Seite 5 der Reise nach Thüringen und Sachsen

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Überblick der Reise nach Thüringen und Sachsen







Unsere Reise nach Thüringen und Sachsen



~~   Bielatal ~ Panoramaweg ~ Kuhstall   ~~

  VI  



Dumpfes, rythmisches Bassgedröhn ist zu hören, zu sehen ist nichts. Es kommt aber näher und dann um die Kurve. Ein Jüngelchen sitzt am Steuer, lässig und sich seiner Einmaligkeit bewußt. Die Ohren fliegen mir fast weg, dann wird's wieder leiser und leiser und weit hinten kommt die Kurve. Die Natur um uns erwacht wieder. Dieses Erlebnis ist in den neuen Bundesländern allerdings keine Rarität. - Für das Bielatal haben heute noch Zeit. Dazu müssen wir erst nach Königstein und wenn man schon mal da ist, kann man sich den Ort auch ansehen. Das Schönste hier erscheint mir der Blick hinauf zur Festung. Ein Cafe mit Stühlen draußen kommt uns gerade recht. Lotti erhält wieder als erste Wasser. Mit ihrem Auge scheint etwas nicht in Ordnung zu sein, hat Gabi schon gestern festgestellt. Nicht ganz geöffnet ist es und schimmert rötlich, fällt auch mir jetzt auf. In Pirna sei ein Tierarzt, weiß die überaus hilfsbereite Frau des Hauses und erklärt den schwierigen Weg dort hin. 'Habe ich recht verstanden', fasse ich letztlich zusammen, 'die Hauptstraße mit allen Kurven immer weiter bis zum roten Haus'. Wir finden es und haben - wie fest versprochen - die erste Ampel in Pirna nicht überquert.

Schneller als gedacht, erscheint Gabi mit Lotti wieder aus der Praxis. Tropfen und Augenchreme hat sie dabei. Sollte es dadurch nicht besser werden, möchte sie bitte wiederkommen, hat der Doktor gesagt. Beide sind wir jetzt froh, die schwierige Fahrt nach Pirna gemacht zu haben und können nun frohgemut ins Bielatal weitergondeln. Noch vor der Festung Königstein geht's bereits rechts ab. Eine liebliche Landschaft umgibt uns. Es ist einfach schön hier zu fahren und deshalb fahren wir langsam immer weiter. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, hier am Ende der Welt zu sein. Warum nur? Ich kann es an nichts Konkretem festmachen. Verträumt ist es hier sicher, die Uhren dürften auch langsamer gehen, Häuser und Gehöfte aber durchaus in passablem Zustand, viele sogar recht schmuck und liebevoll. Tourismus gibt es offenbar auch, wie die Schilder 'Ferienwohnung' oder 'Zimmer frei' zeigen.

Auf selbiger Strecke fahren wir wieder bis zum Bielatal zurück. Laut Prospekt sollte es hier irgendwo besonders markante Klettertürme geben, doch zu sehen ist nichts. Im bewaldeten Bielatal verläuft die Straße bis nach Königstein und wir folgen ihr. Ein rotes Haus gibt's in Bad Schandau auch, allerdings hier ohne Doktor, jedoch mit Gaststätte, was uns den Eintritt gegen Abend sehr erleichert. Es schmeckt ausgezeichnet wie immer, nur die Bedienung erscheint uns recht unpersönlich. Eine Seltenheit auf dieser Reise, denn der Konkurrenzdruck in diesem Gewerbe ist offenbar enorm. Hiesige Freundlichkeit dem Gast gegenüber würde ich mir im Westen durchaus öfter wünschen. Auf dem Balkon unseres Zimmers lassen wir den Tag mit Blick auf den nahen Kirchturm, das wunderschön in den Farben Weiß und Gelb restaurierte Patrizierhaus gegenüber und den Kurpark ausklingen. Den Schlußgong setzt natürlich - wie immer - Lotti mit ihrem abendlichen ...

Es ist unser letzter Tag in Sachsen; wegen Lottis argem Auge halten wir eine baldige Heimfahrt doch für besser. Als Wandertipp empfiehlt das Hotel heute den Panoramaweg. Er trägt seinen Namen zu Recht, wie wir bald feststellen sollten. Auf der Höhe entlang des Kirnitzschtales verläuft er und wer will, kann sogar den ganzen Tag bis nach Hinterhermsdorf an der Grenze zu Böhmen wandern. Diesen Ehrgeiz haben wir aber nicht und lassen uns einfach überraschen, wie weit wir kommen. Wiesen, Felder und Wald wechseln sich ab. Oft mit herrlicher Sicht über das dicht bewaldete Kirnitzschtal bis hin zu den Talwänden mit Felstürmen auf der anderen Seite. Gemächlich geht's mal auf und mal ab, Bänke laden zum Verweilen ein. Wir haben Muße, kommen durch zwei kleine nette Ortschaften mit Pensionen oder Ferien auf dem Bauernhof. Hektik scheint hier wirklich ein Fremdwort zu sein. Auch wir lassen uns treiben und nehmen's gelassen, wenn an der Weggabelung mal wieder unklar ist, in welcher Richtung es weiter geht. Die Markierung kommt eben später.

Lotti schnuppert hier, rennt nach da, Gabi wickelt derweil die lange Leine auf und ab. Auch ich muß ran; für Lotti tun wir halt alles. Müde scheint sie überhaupt nicht zu werden, obgleich sie die Strecke sicher doppelt und dreifach gelaufen ist. Kindheitserinnerungen werden bei manchen Pflänzchen und Blumen in mir wach; wie lange habe ich sie nicht mehr gesehen. Hier finde ich sie also wieder. Völlig unscheinbar sind einige, aber dennoch bin ich innerlich berührt. Der nächste Ort Lichtenhain ist von Ferne schon zu sehen. Ein schnurgeradener Weg zweigt vom Panoramasteig sacht zum Kirnitzschtal ab und da just hier auch ein Schild auf den Lichtenhainer Wasserfall verweist, nehmen wir die neue Richtung. Erstmalig seit Stunden tauchen andere Wanderer auf und wie schön, ein Hund ist mit dabei. Wald umgibt uns wieder. Immer steiler müssen wir hinab, ein Weg ist kaum mehr zu erkennen. Dennoch kommen wir Drei im Tal wohlbehalten an.

Auf der Straße müssen wir jetzt weiter. 500 m bis zum Wasserfall steht geschrieben. Es rumpelt und quietscht hinter uns; eine nostalgische Straßenbahn kommt um die Kurve und lädt zum Lächeln ein. Der Lichtenhainer Wasserfall samt zugehöriger Gaststätte ist erreicht. Sicherlich hätte ich den Wasserfall aber übersehen, wenn nicht in diesem Augenblick aus einer Box lautstark ein Männerchor erschallt wäre und der Wasserfall aus 3 m Höhe losgelegt hätte. 2 Minuten schätze ich das Spektakel, dann bricht der Chor, aber auch der Lichtenhainer Wasserfall abrupt wieder ab. War nun der Chor, oder der Wasserfall das Schönere? frage ich mich auf der anderen Straßenseite beim Bier. Auch nach dem 2. Gesang und Wassergeplätscher kann ich mich nicht entscheiden. Für eine Wanderung zum Kuhstall entschließe ich mich deshalb. Nochmals bergauf wandern will aber Gabi nicht mehr, ihr genügt es für diesen Urlaub.

Mutterseelenallein ziehe ich also los und zwar stetig aufwärts. Nicht steil, aber auch nicht gerade flach. Hand in Hand folgt mir ein junges Pärchen, überholt mich dann sogar, was mich schon erstaunt; denn so langsam bin ich nun wieder nicht. Zwischen turmhohen Laubbäumen geht es dahin. Ein bisschen hat es angefangen zu nieseln, doch unter dem Blätterdach merke ich freundlicherweise fast nichts davon. Eine Gaststätte taucht im Wald neben wuchtigen Felsformationen auf, jetzt auch der Kuhstall. Er ist ein breites und gut 20 m weites Felstor, durch das man wandern kann, um von oben herab in ein tiefes, dicht mit Tannenwald bestandenes Tal zu schauen. Wirklich schade, dass Gabi diese herrliche Aussicht nicht sieht. Es scheint ein völlig isoliertes Tal zu sein, kein Haus, kein Weg, ausschließlich Natur bis hin zu den weit gegenüber aufragenden Felswänden. Woher der Name Kuhstall stammt, ist bis heute unklar. Eine Zuflucht für Mensch und Tier, insbesondere in der schlimmen Zeit des 30-jährigen Krieges, dürfte dieser tiefe, schützende und im Wald verborgene Felsdurchgang aber sicherlich gewesen sein.

Im Kuhstall selbst gibt es ebenfalls ein Felstor. Geht man hindurch und wendet sich zwei Schritte nach links, so steht man ganz unten an einem gerade mal schulterbreiten himmelhohen Felsspalt. Und in diesem Felsspalt führt eine Eisenleiter in den Himmel hinauf, weshalb sie auch Himmelsleiter genannt wird. Natürlich will ich in den Himmel steigen und steige deshalb los. Etwas muffig, moosig, feucht riecht es auf meinem Weg in die höheren Sphären und die Helligkeit. Links und rechts kann man sich an den nassen Wänden abstützen und staunt dabei, wie hoch doch der Himmel zwischen diesen Felsen ist. 20 m hinauf dürften es im Spalt wohl gewesen sein und man kann - wie ich in Sachsen schon gelernt habe - nur aufsteigen, aber nicht absteigen. Hier oben soll mal eine Art von Burg gewesen sein, steht zu lesen; vermutlich ähnlich der Bastei. Davon sieht man aber nichts mehr. Der Blick ins Tal hinunter ist das Schöne. Und das Interessante sind die mächtigen Sandsteinquader, die wie aufgestapelt erscheinen.

Wunderbar kann man hier in die Kreidezeit schauen. Spuren, Rillen, Röhren, Löcher wurden durch die Erosion sichtbar gemacht. Eigentlich nichts besonderes, wenn man nicht wüßte, dass längst vergangene Tiere dafür verantwortlich sind. Sie haben am Grund des Meeres gelebt und es sind ihre Zeichnungen, die sie hinterlassen haben. Irgendwie unvorstellbar für mich. Schnell werde ich jedoch wieder in die Gegenwart geholt, denn das Tröpfeln vom Himmel wird jetzt zu einem Regenguss. Da Sandsteintürme aber Gott sei Dank die Angewohnheit haben, einzelne Schichten schneller erodieren zu lassen, finde ich zwischen zwei festeren Schichten rasch ein herrlich überdachtes Plätzchen, sogar mit Blick hinüber zu den Affensteinen. Einziges Manko: Unmittelbar vor mir geht es ..zig Meter steil abwärts ins Tal. Der Regen hört auf, die Sicht übers schöne Tal und die Affensteine ist verinnerlicht, vorsichtig trete ich den Rückweg an. Keine Menschenseele treibt sich zwischen den Felsen noch rum. Auch die Gaststätte hat mittlerweile geschlossen.

Die Sonne kommt wieder hervor auf meinem Weg hinunter zum Lichtenhainer Wasserfall. Ich genieße diese letzte Etappe in der Sächsischen Schweiz. Ich glaube aber sicher, es war nicht das letzte Mal. Mit Quietschen begrüßt mich die Straßenbahn im Tal. In 10 Minuten fährt sie ab nach Bad Schandau, sagt der Schaffner und Fahrer zugleich. Dann zuckelt sie los, immer schön an der Kirnitzsch entlang und auf der linken Seite der Straße. Die wenigen Gäste schuckeln hin und schuckeln her, lächeln jedoch allesamt in sich hinein. Nostalgie - wie schön. Man erinnert sich an alte Zeiten. Die Bahn hält, der Fahrer steigt aus. Die Weiche muß er umstellen; wie es sich gehört, mit einem Eisenstab. Und weiter gehts im Tal. Lieblich, saftig grün ist es, das Wasser der Kirnitzsch klasklar. Das Straßenbahndepot; wieder steigt der Schaffner aus und stellt die Weiche. Rückwärts fährt er jetzt, steigt wieder aus. Aha, der hintere Wagen wird abgekoppelt, dann stellt er die Weiche erneut und wir warten. Jetzt ein Quietschen vor uns. Eine andere Bahn erscheint, hält aber auch. Ein Staffelholz wird übergeben, dann fährt sie weiter. Na klar, wegen der Einspurigkeit. Nur wer das Staffelholz hat, der darf fahren. Wieder Weichenstellung, jetzt fahren auch wir weiter.

Die ersten Häuser von Bad Schandau sind zu sehen. Viele alte Villen sind dabei, meist wunderschön restauriert. An einer Kurklinik geht's vorbei, dann kommt der Kurpark und leider auch die Endstelle. Ich hätte weiter fahren wollen, es war so herrlich schuckelig. Gabi winkt vom Balkon herab. Sie hat schon gepackt. Unser Hotel Lindenhof hat noch ein Schmankerl parat. Ab vier Nächten zahlt man weniger für das Zimmer, auch wenn man nachbucht. Einen Sachsenwein genehmigen wir uns beim letzten Essen in Bad Schandau, vielleicht waren es aber auch zwei. - Sieben Stunden dauert die Fahrt zurück bis nach Düsseldorf. Nicht einen Stau haben wir dabei erlebt, nicht mal in Pirna, nicht am Kölner Ring. Gabi fährt mit Lotti gleich weiter zum Arzt. Ein Riss in der Hornhaut des Auges ist die Diagnose. Es heilt jedoch so blendend, dass wir beim nächsten Treff im Jagd-Spaniel-Club vom Urlaub mit Hund in Thüringen und Sachsen nur schwärmen können.

 

-   E n d e   d e s   B e r i c h t e s   -
 

 

 

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