsehen mit uns; er verflucht uns offenbar am Ende der Welt. Es schüttet vom Himmel und wir flüchten in die Estancia Haberton während andere gleich im Schiff bleiben. Haberton wirkt wie ein Museum aus dem letzten Jahrhundert. Zur Estancia Haberton gehören riesige Ländereien und sie ist noch in Betrieb. Heißer Kaffee wird uns serviert, bevor die Fahrt zu einer gottverlorenen Wetterstation weiter geht. Zwei Mann und zwei Hunde überwachen hier den Arsch der Welt. Allein bin ich auf der Heimfahrt nach Ushuaia an Deck. Wind und Regen umgeben mich, die Küste und die Berge von Feuerland erscheinen nur noch schemenhaft und meine Gedanken wandern zurück in Zeiten, in denen die ersten Europäer hier die Feuer der Indianer auf Tierra del Fuego gesehen haben. -- Adios Argentina !


--   Da ich von den Calafatebeeren gegessen habe, komme ich wieder zurück   --


 



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