Seite 2 der Reise nach Thüringen und Sachsen

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Unsere Reise nach Thüringen und Sachsen



~~   Grimma  ~  Dresden  ~  Pillnitz   ~~

  III  



An einer alten Klosterruine kommen wir vorbei. Nonnen hatten hier in Marienthron ihr zu Hause oder auch nicht. Wie auf einem Schild zu lesen steht, ist jedenfalls die spätere Ehefrau von Luther mit dem Namen Katharina von Bora zusammen mit anderen Nonnen von diesem Ort geflüchtet. In einem Karren mit leeren Heringsfässern hatten sie sich versteckt. Da auf Brechen des Gelübdes die Todesstrafe stand konnten die Damen allerdings in ihren Heimatort nicht mehr zurück. Somit hatte Luther in seiner Güte die Entflohenen am Hals und versuchte sie daher allesamt irgendwie an den Mann zu bringen. Bis auf die arme Adelige Katharina klappte es ja auch ganz gut. Nur die war stur und wollte den Reformator selbst. Was blieb dem unbeugsamen Luther (jedenfalls in Glaubensdingen) anderes übrig, als einer ehemaligen Nonne ihren Willen zu geben. Die Ehe mit Katharina von Bora wurde jedoch glücklich und fruchtbar. Die Nachkommen bedanken sich sogar noch heute bei Katharina - wie ich zufällig im Internet gesehen habe -, dass sie ihnen den berühmten Namen Luther verschafft hat.

Muldeabwärts, direkt am Eingang zu Grimma, macht eine luftige Hängebrücke für das Fußvolk auf sich aufmerksam. Sie ist neu, wie wir erfahren. Denn die Alte war durch die Flut so grotesk verdreht und in sich verwickelt, dass nur noch Staunen übrig blieb. Ein Stück weiter stehen zwei große Kontore aus vergangenen Zeiten, die zu Eigentumswohnungen umfunktioniert werden. Das Interessante daran sind die aufgemalten Pegelstände der Mulde seit 3 Jahrhunderten. Mit weitem Abstand der Oberste weist das Jahr 2002 aus. Unfaßbar, wenn man davor steht. Viel zu sehen ist von den Wirkungen der Flut jetzt aber nicht mehr. Lediglich einige Hauslücken und wenige ramponierte oder fehlende Fassaden weisen noch auf die Katastrophe hin. Von Grimmas Marktplatz schwärmt Gabi übrigens bis heute, hat sie doch mit Blick auf das schöne Rathaus einen gewaltigen Eisbecher vom Feinsten für 2.50 Euro auslöffeln können.

Dresden, die berühmte Stadt an der Elbe, wollen wir heute nach über 10 Jahren das 2. Mal besuchen. Einen Stein für die Frauenkirche hatten wir damals gestiftet und den wollen wir jetzt ausfindig machen. Jochen spielt den Chauffeur in seinem Mercedes und somit wird die Strecke Grimma - Dresden zur schnellsten Fahrt meines Lebens; an die Rückfahrt mag ich lieber noch nicht denken. Den heißesten Tag des Jahres haben wir für Dresden erwischt. An einem weitläufigen Platz nahe dem Schlossbereich ist noch ein Parkplatz frei. Irgendwie unfertig wirkt hier Dresden, obgleich wir uns im Zentrum befinden. Nur wenige Schritte jedoch und es öffnet sich das herrliche Panorama auf das alte Dresden mit seinen fast schwarzen Sandsteinmauern, Türmen, Zinnen, Ballustraden und Dächern. Ein grandioser Anblick. Noch ein Stück weiter und da steht sie, die in neuer Pracht wieder erstandene Frauenkirche. Wahrlich ein einziger Genuss. Harmonie und Schönheit strahlt sie aus. Nicht wuchtig erscheint sie mir trotz ihrer Größe, vielmehr filigan wie ein Kleinod. Einmalig!

Touristen wohin man schaut. Viele drängen jedoch in Richtung der Frauenkirche und wir treiben mit. Um die Kirche herum ist allerdings noch durchgehend Baustelle, nur der Eingang ist offen gehalten. In großer Zahl warten bereits Besucher auf Einlass, so dass wir lieber weiter wandern. Beeindruckend sind hier alle Baulichkeiten. Ein gewaltiges Gebäude aber scheint fehl am Platze, einfach zu modern. Erst nach genauerem Hinschauen wird der Trugschluss klar; es ist nur eine Verhüllung, hinter der restauriert wird. Eine breite Treppe steigen wir hinauf und gelangen auf die wunderschöne, belebte Uferpromenade. Unter uns die Elbe, dahinter Wiesen und Grün bis an wuchtige, honorige Gebäudekomplexe heran. Das jedoch, was Dresden zu Dresden gemacht hat, liegt jetzt majestätisch ausgebreitet und auch in die Höhe wachsend direkt vor unseren Augen. Eine Komposition aus grau-schwarzem Sandstein. Begeisternd.

Lotti zieht uns auf der Promenade voran. Eine lebensgroße, vergoldete Statue, weiblich und mit buntem Fächer in der Hand steht auf einem niedrigen Sockel mitten im Weg. Das ebenfalls goldfarbene, bis auf den Boden reichende Hemd fließt im Wind weich um ihren Körper. Fasziniert schaue ich hin. Keinerlei Bewegung, kein Zittern ist zu sehen. Nur das Hemd fließt leicht weiter. Irgendjemand wirft eine Münze in die Schale vor dem Sockel und wie eine aufgezogene Spieluhr beginnt die Figur sich zu bewegen. Eckig, nachfedernd, wie eingerostet gehen die Arme zu Seite, der Fächer öffnet sich und schließt dann wieder. Auch Kopf und Oberkörper hatten sich mehrfach gedreht, federn jetzt jedoch in die alte Stellung zurück. Ein letztes Wippen und nichts erinnert mehr an Bewegung. Eine weitere Münze klimpert in der Schale. Das Schauspiel wiederholt sich in absolut identischer Weise. Ich kann mich kaum losreißen vor Faszination. Ein Stück weiter steht eine andere Figur; diese ist ganz in Silber gehalten, männlich und mit gewaltiger Knollnase. Faszination pur auch hier.

Die Kathedrale, das Schloss, die Semperoper und natürlich der Zwinger, alles will einzeln aber auch als Ensemble bewundert werden. Gute Führer haben wir ja dabei. Lotti interessiert sich bei der Hitze mehr für die Springbrunnen. Und schon sitzt sie im flachen Becken, läßt sich berieseln. Das Grüne Gewölbe ist diesmal - im Gegensatz zu 1992 - geöffnet und das wollen wir nutzen. Es ist aber weder ein Gewölbe, noch ist es grün, wohin wir kommen. Offenbar wird das Grüne Gewölbe renoviert, denn die vielen Exponate des absolut sehenswerten Schatzes stehen einzeln hinter Glas in weißen hohen Räumen des Schlosses. Dort kann man nur staunen, zu welchen Kunstwerken menschliche Schaffenskraft und Phantasie fähig ist. Gold, Silber, Edelsteine, Elfenbein wurden verarbeitet. Die Materialien also, mit denen sich Kaiser, Könige und Fürsten gern umgeben haben. Natürlich galt das auch für den hiesigen Hausherrn, den August von Sachsen.

Unklar ist mir aber nach wie vor, welchen Titel dieser Sammler der Schätze hatte. War es nun August der I von Sachsen oder der II oder war August gar in einer Person sowohl der I als auch II von Sachsen. Ein Kurfürst von Sachsen liest man hier, ein Herzog von Sachsen aber da und zudem soll er noch König von Polen geworden sein. Wer soll bei diesem Durcheinander noch durchblicken? Jedenfalls wurde dieser von 1670 - 1733 lebende August auch August der Starke genannt, obgleich er politisch nicht die glücklichste Hand hatte. Seine Stärke zeigte er wohl mehr den vielen Mätressen, die er neben seiner unglücklichen Ehefrau hatte. Über 250 Kinder soll er - so wurde am Hofe gemunkelt - gezeugt haben. Eine weitere Leidenschaft von August dem Starken ist ja bis heute zu bewundern, seine Bauwut in und um Dresden sowie das Stapeln von Kostbarkeiten. - Der Steuereintreiber dürfte einen absolut sicheren Job unter seiner Regentschaft gehabt haben.

Welchen der herrlichen Schatzgegenstände ich hätte haben wollen, ist schwer zu sagen aber auch müßig, denn so viel Wächter wie im Grünen Gewölbe habe ich selten gesehen. Eine Sammlung alter, erotischer Bilder und Drucke ist 2 Etagen höher ausgestellt; üppige Damen und allerlei Sauereien kann man sich da anschauen - ebenfalls unter Bewachung, wenn auch dezenter. Nach so viel Kunst bin ich wieder froh, in den Sonnenschein treten zu können. Nur, wo sind Lotti und die anderen? Vor dem Schloss musiziert eine Gruppe Studenten, eine weitere formiert sich zum Chor und verkürzen mir die Wartezeit. Noch ein Blick hinüber zur Frauenkirche und weiter geht die Fahrt in Richtung Pirna. Das Lustschloss Pillnitz direkt an der Elbe - natürlich von August dem Starken - will man uns zeigen. - Wer mehr an Dresden interessiert sein sollte, der klicke mal auf:  Besuchen-Sie-Dresden

Weit ist es nicht nach Pirna. Dennoch verzweifelt Jochen fast: Einmal kann er wegen der Staus nicht aufs Gas treten, zum anderen hat er sich wegen der ständig wechselnden Umleitungen verfahren. Wie das Schloss Moritzburg nördlich von Dresden, ist auch das Schloss Pillnitz südlich von Dresden unbedingt einen Besuch wert. Als niedrig gehaltene, weitläufige Anlage in Karreeform zeigt sich Pillnitz direkt an der Elbe. Ein wunderschöner Park mit altem Baumbestand und einer Art Labyrint aus Buschwerk liegt gleich nebenan. Die Spielchen, die der liebe August hier mit seinen Damen trieb, stehen einem fast vor Augen. Und spätestens angesichts der blühenden Rarität eines Kamelienbaumes dürfte selbst die standhafteste Barockdame seiner Zeit schwach geworden sein. In heutiger Zeit wird zum Schutz des Kamelienbaumes vor Kälte und Schnee nicht mehr jährlich ein kuschliges Holzhäuschen drum gebaut, sondern ein nebenan stehender, auf Schienen verschiebbarer Glasbau benutzt. An der Orangerie vorbei wandern wir zum Eingang zurück und wundern uns über die so zahlreichen, dekorativen Kamine auf den Dächern des Schlosses. Jochen hat Recht - wie wir erfahren -, die meisten sind wirklich nur Dekoration.

Zum Abendessen laden wir unsere beiden Gastgeber ein. Morgen wollen wir weiter in die Sächsische Schweiz, zu der Pillnitz eigentlich schon gehört hat. Weit ist es also wirklich nicht. Wir staunen deshalb, dass Monika noch nie richtig in dies Gebiet gefahren ist; und Jochen kennt es auch nur beruflich vom Durchfahren. Wir versprechen deshalb, über die Sächsische Schweiz nach Grimma zu berichten. - Der Himmel sieht etwas eigenartig bei unserer Abfahrt aus. Es wird doch wohl nicht regenen? Bis nach Dresden brauchen wir mit dem Auto heute fast die doppelte Zeit als gestern; ich sitze diesmal am Steuer. Ein Teilstück der neuen Autobahn nach Prag ist fast bis Pirna fertig. Drei Tunnel, einer besonders lang, werden hier durchfahren, dann geht's im Stau durch Pirna. Ein Schild weist den Weg nach Bad Schandau und Königstein; da wollen wir nämlich hin. 25 km maximale Fahrt, lese ich. Wo werden wir heute wohl landen? ist Gabi's Frage.

Bergan fahren wir aus Pirna heraus und auf einer Hochebene geht es durch Wald und Flur, wenn auch mehr durch Flur. Weit reicht dann der Blick über das Land und - was ich in Deutschland selten gesehen habe - hier und da erheben sich Tafelberge. Zweien davon kommen wir immer näher. Der rechte, der wuchtigere Berg scheint was Besonderes zu sein. Immer deutlicher wird erkennbar, dass eine gewaltige Mauer die Höhe umschließt. Der Wald nimmt uns jetzt wieder auf. Eine Abzweigung kommt heran und auf einem Schild ist zu lesen: "Festung Königstein". Die werden wir mit Sicherheit besuchen, sage ich zu Gabi. Aber erst muß ein Quartier gefunden sein. Die Straße führt im Wald kräftig berab, erste Häuser zeigen sich, der Ort Königstein ist erreicht. Und auch die Elbe sehen wir wieder. Neben der Elbe, die wegen der erhöhten Bahngeleise aber meist verdeckt ist, fahren wir Königstein ab. So ganz überzeugt hat uns das Örtchen jedoch nicht, weshalb wir gradewegs nach Bad Schandau durchfahren.

In einem Tal fließt hier die Elbe. Am Hang verläuft die Straße durch herrlichen Laubwald. Gegenüber im schmalen Bereich zwischen Ufer und Berg beginnt jetzt eine Häuserzeile, die nicht mehr enden will. Es dürfte wohl schon Bad Schandau sein. Eine Brücke wird vor uns durch den Wald sichtbar, bergab geht die Straße und schon sind wir auf der anderen Seite der Elbe in Bad Schandau. Die Kirche liegt rechts, also fahren wir auch nach rechts, denn wo sollte sonst das Zentrum sein. Recht hübsch hier, meint Gabi und das finde ich auch, womit bereits geklärt ist, dass wir hier bleiben werden. Den freien Parkplatz am Markt muß ich gleich wieder räumen: für Behinderte. An der Kirche vorbei, ein Stück weiter die Therme mit Beauty, Wellness u.s.w., u.s.w. (warum kann man nicht Deutsch schreiben?), aber auch Parkplatz. Lotti hat die Elbe gesehen - man sieht sie in Bad Schandau fast immer - und damit einen Rhein-Ersatz. Also müssen wir mit ihr hin. Das erste Bad in der Elbe will sie sich nicht nehmen lassen.

Fortsetzung: Bad Schandau, Königstein



 

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