Seite 1 der Reise nach Thüringen und Sachsen

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Unsere Reise nach Thüringen und Sachsen



~~   Brocken ~ Quedlinburg ~ Bodetal   ~~

  II  



Höher und höher geht's hinauf; meist durch dichten, herrlichen Tannenwald. Die Blicke, die sich öffnen, weisen jetzt weit ins Land hinaus. Erstaunlich viele Wanderer sind zu sehen. Neben den Gleisen laufen sie jetzt auf mit Holzbrettern befestigen Wegen; wohl zum Schutz der Natur. Warmes Sonnenlicht liegt auf der unbewaldeten Kuppe des Brocken, der wir uns jetzt in weitem Kreis nähern. Gewaltig wirkt der Fernsehturm auf der Höhe. Die Baumgrenze ist erreicht, dann der kleine Bahnhof sowie diverse Buden, die Souvenirs, thüringer Bratwurst und natürlich Suppen im Angebot haben. Es herrscht reges Treiben hier oben; ordentlich kühl ist es außerdem. Das Panorama vom Brocken ist wirklich phantastisch. Eine Rundumsicht bis zum Horizont bietet sich heute. Aus einer Ebene erhebt sich der Harz, wie gut zu sehen ist. Nur im Vordergrund stehen die dicht bewaldeten Berge, die von flachem Kulturland mit Feldern bis in die Unendlichkeit umgeben sind. Sogar das leuchtende Gelb des Rapps ist von hier oben erkennbar. Der Brocken aber beherrscht alles. Er ist wahrlich die Majestät im Harz und bis weit darüber hinaus.

Die Höhenluft hat Lottis Verdauung offenbar beflügelt, denn exakt am höchsten Punkt setzt sie Ihrer Majestät eins auf den Kopf. Aber nicht Ihre Majestät kreischt, sondern eine gerade hochgewanderte Dame, sofern man sie dafür halten mag. "So eine Sauerei hier oben" schreit sie doch tatsächlich, was ihr immerhin diesen kurzen Absatz einbringt. Ansonsten hat Gabi aber schon eine passende Antwort bereit, zumal das Tütchen für das corpus delikti bereits in ihrer Hand war.

Der ungemütlich kühle Wind treibt uns alsbald von der kahlen Kuppe des Brocken in den Windschatten am Bahnhof. Erst in vier Stunden geht wieder ein Zug nach unten, stelle ich fest. Warum denn nicht bis zur nächsten Station in Schierke wandern? meint Gabi. Eine Bratwurst genehmige ich mir noch, dann geht's abwärts. Andere haben offenbar die gleiche Idee, eine halbe Völkerwanderung ist auf dem Weg nach unten. Ein wunderschöner, ausgeschildeter Pfad nimmt uns auf. Auch Lotti ist begeistert, schnüffelt hier, schnüffelt da. Die Wanderburschen werden weniger, wir genießen den Wald, die Ruhe, die Blicke über die Berge des Harz um so mehr. Die Sonne beibt uns treu, dennoch ist es nicht zu heiß. Gemütlich geht es sanft weiter bergab. An einem Abzweig wählen wir den längeren, jedoch bequemeren Weg nach Schierke. Zwei Bänke mit Tisch kommen in Sicht. Ideal für ein kleines Sonnenbad auf der Bank. Nach langer Zeit hören wir mal wieder Wanderer, eine Familie kommt. Das Töchterchen mosert; sie will nicht mehr laufen. Weit vor uns tauchen Häuser am Hang auf. Wohl Schierke.

Der Weg zieht sich. Auf einer Teerstaße müssen wir weiter. Auch Schierke zieht sich die Straße entlang. Noch 800 m durch den Ort und etwa 250 m bergauf zum Bahnhof, wird uns gesagt. Na, wunderbar. Nach meiner Berechnung müßten wir den 5-Uhr-Zug um etwa 1 Minute verpassen. Tatsächlich wird es aber weniger. Vor unseren Augen fährt er nämlich dampfend und pfeifend los. Eine Stunde bis zum Nächsten, erfahren wir. Das letzte Stück bergauf hat uns Dreien den Rest gegeben. Ich brauch ein großes Bier, Gabi einen riesigen Eisbecher und Lotti schlappert Wasser ohne Ende. Fast leer ist der Zug auf der Rückfahrt nach Wernigerode. In Erinnerung bleibt mir ansonsten nur die überaus hübsche Schaffnerin. Am Abend sitzen wir wieder am Markt von Quedlinburg und genießen das Treiben und Ambiente dieser Stadt. Im Ratskeller wird heute gespeist. Warum gibt's diese Qualität und Preise nicht auch in Düsseldorf ? frage ich mich neidisch.

Über eine Stunde dauert die Stadtrundfahrt in Quedlinburg mit dem offenen Bimmelbähnchen. Erst jetzt wird mir bewußt, wie groß diese alte Stadt tatsächlich ist. Und fast überall begeisterndes Fachwerk. Ich staune, wieviel wir noch nicht gesehen haben. Nur gut, dass wir diese Tour machen. Ausgezeichnet auch die begleitende Information durch den Fahrer. Jedes Haus kennt er, weiß um die Entwicklung der Stadt durch die Jahrhunderte, erzählt von Königen und Kaisern, die in Quedlinburg residiert haben. Also weiß ich jetzt auch, dass auf dem kleinen gepflasterten Platz zwischen den Häusern von Wagners und Ibrahims (ihres Zeichens Vermieter von Ferienwohnungen) dem Heinrich die deutsche Königskrone angeboten worden ist, die ihn 919 n.Ch. zum Heinrich I machte. Aus der Schule weiß man schon weiter, dass sein Sohn auf den profanen Namen Otto hörte, jedoch als deutscher Kaiser Otto I - oder auch der Große - verschied. Sein Sohn wiederum nannte sich konsequenterweise Otto II und dessen Sohn natürlich Otto III. Letzterer Otto verstarb schon im zarten Alter von 21 um die Jahrtausendwende 1002, hatte somit keine ausreichende Zeit mehr, selbst noch einen Otto IV zu zeugen, weshalb das Geschlecht der Ottonen mit Heinrich II schon 1024 n.Ch. halt ausstarb. Lachende Dritte waren dann die Salier.

Den nahen Ort Thale - wie Quedlinburg an der Bode gelegen - wollen wir noch besuchen, auch wenn die Beschilderung der Straßen manchmal mangelhaft in den neuen Bundesländern ist. Über Umwege klappt es aber und einer Wanderung durch die Bodeschlucht steht nichts mehr im Wege. Immerhin 10 km haben wir vor uns, obgleich wir das noch nicht wissen. Wenn wir es gewußt hätten, hätten wir die Wanderung erst recht gemacht. Sie ist nämlich ein Gedicht. Selbst Goethe ist in diese Schlucht hinein spaziert, wie an einem Felsen geschrieben steht. Zwar sagt man immer wieder Bodetal, doch ich weiß es jetzt besser, es ist eine wirkliche Schlucht mit schäumenden Wasser und einem Waldbestand, der träumen läßt. Seil und Pickel braucht man nicht, ein gepflegter Wanderweg führt meist mäßig an den Schluchtwänden bergauf und bergab. Unter Bäumen geht's dahin und wenn die Tannen wieder dem Laubwald weichen, wandert man bei Sonnenschein - so wie Gott sei Dank bei uns - unter einem zartgrün schimmernden, manchmal sogar blitzenden Blätterdach voran. Warum habe ich eigentlich vom diesem Gedicht noch nie gehört?

Den letzten Abend in Quedlinburg sitzen wir wieder wie gehabt am Markt. Gut bevölkert ist er heute und angenehm warm ist es auch. Ein Nachtwächter in mittelalterlichem Kostüm mit Laterne kommt langsam über den Platz geschritten. Im Schlepptau hat er eine Gruppe Touristen, die seinen Worten lauschen. Eine abendliche Stadtführung ist es offenbar; nicht schlecht die Idee. Herzhaften Krustenbraten bestelle ich und die Dame nebendran macht's mir nach. Der Markt ist verlassen, als wir in Richtung 'Domschatz' streben. Lotti scheint die Antragung der Königswürde für Heinrich zu mißbilligen, setzt sie doch genau auf dem bewußten Platz ihr abendliches Häufchen. Wir entschuldigen uns nach oben zum Schloss, in dem noch ein Fenster im großen Stiftsgebäude erleuchtet ist. Das also war Quedlinburg.

Nach Grimma in Sachsen wollen wir heute. Zeit haben wir dafür genügend, weshalb ich einen kleinen Umweg über Eisleben einplane. Aus der Schulzeit ist mir dieser Ort nämlich im Zusammenhang mit dem Reformator Luther in Erinnerung geblieben. Über Land geht die Strecke, u.a. durch Aschersleben und andere ...leben. Dieses Wortanhängsel scheint man hier zu lieben, in gleicher Weise wie im Gebiet um den Harz das ...rode. Die neuen Bundesländer hat Rot/Grün offenbar gepflastert mit Windmühlen. Nach allen Richtungen verschandeln diese Windparks, die alles andere als Parks sind, die eigentlich schöne Landschaft hier. Und das noch auf Kosten der Allgemeinheit. Vor Eisleben taucht ein gewaltiger, fast weißer und absolut gradliniger Berg auf. Es ist Abraum der seit 1990 geschlossenen Kupferminen, die hier über Jahrhunderte in Betrieb waren. Von der neuen Umgehungsstraße zweigen wir nach Eisleben ab, das mit diversen Kirchen, aber auch riesigen Plattenbauten herüber schaut.

Ein Parkplatz für Lutherfans ist ausgeschildert. Wir folgen den Schildern durch die Stadt, dann in den höher gelegenen Außenbezirk. Wieder ein Schild für Lutherfans; es zeigt in die Richtung, aus der wir gerade kommen. Wir nehmen den nächsten Parkplatz, den wir finden. Schilder für Fußgänger gibt es auch. Wir folgen ihnen in die Altstadt hinunter, denn das kann nicht falsch sein. Und tatsächlich, wir kommen zum Rathaus samt alten Markt von Eisleben. Gabi nimmt die Stadt gleich beim Wort, denn die Sonne scheint kräftig und bestellt sich eine große Portion der ersten Stadtsilbe. Luther ist in Eisleben geboren und auch gestorben, das wissen wir bereits mit Sicherheit; gibt es doch ein ausgeschildertes Geburts- und auch Sterbehaus. Das Kapital von Eisleben dürfte im wesentlichen wohl nur in der Person des weltbekannten Reformators begründet sein, denn ein bißchen enttäuschend finde ich die Stadt auf unserem Weg zu den beiden Luther-Häusern schon. Liebevoll sind beide Häuser restauriert, mit kleinen Museen darin. Lotti darf aber nicht hinein; die Vorschriften, wird uns bedauernd erklärt. Selbst der Hinweis, dass Lotti in einer protestantischen Familie aufgewachsen sei und sogar in königlichen Häusern, wie etwa Quedlinburg verkehre, ändert nichts an der strengen Auslegung der Vorschriften.

Auf der teilfertigen, nagelneuen Autobahn, die wohl bald Leipzig ganz umschließen wird, ist Grimma an der Mulde nach etwa einer Stunde erreicht. Wie praktisch ist doch manchmal ein Handy. Ein Anruf und schon kommt Jochen angefahren, um uns zum schmucken Schrebergarten mit komfortablem Holzhaus zu lotsen. Wann immer machbar, sind sie nämlich hier draußen, was wir nach einem Blick in diese Idylle bestens versehen können. Auch Lotti hat ein Paradies gefunden ... wenn alles gut geht. Denn nebenan herrscht ein bulliger Rottweilerrüde, der diesen Garten ebenfalls zu seinem Revier erklärt hat. Und da erscheint er bereits, um mal nach dem Rechten zu sehen. Lotti unterwirft sich sogleich, wie es sich für eine junge Dame eben gehört. Mit Wohlwollen wird es registriert und fortan ist die Liebe groß. Der Tag endet in einem ausgelassenen Grillfestival zusammen mit den Nachbarn und ihrem Schäfchen, dem Rottweiler.

Grimma und Umgebung stehen heute auf dem Programm. Allerdings lassen wir es gemütlich angehen, wie wir es schon über eine Woche gewohnt sind. Zum Muldetal hinunter geht die kurze Fahrt. Lieblich sieht das breite Tal aus, durch das sich die Mulde schlängelt. Saftige grüne Wiesen und auch Felder im Grund, eingeprenkelt einige Gehöfte und Häuser, baumbestanden die wallartigen Talseiten. Und dieses harmlose Flüsschen soll eine solch zerstörerische Flut verursacht haben? Man will es nicht glauben. Im August 2002 geschah das Drama, das Grimma so weltweit bekannt gemacht hat. Kein Hochwasser kam, nein, es war eine Flut. Plötzlich schossen die Wassermassen hier durch und ergossen sich in die Stadt. Kaum vorstellbar die Gewalt, die in kürzester Zeit den mit viel Mühe, Geld und Liebe nach der Wende fast abgeschlossenen Aufbau von Grimma wieder zunichte machte.

Auf einer Betonstraße spazieren wir bis an das jetzt niedrige Wasser der Mulde heran. Für die Russen mußte die Straße gebaut werden; aus militärischen Gründen. Grimma war für die Besatzer eine wichtige Garnison. Vor ca. 10 Jahren sind die russischen Soldaten abgezogen; Verwüstung und Chaos haben sie jedoch an allen Orten hinterlassen, wo sie residierten. Die Gebäude praktisch abbruchreif; Taugliches, vom Klosett angefangen bis hin zu Wasserrohren wurde mitgenommen, selbst die Kabel wurden aus den Wänden rausgerissen, hören wir. Vollgesch... die Keller und auch andere Räumlichkeiten. Nun, sie sind weg. Nur einige Zivilisten sind geblieben, die sich offenbar aber gut integrieren. Ressentiments von deutscher Seite scheint es keine zu geben.

Fortsetzung: Grimma, Dresden



 

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