Seite 4 der Reise nach Thüringen und Sachsen

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Unsere Reise nach Thüringen und Sachsen



~~   Königstein ~ Elbsandsteingebirge ~ Schrammsteine ~~

  V  



Der breite Eingang gleicht einem Tunnel, in dem man gut 10 m im Halbdunkel aufwärts steigen muss. Hier wurden nämlich die schweren Geschütze über eine Winde hochgezogen. Fast im rechten Winkel geht's dann auf Pflastersteinen weiter nach oben. Pferde hatten hier das Vergnügen, die Geschütze zu ziehen. Was dabei los war, kann man sich gut vorstellen. Wir jedenfalls stehen wieder in der Sonne; etwa auf Höhe der Mauerkrone, wie ich jetzt feststelle. Wirklich genial angelegt diese Festung, bei der Mauer und Fels sich optimal ergänzen. Gebäude und sogar Wald gibt es hier im Inneren. Mich aber interessiert die Mauer, denn offenbar kann man auf ihr um den ganzen Königstein herumlaufen. Auch Lotti will die Umrundung machen, pieselt noch schnell eins der auf der Mauer stehenden, alten Geschütze an, dann wird die Leine straff. Ob die Soldaten, die hier oben Wache schieben mußten, noch ein Auge für die Schönheit des uns umgebenden Landes gehabt haben mögen? frage ich mich.

Die Blicke sind nämlich herrlich. Langsam spazieren wir um jede Ecke der Mauer und schauen hinunter. Feld und Wald auf Hügeln hier, jetzt das tiefe Bielatal in dem sich eine kleine Ortschaft ausstreckt. Dort der Papststein, Pfaffenstein, in der Ferne die Berge von Böhmen. An einem Verlies für Pestkranke kommen wir vorbei. Unter uns taucht die Elbe auf, dann auch Königstein und jenseits der Elbe der markante Lilienstein sowie weit dahinter die Felstürme der Bastei. Phantastisch die Sicht zur weiten Elbeschleife. Mehr als eine halbe Stunde dürften wir für die Umrundung gebraucht haben. Über Treppen müssen wir jetzt runter und stehen dann wieder am Eingangstor mit dem Zeichen der Königswürde des bauwütigen August. - Auf das Abendessen freuen wir uns wie immer auf dieser Reise. In einem langen Gewölberaum mit hübscher Kellnerin wollen wir speisen. Lotti wird mit Wassernapf und Leckerli als erste bedient; und es ist nicht das erste Mal auf der Tour in die neuen Bundesländer, wie wir positiv vermerken.

Eine Wanderung zu den Schrammsteinen haben wir heute vor. Schon mehrfach konnte ich diese Steine aus der Ferne sehen, die wie eine Wand mit Zinnen wirken. Das ausgezeichnete Prospektmaterial über Wander-, Radel- und Bustouren in der Sächsischen Schweiz - eine kostenlose Angelegenheit - nennt Ostrau als Ausgangspunkt und einen blauen Balken als Wegmarkierung. Also auf nach Ostrau, diesem Weiler von Bad Schandau auf der Hochebene. Eine schwere Entscheidung ist aber noch zu treffen: Nehmen wir den Aufzug oder das Auto? Freistehend, nostalgisch, 100-jährig führt dieser Aufzug in luftige Höhe. Angst hätten wir nicht, doch von Ostrau müßten wir geradewegs ins Tal hinabwandern, durch das die Straße nach Ostrau verläuft. Warum dann nicht gleich das Auto nehmen; einen Parkplatz werden wir schon finden. Ostrau schauen wir uns aber dennoch an. Groß ist es nicht, die Sicht rüber auf den wuchtigen Falkenstein und die nahen Schrammsteine ist das Besondere am Ort.

Nur wenige Parkplätze sind noch frei. Ein Weg führt direkt in den Wald hinein und dort am Baum neben einem roten Punkt auch unser blauer Balken. Durch die hohen Tannen blitzt das Sonnenlicht herab. Gewaltige, dunkle Felsen wachsen links und rechts an den Hängen auf; abgebrochene, übermooste Felsstücke überall. Es ist angenehm kühl im Wald, würzig bis schwach modrig riecht die Luft. Nur leicht steigt der Weg an. Nach links, aber auch geradeaus könnten wir jetzt gehen. Eine Markierung ist jedoch nirgends zu sehen. Wir nehmen den breiteren Weg nach links. Die Tannen weichen, Laubbäume treten an ihre Stelle. Es wird offener, lichter. Hoch oben über unseren Köpfen schimmert das zarte Hellgrün des Blätterdachs herab. Da, wieder der rote Punkt und auch der blaue Balken. Wir fühlen uns wunderbar in dieser sich selbst überlassenen Natur. Sächsische Schweiz heißt dieses Kleinod also. Irgendwo stand zu lesen, zwei Schweizer hätten im vorletzten Jahrhundert diesen Namen geprägt.

Sogar Stufen aus Holzbohlen sind für unseren Weg angelegt. Offenbar werden alle Wanderwege hier gut gewartet, was uns freut. Denn immerhin müssen wir ja auch Kurtaxe in Bad Schandau bezahlen. Ein gewaltiger, senkrecht aufsteigender Felsturm wird durch die Bäume sichtbar. Himmelhoch ragt er neben uns auf. Das kann eigentlich nur der Falkenstein sein, weil er alleine steht. Unser Weg mündet auf einen Breiteren und siehe da, hier rackern sich die Radler ab. Mit hochrotem Kopf kommt der Letzte einer Gruppe herrauf, schwingt das Bein übers Radel und schiebt ab jetzt. Den Schrammsteinen sind wir schon sehr nah gekommen. Wie eine grau-schwarze Steinwand sehen sie aus. Ein Turm wächst neben dem anderen empor; die Basis haben sie aber alle gemeinsam. Einen natürlichen Durchbruch soll es jedoch geben, den man das Schrammtor genannt hat. Und schon taucht das Tor, das eigentlich mehr ein Spalt zwischen den Türmen ist, seitlich auf. Der blaue Balken führt uns natürlich dort hin und auch hindurch, denn erst dahinter beginnt das eigentliche Naturspektakel der Türme.

Glatt geschliffen und abgerundet ist das Gestein am Schrammtor, denn jeder latscht hier durch. Und Sandstein ist nun mal aus Sand gemacht und damit alles andere als widerstandsfähig. Früher oder später wird eben alles wieder zu Sand, sogar das ganze Elbsandsteingebirge. Wirklich schade. Gott sei Dank werden wir und auch Lotti, die hier begeistert herum springt, es aber nicht mehr erleben. Millionen von Jahren hat es immerhin auch gedauert, um das Elbsandsteingebirge entstehen zu lassen. Denn genau hier war in der Kreidezeit mal Meer, selbst wenn man es nicht glauben will. Dann kamen die Ablagerungen im Meer durch Abtragung zweier Festlandblöcke, dem Lausitzer und Böhmischen Block. Schicht um Schicht wurde aufgestockt bis auf etwa 700 m. Unvorstellbar, auch was den Zeitrahmen angeht. Grobe, besonders verwirbelte Schichten sind dazwischen, die auf unruhige Zeiten der Erde schließen lassen. Gut erkennbar andererseits sechs meterdicke Ablagerungen mit feinstem Sand. So hoch wie sonst nie in der Erdgeschichte stand während der Kreide das Wasser und der Druck auf den Grund war entsprechend groß. Die Kristalle des Quarz im Sand verbanden sich dadurch und schon war eine feste Sandsteinplatte von ca. 700 m Dicke geboren. Den Rest kann man sich fast denken.

Das Meer ging zurück, der Boden wurde zudem gehoben und die Sandsteinplatte lag frei. Jetzt mal ein Druck von hier, jetzt mal von da, auch von unten und die schönsten Risse waren entstanden. Wind und Wetter konnten nun loslegen. Und dann war da ja noch die mächtige Urelbe. Ab jetzt brauchte nur die Zeit, viel Zeit vergehen, bis wir zwei Hübschen mit der noch hübscheren Lotti an der langen Strippe durch das Schrammtor wandern und das phantastische Ergebnis bewundern können. Das tun wir auch ausgiebig. Die Szenerie der steil aufwachsenden Türme, Wände, Felsnadeln ist großartig. Unten an der Basis des Gesteins führt der Weg durch Wald weiter. Eine Gruppe älterer Herrn, so ab 60 aufwärts, verläßt vor uns den Wanderweg und steigt hin bis zur senkrecht aufragenden Wand. Hier muß wohl was besonders sein, denk ich mir und folge. Es ist aber absolut nichts für mich: Die Herrn machen sich fertig zum Aufstieg mit Seil und Pickel. Und das in dem Alter! Unser Abzweig zum Aussichtspunkt auf den Türmen ist ebenfalls erreicht. Durch einen hohen Kamin über Eisenleitern muß man hinauf, wie wir feststellen. Mit Huckepacknehmen von Lotti ist hier natürlich nichts. Gabi bleibt deshalb erst mal unten.

Eine Leiter folgt der anderen auf meinem Weg nach oben. Schön stabil sind sie und zudem mit griffigem Geländer. Die erste Etappe liegt hinter mir, noch eine zweite Kürzere, dann steh ich schon in luftiger Höhe auf einem der höchsten Sandsteintürme. Das Panorama einzigartig. Rundherum kann kann man den Blick schweifen lassen, sofern kein anderer davor steht. Denn ich bin wirklich nicht der einzige hier oben. Felstürme einer neben dem anderen. Eine ganze Reihe steht gegenüber. Dicke Mächtige, schmale Hohe, Felsnadeln, Wände, Mauern. Grau bis schwarz die meisten, aber auch helle Stellen und Flächen zeigt das Gestein. Das Markanteste jedoch sind die Schichtungen, die sich an jedem Turm fortsetzen. Wie Würstchen sind sie durch die Erosion vielfach geschnürt. Schon ein toller Anblick. Auf der dünnsten Felsnadel hat es sich ein Bergsteiger bequem gemacht. Mein Neid hält sich jedoch in Grenzen. Ein zweiter schickt sich gerade an, den Fels ebenfalls zu erklimmen.

Weit geht der Blick über die Elbe auf das Land mit seinen durch Wald eingerahmten, riesigen Feldflächen und vereinzelt stehenden Tafelbergen. Die Elbe selbst zeigt nur einen kleineren, fernen Ausschnitt von sich. Tief unten im Tal fließt sie an uns vorbei, verdeckt durch das Steilufer und die Türme. Es wird Zeit, an die beiden Wartenden zu denken. Einige Minuten gönne ich mir aber noch, um rüber zu den entfernten Affensteinen, auf das wunderschöne, dicht bewaldete Tal dorthin und zum Falkenstein zu schauen. Der Falkenstein hat jetzt ebenfalls Besuch bekommen; ein einsamer Kletterer sitzt auf seinem Haupt. Recht schnell abwärts geht meine erste Etappe. Aber was lese ich da. Der steile Kamin war nur für den Aufstieg. Ein zweites Schild weist jedoch auf den Abstieg hin. Auch hier ein steiler Kamin und eine Leiter folgt der anderen. Endlich, ich bin unten. Nur, dummerweise führt jetzt der Weg nicht rechts rum zu Gabi und Lotti, wie ich mir so banal gedacht habe, sondern nach links weiter bergab. Sch ... und nochmals ....

Angesichts der Felswände ist die Entscheidung ohnehin klar: Ich muß wieder nach oben; über sämtliche Leitern und im verbotenen Kamin absteigen. Auf halber Höhe Gegenverkehr. Verdutzt schaut man mich an, steigt dann aber weiter ab. War der nicht schon oben? meine ich fast zu hören. Verschwitzt, außer Atem stehe ich wieder am Verbotsschild. Keiner ist zu sehen, also abwärts. Ohne Gegenverkehr komm ich auch runter. Lotti begrüßt mich freudig, Gabi verhaltener. 'Bißchen früher hättest Du schon kommen dürfen' höre ich und 'andere sind dort drüben runter gekommen'. Das Rätsel bleibt für mich ungelöst. Vielleicht muß man die Schilder in Sachsen und Thüringen nur anders lesen. Durchs Schrammtor geht's zurück auf den Radelweg bis zum Abzweig Richtung Falkenstein. Die 4 Verdutzten von vorhin kommen gerade den anderen Weg hoch und scheinen bei meinem Anblick die Welt nicht mehr zu verstehen. Sollen sie; wir jedenfalls schlagen uns jetzt seitwärts in die Büsche bis der Wagen wieder erreicht ist. Eine absolut empfehlenswerte Tour - wie ich meine -, wenn man meine Eselei nicht nachmacht.

Fortsetzung: Panoramaweg, Kirnitzschtal



 

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