Überblick der Reise nach Thüringen und Sachsen

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Unsere Reise nach Thüringen und Sachsen



~~   Mülhausen ~ Harz ~ Quedlinburg   ~~

  I  



Das meiste Gepäck hat unsere kleine Lotti. Noch ein kurzes 'Gassi' und bei Sonnenschein wird in unseren atypischen Urlaub gestartet. Ohne irgendeinen Flug geht's von Düsseldorf über Wuppertal - mit dem ersten Stau - Hagen, Kassel - mit dem nächsten Stau - Eschwege bis zum Städtchen Mühlhausen in Thüringen. Wer kennt schon Mühlhausen, quasi den Mittelpunkt von Deutschland? Auf der Baja California habe ich das erste Mal von Mühlhausen in Thüringen gehört, gestehe auch ich. Warum ist es nur so unbekannt, trotz seiner wunderschönen, restaurierten Altstadt? Es ist die Stadt des Thomas Münzer mit einer noch fast vollständig erhaltenen Stadtmauer, phantastischen Kirchen, Fachwerk wohin man schaut, schlicht ein Genuss durch die Gassen zu schlendern. Das alte, auch Innen sehenswerte Rathaus hat es der Lotti aber besonders angetan; ein Häufchen setzt sie in aller Öffentlichkeit davor. Gott sei Dank ist der Bürgermeister wohl außer Hause, denn ohne amtliche Missbilligung gelingt uns die Beseitigung des Schandflecks in Mühlhausen. Im nahe liegenden, schmuck gestalteten Teehaus können wir uns bei einer Tasse Assam vom Schreck wieder erholen.

Ein Pferderennen gibt's in Gotha, zu dem unsere Gastgeber wollen. Gelegenheit für uns, Gotha ein bisschen näher anzuschauen. Ca. 30 km geht die Fahrt über leicht hügeliges Land. In weiten Feldern leuchtet das knallige Gelb des blühenden Rapps zu uns herüber; wunderschön anzusehen. Einige Ortschaften werden durchfahren. Vom ehemaligen Grauschleier der DDR ist nichts mehr zu sehen, auch nichts mehr zu spüren. Ost und West gleicht sich optisch an. Die Außenbezirke von Gotha erscheinen mir in Bezug auf Restaurierung allerdings erheblich im Rückstand zu sein. Ganz anders als in Mühlhausen. Am gewaltigen, karreeförmigen Schloss auf einem Hügel im Zentrum von Gotha steigen wir aus. Recht klotzig wirkt das Schloss, durch dessen weiten, kahlen Innenhof wir schlendern. Da Lotti weder das Museum, noch sonstige Räumlichkeiten des Schosses ansehen will, geht's auf der Vorderseite wieder raus. Schräg unter uns liegt die Altstadt von Gotha. Ein schöner Anblick. Sehr groß ist das alte Viertel jedoch nicht und schon bald sitzen wir am Markt mit Blick auf das Rathaus, trinken unseren Kaffee und lassen die anderen laufen. Auffallend sind hier die Haare vieler Mädchen. Poppige, rote, gelbe, grüne Strähnen zieren sie, wie im Westen vor einigen Jahren. Und das wird auch in Sachsen und Sachsen-Anhalt so sein.

Gabi und ich hoffen bei der Abfahrt aus Mühlheim, einen einigermaßen vernünftigen Eindruck bei unseren Freunden hinterlassen zu haben. Auch Lotti ist sauber geblieben und hat weder den Erpel noch die Frösche im Gartenteich verjagt. "Die mit Peter (Sohn) geleerte Flasche Cognac wird Ita uns sicher verzeihen" meine ich zu Gabi auf unserem Weg gen Norden zum Weltkulturerbe, der Stadt Quedlinburg nahe dem Harz in Sachsen-Anhalt. Recht gemütlich zuckeln wir dahin, denn ich sitze am Steuer. Wieder sind weite Felder und hügeliges Land um uns. Mir scheint, jeder Ort der sich sehen läßt, besitzt hier sein eigenes Schloss oder eine Burg. Die bislang so treue Sonne versteckt sich immer häufiger hinter Wolken. Je mehr jetzt die Hügel zu Bergen des Südharzes werden, um so dunkler wird der Himmel und schließlich pladdert es daraus. Höher und höher schlängelt sich die Straße durch dichten Tannenwald.

Die Höhe ist erreicht und ein Parkplatz mitten im Wald gleich dabei. Eine tolle Idee hat sich hier verwirklicht. Aus einem Autoanhänger wird Erbsen- oder Linsensuppe mit und ohne Würstchen für 2,50 Euro verkauft. Guten Appetit wünsche ich mir, spanne den Regenschirm auf und beginne den Napf auszulöffeln. Der clevere Erfinder soll seine Suppe mittlerweile sogar bis nach Amerika verkaufen, höre ich dabei. Quedlinburg ist nicht mehr fern; hinter einem Hügel taucht denn auch gleichnamige Burg und Stadt im Regen auf. Im Stau geht's auf der Ringstraße schrittweise weiter, bis die Burg majestätisch hoch über uns thront. Am steilen Hang darunter ein Häuschen am andern, schmal, hoch oder auch niedrig, aber alle in Fachwerk. Mittelalter pur. Hier sind wir genau richtig, denke ich, finde sogar einen Parkplatz und die Suche nach einer Bleibe kann losgehen. Zu Dritt, zu Fuß, im Regen, ins erste Gässchen hinein.

Fast alle hier aneinander klebenden Häuschen - aber auch herrschaftliche Häuser - sind offenbar in den letzten Jahren liebevoll restauriert worden. Jedes hat seine Eigenart, jedes ist sehenswert. Aufwärts geht's in der alten, gepflasterten Gasse, die zum Schloss hinauf führt. Leider regnet es weiter. Lotti ist schon pitschnass und erscheint mir fast um die Hälfte geschrumpft. Wir lesen "Ferienwohnung frei" und versuchen in der angegebenen Gasse unser Glück. Überaus freundlich wird uns mitgeteilt, dass die freie Wohnung leider nicht für Hunde zugelassen sei. Wagners und Ibrahims um die Ecke vermieteten aber auch. Herr Wagner schaut vom 2. Stock auf uns im Regen stehende Armselige herab und bedauert, dass er keine Hunde nehme. Frau Ibrahim im Fachwerkhause gegenüber hat unser Klingeln offenbar erst gar nicht gehört und zieht schnell den Fenstervorhang wieder zu. In der malerischen Schlossberggasse gibt es einen "Domschatz", ein kleineres Hotel, und das mag Hunde. Ein besonders großes Zimmer bekommen wir deshalb. Auch der Preis ist moderat, ein Hausparkplatz dabei und auf das Frühstück freuen wir uns täglich. Na also. Sogar der Regen hat jetzt aufgehört und das wird für die gesamte Urlaubszeit auch so bleiben :-)

Quedlinburg ist phantastisch. Wir sind begeistert. Keine kleine Stadt und dennoch fast alles Fachwerk aus diversen Jahrhunderten. Hier atmen Tausend Jahre. Niemals wurde Quedlinburg zerstört, auch Brände hat Quedlinburg nicht erlebt, wie fast alle anderen Städte im Mittelalter oder danach. Wahrlich ein Weltkulturerbe. Vom "Domschatz" führt unser Weg über die Flanke des Burgberges mit seinem herrlichen Blick über das rote Dächergewirr von Quedlinburg erstmalig so richtig in die Stadt hinein. Wirklich jedes Haus ist eine Betrachtung wert. Wir bleiben hier stehen, wir bleiben da stehen, was Lotti aber gar nicht gefällt. Schief, krumm, winklig ist alles um uns herum. Gassen zweigen ab, in jede möchte man sogleich wandern. Es ist ein Genuss und wir haben Zeit. Niemand treibt uns, niemand belabert uns, nur Lotti zieht, wie Cocker es halt so an sich haben. Unsere Straße führt an einer Kirche vorbei und endet dann direkt am Marktplatz. Eine mächtige Kirche steht gegenüber und auch das honorige Rathaus, ein wunderschöner Bau. Erstaunlich, dass man Rathäuser meist sofort als solches erkennt.

Tische und Stühle sind vor Restaurants und Cafes auf dem Markt aufgestellt. Ein Tässchen Kaffee kann nicht schaden. Die Häuser um den Mark herum eins schöner als das andere. Fast alle mächtig und mit Stuck oder Malerei vielfach verziert. Ein großes Gebäude ist hinter Planen versteckt; es wird restauriert. Ein weiteres träumt noch davon. Ganz besonders gefällt mir ein dunkelrotes, schmales Fachwerkhäuschen, das einfach so in den Marktplatz frech hineinragt. Allein sitzen wir hier natürlich nicht. Übermäßig viel los ist aber auch nicht. Vielleicht liegt's heute ja am Wetter. Die Leute, die herumlaufen, sind meist ältere Semester mit grauen Haaren. Das wird mir noch häufiger - später auch in Sachsen - bei Touristen und deren Gruppen auffallen. Eine kleine, lokale Brauerei mit Gaststätte im urigen Brauraum für das Abendessen hatten wir uns schon vorgemerkt. Das Essen und das Bier sind vorzüglich. Roulade mit Klößen sowie Beilagen, deftig, reichhaltig, wie bei Muttern, und das für unter 10 Euro. Aus Düsseldorfer Sicht unfaßbar. Die Freude über Essenspreise endet übrigens erst wieder in Düsseldorf.

Ein sonniger Tag bricht an. Quedlinburg wird für uns noch schöner. Wir stapfen den gepflasterten Weg zum Schloss hinauf. Blick über die Dächer und Kirchen von Quedlinburg, Besichtigung des Doms samt seines Schatzes sowie der Gemächer im Schloss stehen auf unserem Programm. Für Lotti ist nur der Dombesuch gesperrt. Den Domschatz, der nach dem Krieg von einem amerikanischen Soldaten hier gestohlen und für mehrere Millionen von den Erben zurück gekauft werden mußte, hat sie folglich auch nicht gesehen. Dafür konnte sie aber mal am tragbaren, recht sehenswerten königlichen Klosett riechen und bis in die Kellergewölbe mit Fundstücken aus alten historischen Zeiten hinab steigen. Das offenbar für die damaligen kleineren Menschen konzipierte königliche Bett hat sie allerdings mit Nichtachtung gestraft; Lotti bevorzugt halt heutige Standardgröße. - Die Bedienung am Marktplatz kennt uns schon. Sicherlich drei Stunden Wanderung durch die Straßen und Gassen von Quedlinburg liegen hinter uns. Absolut sehenswert ist unser einstimmiger Tenor. Gut, dass wir mal wieder in Deutschland Urlaub machen.

Der Harz und damit auch seine höchste Erhebung mit dem Namen Brocken ist von Quedlinburg aus nicht weit. Gut 300 Tage im Jahr hüllt sich dieser 1.142 m hohe Gipfel allerdings in Wolken, Regen, Kälte und Schnee. Heute aber lacht die Sonne vom wolkenlosen Himmel und gibt uns das Startzeichen für seinen Besuch. Wernigerode ist auf der nagelneuen Autobahn über Blankenburg schnell erreicht; der Brocken samt seinem Fernsehturm grüßt schon herab. Mit einer nostalgischen Dampflokbahn fährt man üblicherweise auf den Gipfel und so wollen auch wir es halten. Gerade noch rechtzeitig wird der kleine Bahnhof 'Westerntor' gefunden, das sauteure Ticket von 30 Euro pro Nase gelöst (Hunde zahlen die Hälfte) und schon dampft der Zug ab. Knüppelvoll sind alle Wagons, an Sitzplätze nicht zu denken. Auf der offenen Plattform zwischen den Wagons sind aber noch 2 Stehplätze frei, auch Lotti schafft's irgendwie.

Stetig aufwärts schnauft die Lok mit ihrer anhängenden Last. Kräftige Dampfwolken werden dabei ausgestoßen und so manches Rußpartikel fliegt mir um die Ohren oder klaube ich aus den Haaren. Mittlerweile auf der Trittbrettstufe sitzend geniesse ich jedoch die Fahrt. Mal mit Blick ins tiefe Tal, mal über dicht bewaldete Hänge und Berge, mal öffnet sich der Blick auch weit über das Land. Der Harz ist wunderschön, steht mir im Kopf. Vier Stops liegen schon hinter uns, der Ferienort Schierke ist letzte Station vor dem entscheidenden Gipfelsturm. Kaum zu glauben, viele steigen aus; wir können uns jetzt sogar setzen. Auch Lotti freut sich, dass sie nun ihren teuren Platz auf dem Boden frei in Anspruch nehmen kann, ohne die ständigen abweisenden Handbewegungen der aufgetakelten Dame. Ein kleines, hübsches Mädchen will sie streicheln und erzählt, dass sie schon das 5. Mal in Wernigerode Ferien mache und die ganze Familie jedesmal auf den Brocken fahre.

Fortsetzung: Brocken, Bodetal, Thale



 

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